Freie Menschen sollten das nicht tun: Heiraten!

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gorki_kolumne35
„Die Ehe ist in allen mir bekannten Kulturen und Religionen der Versuch, die Sexualität der Frauen zu legitimieren und in geordnete, vor allem monogame Bahnen zu lenken. Die Ehe ist ein Kontrollinstrument über die Ausübung des Liebeslebens der Frauen. Andernfalls könnte man die Kinder keinem Mann zuordnen. Auf dem Weg der Zuordnung der Kinder sind auch die Besitztümer geregelt. Und damit das Erbrecht. Und also Frieden innerhalb der Sippen. Die Ehe ist vordergründig eine private, romantische Angelegenheit zwischen zwei Menschen. Aber eigentlich ist sie ein politisches Konzept, das privat ausgeübt, millionenfach gesellschaftlichen Frieden, Wohlstand und Sicherheit bewirkt. Auch vor der Erfindung der monotheistischen Religionen gab es Rituale, die Lebensverträge zwischen Paaren dauerhaft organisierten. Kein Gesellschaftskonzept ist so alt und hat derart viel Tradition wie die Ehe. Nicht die Kirchen haben das erfunden, sondern die Gesellschaften. Man weiß es nicht genau, aber offenbar heiraten die Menschen seit 5000 Jahren. Davor gab es polygame Gesellschaften, in denen Frauen ihre Sexualität frei lebten, sich in Gemeinschaften zusammen taten und die Kinder gemeinsam erzogen. Sie waren, wenn man so will, „hippiemäßiger drauf“. Die Ehe ist der erfolgreiche Versuch, die Frau anzubinden. Ans Bett, an den Mann, die eigenen Kinder, die Sippe, die Glaubensgemeinschaft und so fort.

Damit die Ehe aber nicht als hässliches Herrschaftsinstrument daher kommt, lud man sie mit allerhand Kitsch und Humbug auf. Die religiösen Institutionen waren da besonders fantasievoll: Das Konzept der Sünde und der Hölle kommen ins Spiel. Die Ehe wird zum heiligen Sakrament überhöht. Wer außerhalb der Ehe Sex hat, büßt im Diesseits wie im Jenseits. Auf Erden wird man aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Weil das als Schreckensszenario offenbar nicht ausreicht, wird man auch noch im Jenseits in der Hölle kokeln, so die volkstümliche Sage von Priestern und anderen Imamen. Im Islam gar wird die Ehe als finanzieller Schutz begriffen. Also zum Wohle der Frauen. Wer aber die „schützenden Arme“ verlassen will, wird wie bei der Mafia verfolgt und getötet. Was einem bei Ehebruch in der Hölle alles blühte, kann man herrlich auf christlichen Kunstwerken des Mittelalters in Museen studieren. (Was einem als irdische Hölle in der Ehe blüht, kann heute jeder in seiner eigenen Familie studieren). Man brauchte diese hanebüchenen, monströsen Gewaltdarstellungen in den Bildern und Erzählungen der Glaubensinstitutionen als Gegenpol zur Sexualität des Menschen. Man hat es mit zwei starken Kräften zu tun. Hier die Sexlust des Menschen, es zu machen, mit wem und wie man will. Und da die Religionen, die einem weismachen wollen, dass nichts so schön sei, wie eine „verantwortungsvolle Sexualität im geschützten Rahmen“. Dabei weiß jeder: Die dauerhafte Verbindung zwischen zwei Menschen ist der denkbar sicherste Lustkiller, den sich die Menschheit ausdenken konnte. Die Ehe ist ein frauenfeindliches Denkmal. Für Ehebruch werden heute immer noch Frauen getötet, bestraft, geächtet. .

Erstmals in der Geschichte der Menschheit ist es gleichgeschlechtlichen Paaren in einigen europäischen Ländern erlaubt, eine Ehe zu schließen. Im Zusammenhang mit der einhergehenden Berichterstattung ist von „fortschrittlichen Gesellschaften“ die Rede. Das „erzkatholische“ Irland und Spanien seien modern, Deutschland nicht. Heiraten ist aber nicht modern, sondern kapitalistisch, altmodisch und reaktionär. Aber so ist es nun mal mit der romantischen Erhöhung. Sie ist uns anerzogen worden. Wir sind es so sehr gewohnt, dass Menschen heiraten, dass niemandem ernsthaft in den Sinn kommt, die Ehe komplett abzuschaffen. Auch die zivile Form der Ehe bleibt, was sie ist. Das süße Versprechen „einander ewig treu zu bleiben“ endet spätestens bei der Scheidung mit den hässlichen Worten wie „eheliche Zugewinngemeinschaft“, „Rentenausgleich“, „alleiniges Aufenthaltsbestimmungsrecht der Kinder“. Nichts und niemand kann Liebe, Begehren und Lust, die von Freiheit und Flüchtigkeit leben auf Papier manifestieren.

In einer nach Säkularität und Gleichheit unter den Geschlechtern strebenden Gesellschaft hat das Heiraten nichts verloren. So lange geheiratet wird, werden Frauen nie frei sein. Was will man machen. Schwule und Lesben wollen heiraten, genauso wie Heterosexuelle das tun. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie dieses Recht uneingeschränkt erhalten. Nicht, weil heiraten so toll ist, sondern weil Ungleichheit abzulehnen ist. Jahrelang wurde uns erklärt, dass deutsche Soldaten in den Krieg gezogen sind, damit Mädchen in Afghanistan in die Schule gehen dürfen. Krieg führen zum Zwecke der Geschlechtergleichheit. Wenn das so ist, dann müssen in Deutschland auch Männer Männer heiraten dürfen. Dieser athletische Gedankensprung ist unter aufgeklärten Geistern völlig klar.

Irland ist natürlich nicht modern. Es verbietet Abtreibungen. Aber es erlaubt Heiraten unter Schwulen und Lesben. Das ist insofern logisch, weil der Kirche nichts so sehr ein Graus ist wie frei ausgelebte Sexualität. Wenn sie schon vögeln, dann unter dem Segen der Kirche. Das nenne ich ein Rollback. Denn noch ist Männern das Heiraten„erlaubt“. Was aber, wenn Homosexuelle diskriminiert werden, weil sie noch nicht geheiratet haben? Was, wenn die Kirchen umschwenken und sagen, dass Homosexualität kein Problem sei, sondern der nichteheliche Sex von Homosexuellen und die gesellschaftliche Treibjagd auf nichtverheiratete Schwule und Lesben losgehen wird? Ja, was dann? Dann hat die Ehe gewonnen. Und damit die Domestizierung der Sexualität des Menschen. Jahrtausende lang die der Frauen. Und bald die der Männer. Das ist nun aber wirklich Gerechtigkeit.

Ich bleibe dabei. Wer sich in alberner Hochzeitskleidung vor einen Altar stellt („vor Gott“) oder einen wildfremden Standesbeamten („den Staat“) hat nicht verstanden, dass freie Menschen so etwas nicht tun sollten. Heiraten.“

Mely Kiyak

Der Text beinhaltet gute Argumente, beachtet aber nicht den generativen Sinn von Sexualität. Zum anderen fehlt mir der Mutterbezug und die Mutterbezogenheit im Gesellschaftsentwurf der Autorin.

Leider weiß ich nicht, ob die männliche „Verantwortungsfähigkeit“ (falls überhaupt genetisch vorhanden) in einem chaotischen Ausleben ihrer sexuellen Freiheit enden würde. Im  freien verantwortungslosen Ausleben der männlichen Sexualität  würden Frauen wiederum in ihrer Freiheit unterdrückt werden. Deshalb sehe ich im Mutterbezug und in der Mutterbezogenheit einer Gesellschaft einen fürsorglich-regulativen Sinn.

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11 Kommentare zu „Freie Menschen sollten das nicht tun: Heiraten!

    Johanna Schacht sagte:
    26. Juni 2015 um 12:37

    Liebe Gisela, da muss ich wohl mal wieder die Männer in Schutz nehmen: Die pauschale Abwertung von Männern in Form von Infragestellung ihrer Verantwortungsfähigkeit kann nicht gelten lassen. Das ist nicht zielführend und schadet dem Feminismus. Lieber Gruß Johanna

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      Johanna Schacht sagte:
      26. Juni 2015 um 13:08

      Bei dem Ausleben sexueller Freiheit für beide Geschlechter geht es v.a. darum, die Female Choice als Respekt vor der Frau und ihrer Wahl ihrer Sexualpartner wieder herzustellen. Das ist der Kern des Feminismus, denn sexuelle Gewalt und Unterdrückung der weiblichen eigenständigen Sexualität ist der Kern des Patriarchats.

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    giselaweber1 geantwortet:
    26. Juni 2015 um 12:57

    Liebe Johanna, ich habe vielleicht zu kurz gegriffen, weil im obigen Text keine wirkliche Patriarchats-Kritik vorhanden ist und ich die soziale Verantwortungsfähigkeit in patriarchalen Strukturen nicht erkennen kann. Deshalb meinte ich auch im Anschluss, dass in mutterbezogenen Gesellschaften das (matriarchale) Fürsorge-Regulativ, die Verantwortung in jede Aktivität und Interaktivität einbeziehen würde.

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    giselaweber1 geantwortet:
    26. Juni 2015 um 12:59

    Meiner Meinung nach, ist es doch schon pathologisch, wie sich in patriarchalen Gesellschaften um die Verantwortung gedrückt wird. Hier gehe ich von den derzeitigen Verhältnismäßigkeiten aus und nicht von Ausnahmen.

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    giselaweber1 geantwortet:
    26. Juni 2015 um 13:02

    Ich habe grundsätzlich große Probleme mit dem Feminismus, weil er das männliche Emanzipationsprinzip übernommen hat und die Priorität auf Aktivität, Gestaltung, Selbstgestaltung, Karriere und Individuation setzt. Somit soll das Leben an die Arbeitswelt angepasst werden und nicht umgekehrt.

    Die Priorität auf die Arbeitswelt zu setzen, ist feministisch-sozialistisch-patriarchal. Zwar werden einige Erkenntnisse der Matriarchats-Forscherinnen (der Begriff, Matriarchats-Forschung wurde beim letzten Frauen-Kongress mehrheitlich beschlossen) übernommen, aber der Kern der Probleme wird nicht erkannt. Die Forderungen nach mehr Lebensbezug mögen zu möglichen Erweiterungen der Betätigungsfelder – auch auf Frauen – führen. Aber, sie führen nicht zur Veränderung der Prioritäten-Setzung.

    Der Mutterbezug, die Mutterbezogenheit und Mutterschaft wird nicht gebührend bewertet und soll sich, a priori, nach den patriarchalen Arbeitsnormen richten. Das bedeutet für die Lebenswirklichkeit, dass Mutterschaft weiteren Entwertungen, Zeitverkürzungen und Einschränkungen unterworfen wird.

    Nicht die Erhaltung und Entfaltung des Seins stehen im Focus, sondern Arbeit, Betätigung und Gestaltung. Es wird unterschwellig der patriarchale Arbeitsbegriff übernommen, der in Arbeit die Bestätigung des männlichen Seins als Norm des Mensch-Seins anerkennt.

    Matriarchal gesehen, arbeitet man/frau um zu leben.

    Patriarchal gesehen, lebt man/frau um zu arbeiten.

    Wohin führt uns der patriarchal-ausgeartete Arbeitswahn? Er führt uns an die Grenzen der Existenz, denn, wer patriarchal arbeitet, verbraucht und verschwendet Natur-Ressourcen. Dieser Arbeitsbegriff dient der Herrschaftsbestätigung und der Selbstbestätigung und steht nicht im Dienst des Seins und der Verantwortung gegenüber dem Sein. Hinzu kommt der emanzipatorische Faktor, der, der patriarchalen Aktivität, Arbeit, Karriere und Individuation innewohnt und zum Sisyphus-Effekt und zur Entfremdung von der Natur und vom Sein führt.

    Wenn die Erhaltung der Natur-Ressourcen und die Erhaltung des Mutterbezugs nicht zur Priorität gemacht werden, erfüllen wir, zwangsläufig, die biblisch prophezeite Apokalypse.

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    Johanna Schacht sagte:
    26. Juni 2015 um 13:13

    Klar, ich stimme mit Dir absolut überein, das Feminismus nicht bedeuten darf, dass die Frauen patriarchale Werte leben und patriarchale Privilegien genießen. Das ist ja ein Widerspruch in sich, der gerade ins Mainstreambewusstsein dringt. Deshalb brauchen wir eine neue feministische Welle, die weibliche, mütterliche Werte in unser Gemeinwesen einbringt und es umgestaltet, statt sich anzupassen und dabei draufzugehen. Und das gelingt nur, wenn auch die Männer sich diesen Werten (Gemeinwohl, Fürsorge, generative Verantwortung etc.) verpflichtet fühlen, wenn es common sense wird und wir das Männer-gegen-Frauen-und-umgekehrt-Ding hinter uns lassen können. An der prinzipiellen Fähigkeit von Männern zu verantwortlichem Handeln zu zweifeln (genetisch determiniert!), hat für mich nichts mit Patriarchatskritik zu tun, sondern mit unreflektiertem Ressentiment. So geraten Männer in die Defensive und schon haben wir wieder das Geschlechterkampf-Dilemma. Deshalb ist es meiner Ansicht nach für einen vertieften Feminismus wichtig, generativ zu denken und entwicklungspsychologisch. Unsere Empathiefähigkeit hängt von unseren frühen Erfahrungen ab – Traumatisierungen vorgeburtlich und in den ersten drei Jahren wirken sich am tiefgreifensten negativ auf unser Prosozialität aus. Das ist für beide Geschlechter der Fall. Es handelt sicvh um einen klassischen Teufelskreis: überforderte, nicht geachtete Mütter bringen unsoziale, gewalttätige Kinder hervor…

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      Anne Busch sagte:
      26. Juni 2015 um 14:55

      Liebe Gisela, das Patriarchat hat sich doch gerade des „Tricks“ der Dämonisierung des Weiblichen bedient. Dazu gehört auch das Schüren von Ängsten vor einer angeblichen Überheblichkeit, Herrschsucht und irgendwie bedrohlichen Macht der Frau. Denn um überhaupt das Recht zu haben, Weiblichkeit, Frauen und Mütter zu verunglimpfen und zu unterdrücken bedurfte es natürlich der Erfindung gewaltiger Szenarien. Sämtliche patriarchalen Mythen oder Glaubensbekenntnisse… sind voll davon. Den Muttermord zu vollziehen wurde legitimiert indem die Mutter – oder sagen wir die Urkraft des Weiblichen – zum bedrohlichen Monster stilisiert wurde. Nicht umsonst kursiert auch die Vorstellung eines Matriarchats, als eine von Männern initiierte Beschwörung quasi-reziproker Verhältnisse zum Patriarchat.
      So wurde etwa aus dem mütterlichen Schoß als geheiligtem Ursprung der Welt und der Vulva als Symbol der frei gelebten Sexualität der Frau in einem jahrtausendewährenden seelischen Saltomortale z.B. die vagina dentata.
      Und selbst wenn heute kaum jemand für möglich hält, dass diese mittelalterlichen Vorstellungen noch von Bedeutung wären, so prägen doch all diese in uns über Generationen antrainierten unbewussten Widerstände auch heute noch das Abwehrverhalten – nicht nur der Männer – gegen allzu fordernd auftretende weibliche Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Die Abwertung des Weiblichen selbst, die Demütigung… ist zum Mittel geworden, die eigenen Ängste zu überdecken und im Gefühl der Überlegenheit zu ertränken. Je mehr diese Überlegenheit nun in Frage steht, um so mehr offenbaren sich die dadurch kleingehaltenen Ängste. Erst ihre Aufarbeitung und die Aufklärung über diese Zusammenhänge wird Männern wie Frauen wirkliche innere Freiheit bringen.

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        Johanna Schacht sagte:
        29. Juni 2015 um 10:00

        Liebe Anne, die Dämonisierung des Weiblichen ist mehr als nur ein Propaganda-Trick, sondern dahinter steckt tatsächlich die nackte Angst vor Frauen. Angst vor der übermächtigen, oft gewalttätigen Mutter, Ausgeliefertsein in der Gebärmutter – Abhängigkeit von Frauen ist bedrohlich, deshalb das emanzipatorische Ideal des Patriarchats, die Überhöhung der Autonomie und Verleugnung der gegenseitigen Angewiesenheit…Die traumatischen vorgeburtlichen Bedingungen sind meist Folge von Gewalt gegen Schwangere und Missachtung ihrer Bedürfnisse und die immer traumatischeren Geburten resultieren aus der Traumatisierung von Frauen. Sie sind nicht mehr in ihrer weiblichen Kraft, sie haben den Zugang zu ihrer göttlichen Weiblichkeit verloren, sie sind nicht mehr im Stande, ihrem Körper zu vertrauen und sich zu öffenen, sich hinzugeben, liebend geschehen zu lassen. Die vagina dentata ist u.a. eine Symbolisierung des Geburtstraumas.

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    Anne Busch sagte:
    27. Juni 2015 um 9:18

    Das Empfinden von Ausgeliefertsein und Bedrohlichkeit ist ein Ergebnis patriarchaler Lebensfeindlichkeit und eine patriarchal definierte Wahrnehmung. Es tritt ein, was selbst erzeugt wurde.
    Sozusagen eine self fulfilling prophecy.
    Nur in patriarchalen Verhältnissen kommen wir auf die Idee natürliche Gegebenheiten als destruktive Abhängigkeit und Ausgeliefertsein zu interpretieren und umzudeuten, weil wir die bereits pathologischen Verhältnisse als Betrachtungsrahmen nicht verlassen.
    Eine Mutter ist ein Mensch, der Kinder austragen und nähren kann und damit ist quasi immer ein natürliches Abhängigkeitsverhältnis gegeben, dass auf Erden obendrein unabänderbar ist. Und gerade diese natürliche Unausweichlichkeit macht das Verhältnis von Mutter und Kind zu einer sehr sensiblen und störanfälligen Angelegenheit. Ob diese Bindung als bedrohliche Abhängigkeit und Ausgeliefertsein oder als fürsorgliche Geborgenheit empfunden wird, hängt doch eben gerade von den Bedingungen ab, die eine Mutter vorgefunden hat, um ihrer Aufgabe überhaupt gerecht werden zu können. Mütterliche Kompetenz wird doch in unseren Strukturen systematisch behindert und zerstört.
    Dieses Verhältnis ist aber grundsätzlich und im ursprünglichen Sinne positiv besetzt, denn es hat als Essenz eigentlich den lebensspendenden und schützenden Aspekt. Das ist in gewisser Weise natürlich auch als Macht interpretierbar. Die es aber zwingend benötigt, um Nachkommen gesund „durchzubringen“. Dieser Aufgabe können Mütter doch unter patriarchalen Bedingungen kaum noch nachkommen und darum ihre Macht im positiven Sinne nutzen.
    Dazu wäre es aber u.a. notwendig, diesen ursprünglich positiven Gehalt mütterlicher Macht und Kompetenz, als Voraussetzung für eine wahrhaft vertrauensvolle Bindung auch als solche wieder zu entdecken, zu kommunizieren und wertzuschätzen. Statt etwa mütterliche Dominanz oder Agressivität – die sich unter patriarchalen Bedingungen als scheinbare Kehrseite dieser Macht zeigt – als grundsätzliche Gefahr zu beschreiben. Und in einer in diesem Sinne machtvollen Mutter eine immer auch latent schlummernde Bedrohung, besonders für den Mann, zu vermuten.
    Das bedeutet für mich Matrifokalität.
    Hilflosigkeit und Ängste gegenüber einer angeblichen Übermacht der Mutter prä- und postnatal stellt sich doch nur ein, wenn die eigentlich lebensfreundlichen Bedingungen bereits entstellt sind. Wenn ich die Kompetenz und den Schutzraum der Mutter zur Übermächtigkeit und Dominanz umzudeuten geradezu verführt werde, da Mütter allerorten bereits entstellt und verwirrt agieren. Wenn Mütter überfordert, rechtlos, gedemütigt und von Gewalt umgeben sind. Wenn sie sich auf Grund von Abhängigkeiten, Stress und seelischer Verkrüppelung nun ihrerseits korrumpieren oder zu Handlangerinnen des Systems werden, indem sie die ihnen zugestandene Macht missbrauchen und u.U. zum eigenen Vorteil gezielt schaden. Da sie auch selbst keinen weiblichen, mütterlichen Schutzraum mehr haben…
    Niemals käme die Walnuss aber unter normalen Bedingungen auf den Gedanken, über ein Ausgeliefertsein an den Baum nachzudenken, der sie nährt und reifen lässt und vor Schädlingen meistens zu schützen weiß.
    Wenn ich einen solchen Baum allerdings zum Bonsai auf der Müllhalde mache, dann könnten die Früchtchen vielleicht doch ins Grübeln kommen. =)

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    Johanna Schacht sagte:
    29. Juni 2015 um 10:15

    Oder auch zu den versteinerten Säulen des patriarchalen Machtgebäudes, wie Du uns anhand der Baumnymphe Karya (ein Überbleibsel einer der vielen gestalten der weiblichen Muttetgöttin, die in vorpatriarchalen Zeiten oft in Bäumen verehrt wurde (=Plazenta-Symbol!)…Danke für diesen Link, liebe Anne! http://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/wissenstransfer/dateien/w60-die-welsche-nuss-geschichte-und-geschichten.pdf
    Die Entstellung ist unbewusst, der Schaden wird nicht bewusst erstrebt, denn jede Mutter will doch immer nur das Beste für ihre Kinder. Das ist das Tückische an der Sache. Frauen sind durch Jahrtausende der Unterdrückung von ihrer Weiblichkeit entfremdet. Die Dominanz des männlichen Wegs ist nicht spurlos an uns vorübergegangen, wir sind regelrecht umgepolt und müssen männlich ticken und so sind Frauen tatsächlich schwach. Also zurück zu den weiblichen Wurzeln, Schwestern; eignen wir uns den weiblichen Weg wieder an, nehmen wir die Verantwortung unserer Selbstheilung an, lassen wir uns nicht versteinern und zum Fundament des Patriarchats machen! Denn Mutterschaft ist das Fundament der Menschheit, wir halten den Schlüssel zum Wandel selbst in unseren Händen. Buchtipp: http://www.maitreyipiontek.com/index.php?go=Weibliches%20Manifest

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