Die neue Vaterrechtsbewegung

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Die neue Vaterrechtsbewegung bezeichnet ihre Bewegung als Aufstand der Entrechteten.

Es geht um theoretische Rechtsansprüche, die von leiblichen Vätern erhoben werden, die – sowie es sich hier darstellt – den Müttern entzogen werden sollen. Tut mir leid meine Herren, aber die Logik erschließt sich mir nicht. Mir ist nicht bekannt, dass Mütter mehr Rechte hätten als Väter.

Also, aus welchem Stoff sollen Vaterrechte konstruiert werden? Etwa, aus der naturgegebenen, schwangerschaftsbedingten und geburtsbedingten Mutter-Kind-Bindung? Soll dieses Naturgesetz überwunden werden, um eine meist, fiktive Vaterschaft zu realisieren?

Wer soziale Vaterschaft wahrnehmen will, der tut es und zwar im Einklang mit der Mutter! Ich kenne keine Mutter, die einem verantwortungsbewussten Vater das Umgangsrecht verweigern würde. Im Gegenteil, jede Mutter würde sich über Entlastung freuen.

Bei der derzeitigen Väterbewegung geht es doch um Väterrechte und nicht um das Kindeswohl. Denn, das Kindeswohl leitet sich aus der fürsorglichen Verantwortung ab und nicht aus etwaigen Rechtsansprüchen der Erzeuger.

Es werden Äpfel mit Birnen verwechselt, da Verantwortung nicht das Gleiche ist wie der Anspruch auf ein Recht. Dieser sogenannte Väteraufstand ist jedoch, im Kern, gegen die Mutter-Kind-Bindung gerichtet und versucht ein Naturgesetz außer Kraft zu setzen.

Hier, soll also ein Aufstand gegen die naturgegebene Mutter-Kind-Bindung geprobt werden, obwohl die bundesrepublikanische Gesamt-Situation der Mütter nichts mit individueller Selbst~ und gesellschaftlicher Mitbestimmung zu tun hat und zunehmend von ökonomischen Zwängen fremdbestimmt und nur über eine Vaterschaftstheorie patriarchal-instrumentalisiert wird.

Deshalb erlaube ich mir die Frage, ob Väter bereit sind, diese Rolle des Verzichts auf gesellschaftliche und berufliche Teilhabe und all die Pflichten bei der Aufzucht der nächsten Generation zu übernehmen, oder ob es ihnen, vielmehr, um das Bestimmungsrecht und den emanzipatorischen Faktor geht, der, aus der Entwertung der Mutterschaft, seinen Gewinn ziehen will?

Nicht die  B e k ä m p f u n g  der Mutterschaft, der Mütter und der Mutter-Kind-Bindung löst das Vaterschaftsproblem, sondern die soziale, konsensuale und egalitäre Wahrnehmung der Verantwortung und Pflichten gegenüber der heranwachsenden Generation. Dazu gehört die Überprüfung und Korrektur der patriarchal-systemischen Fehler, anstatt sie den Müttern anzulasten. Oder soll wieder mal den Vätern der Nutzen und das Recht zugestanden und den Müttern das Risiko, die Pflicht und die Last aufgebürdet werden.

Die unangetastete patriarchale Struktur blockiert effektiven Schutz für Frauen und Kinder
Anita Heiliger
/htm/Die%20unangetastete%20patriarchale%20Struktur%20blockiert%20effektiven%20Schutz%20f%FCr%20Frauen%20und%20Kinder.1.pdf
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9 Kommentare zu „Die neue Vaterrechtsbewegung

    Stephanie Gogolin sagte:
    30. Juni 2015 um 11:01

    Danke liebe Gisela, ein bemerkenswerter und sehr fundierter Artikel!
    …ich erlaube mir noch ein paar Gedanken (eine Auskopplung aus einem meiner Blogpost) anzuhängen…

    Warum gibt es heute Väter, die nahezu verzweifelt um ihre Kinder kämpfen? Und warum glaubt ein Teil der Väter, dass es ihr gutes Recht ist, das Kind in ihrem Sinne zu vereinnahmen?

    Diese bestimmten Väter machen Druck über die Väterrechtsbewegung, weil sie glauben ein Gewohnheitsrecht verteidigen zu müssen.
    Sie kämpfen um das Kind, weil sie es, seit der ‚Vater’Status im patriarchalen System eingeführt wurde, zum ersten Male nötig haben.
    Bis vor kurzem gab es noch Gesetze, die dem Vater Rechte zusprachen, welche das Kind quasi zum Besitz des Vaters erklärte. Seitdem das patriarchale System existiert, gehörten Kinder dem Vater (und wenn keiner existierte auch schnell mal dem Staat), vorausgesetzt er ließ sich dazu herab, sie anzuerkennen.
    Je nach Zeit und Kultur war der patriarchale Vater und hier im Besonderen der privilegierte Mann, in der Regel auch Herr über Leben und Tod seiner Kinder. Der Herr an der Spitze der Hierarchie besaß nur noch als „Herrn“ die Götter oder einen Gott über sich. Mit der Erschaffung der Götter und vor allem des monotheistischen Gottes, führte der patriarchale Mann ein Rechtfertigungssystem für seine Handlungsweise ein. Diese Ideologie sanktionierte, dass der ‚kollektive Vater‘ „seine“ Kinder und hier besonders die Söhne, auch jederzeit in den Tod schicken konnte bzw. noch immer kann.
    Die Rechte der Mutter am Kind waren selten zu ihren Gunsten korrekt festgelegt.
    Leider ist es auch heutzutage nicht üblich das Kind (aus der einstigen Willkür des ‚Vaters‘) wieder in die Fürsorgekompetenz einer Muttersippe zurückzugeben – im Gegenteil, beide, Mutter und Vater, sind gemeinsam dem anonymen kollektiven Vatergeist unterworfen, der letztlich nur bedingt und oberflächlich für das Kind Sorge trägt.
    Das Aufziehen der Kinder obliegt heute einem Elternpaar, das nicht zwingend aus beiden leiblichen Elternteilen bestehen muss. Deren Handlungsspielraum ist selbstverständlich der aktuellen Gesetzeslage unterworfen. Dabei kommt es u.a. zu seltsamen Konsequenzen. Der „Staat“ versucht durch diverse Behörden das Kind vor den Eltern zu schützen, da erfahrungsgemäß in der isolierten Kleinfamilie das Kind auch durchaus gefährdet sein kann. So wird auch eine Scheidung der Eltern vom Gericht prinzipiell an das Jugendamt gemeldet.
    Einige Väter kämpfen also heute weniger um das Wohl ihrer Kinder, das durch die Trennung der Eltern nicht zwingend gefährdet ist, sondern um ihr Sorge- und Mitbestimmungsrecht am Kind. Und zwar in der Regel gegen die Mütter.
    Warum tun sie es? Auch und meiner Meinung nach vor allem, weil ein Kind für einen autonomen Erwachsenen eine besondere Form der Zugehörigkeit bedeutet – es ist die in unserer Kultur übriggebliebene Identifikation mit dem verwurzelten Sein. Sahen sich in der Vergangenheit die Menschen eher in ihrer Bindung in den vorangegangenen Ahninnen und in den lebendigen Sippenstrukturen verwurzelt, findet heute eine Art Umkehrung statt. Die Herkunft spielt zunehmend eine untergeordnete Rolle und es wird sich quasi in die Zukunft verbunden. Der modere patriarchale Mensch (und hier vor allem der Mann) verhält sich wie eine Art Patient 0, bei dem alles beginnt und der seine Zugehörigkeit nur über seine Person und seine Nachkommen definiert.
    Wie also kam es zu dieser scheinbaren Verlorenheit der (sogenannten entsorgten) Väter. Das wiederum eröffnet einen weiten Betrachtungskomplex an dessen Ende die Erkenntnis stehen wird, dass unsere Männer, die sich nur noch über die Vaterideologie zu definieren haben, kollektiv vergessen mussten, dass sie auch bzw. vor allem Söhne (von Müttern) und Brüder (von Schwestern) sind. Zwar ist diese Bewusstsein noch latent vorhanden, aber es hat im gesellschaftlichen Mainstream keine Bedeutung zu haben. Weder Frauen noch Männer pflegen heute eine alltägliche und tiefer gehende Bindung zu ihrer konsanguinen* Herkunft. Die dadurch verschwundene (essentielle) Zuwendung und der, auch für Erwachsene verlorene, doch trotzdem bedeutsame Geborgenheitseffekt kann nicht allein und auf Dauer durch einen (gewählten fremden) „Partner“ ersetzt und auch nicht vom eigenem Kind aufgefangen werden. Es wird immer davor gewarnt, dass Alleinerziehende ihr Kind als Partnerersatz missbrauchen könnten, dabei wird übersehen, dass unsere Kinder schon seit langem als Sippenersatz herhalten und die strukturellen, sozialen Mangelerscheinungen ihrer Eltern auffangen müssen.
    Die derzeitige gesellschaftliche Beschaffenheit, die auf der Paarideologie und dem Mangelkonstrukt Kleinfamilie errichtet ist, wird sicher nicht so schnell korrigiert, aber vielleicht hilft die Erkenntnis, dass der Mann, der sich nur noch als Vater versteht, wieder seinen Platz als Sohn und Bruder in der Geborgenheit einer generationsübergreifenden Artgerechtigkeit sucht. Und alle sollten begreifen, dass die Mutter-Kind-Einheit die Lebensbasis unserer Spezies ist. Verantwortungsbewusste Väter pochen nicht auf patriarchal initiierte Rechte herum.

    * konsanguin – verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie

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    giselaweber1 geantwortet:
    30. Juni 2015 um 11:45

    Danke Dir liebe Stephanie für Deinen Kommentar – ich hätte mir keinen besseren Kommentar wünschen können. Du hast die Vaterschaftsproblematik um viele Aspekte erweitert und ich finde es gut, dass Du sie mit historischen, gesellschaftlichen, psychologischen und vor allen Dingen, mit „matriarchalen“, mutterbezogenen Argumenten substantiiert hast. Tolle Arbeit und danke nochmal!

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    giselaweber1 geantwortet:
    1. Juli 2015 um 10:37

    @Buzzword-Bingo, ich nehme an, dass Du Deinen Kommentar als Frage gemeint hast. Mit „Wieder-Anbindung an die matriarchale Genealogie“ meine ich, dass die weibliche Genealogie (Erbfolge) von Natur aus bereits vorhanden ist (Schwangerschaft und Geburt), aber aus patriarchaler (vaterherrschaftlicher) Sicht zählt nur die männliche (väterliche) Genealogie. Die patriarchale Genealogie wird
    u. a. mit Gewalt verwirklicht, indem die matriarchale Freiheit unterdrückt und zerstört wird. Somit basiert der patriarchale Herrschaftsanspruch auf der Etablierung der väterlichen Erbfolge und der Zerstörung der matriarchalen Erbfolge. In der Lebenswirklichkeit jedoch, scheitert diese Zwangsrealisierung, weil die väterliche Erbfolge an die mütterliche Erbfolge gebunden ist. Leibliche Mutterschaft ist die Voraussetzung für Vaterschaft – ohne Mutterschaft gibt es keine Vaterschaft. Vaterschaft ist nicht mit Mutterschaft gleichzustellen, weil es sich bei Vaterschaft um k e i n e körperliche Veränderung und Entwicklung handelt. Wohingegen Mutterschaft eine Metamorphose vom individuellen Sein hin zum sozialen Sein ist. Erzeugerschaft ist nicht mit Vaterschaft gleichzustellen, weil erst, mit der tatsächlichen Geburt, von Erzeugerschaft + sozialer Vaterschaft die Rede sein kann. Folglich ist Vaterschaft eine soziale Funktion, die mit der sozialen Mutterschaft vergleichbar ist.
    In unseren patriarchalen Gesellschaften, jedoch, wird die natürliche Welt auf den Kopf gestellt und es wird die theoretische Vaterschaft an den Anfang des Lebens gestellt. Man bedenke, dass man Schwangerschaft nicht auf Eizelle + Sperma reduzieren kann, weil viele andere Faktoren wichtig sind (Gesundheit, Ernährung, Umwelt, Reife, der richtige Zeitpunkt etc) und dass auch eine Schwangerschaftsleistung und ~dauer eingehalten werden muss.

    Das wirkliche Problem ist die patriarchale Tabuisierung, Entwertung und Wegrationalisierung der Mutterschaft, was zu all den Problemen führt, die wir heute zu beklagen haben. So, ist jede Herangehensweise an die Erklärung der Welt auf die Bestätigung des patriarchalen Vaterschaftsprinzips gerichtet.

    „Arbeit ist in ihrem ursprünglichen Sinn die Interaktion zwischen den Generationen“ (Claudia von Werlhof) und eben kein individueller Selbstbestätigungsvorgang. In allen patriarchalen Herangehensweisen an die Welt und in allen pateriarchalen Erklärungen der Welt fehlt das ganze matriarchale Spektrum, es fehlt der Mutterbezug, die Mutterbezogenheit und die Inklusion der Mütter. Patriarchale Männer sehen sich, hauptsächlich in einer Art Herrschaftsfunktion über die Natur, die Frauen und die Welt und ignorieren ihre verwandtschaftlichen Bindungen an die mütterliche Genealogie. Patriarchale Männer und Frauen wollen diese natürlichen Bindungen überwinden und sich zu künstlichen, sogenannten, „höherwertigeren“ Individuationen (einer Art „Selfmade-Man/~Woman) emanzipieren.

    Leider funktioniert diese natur-entfremdete Herrschaftsemanzipation nicht ohne die naturgegebenen mütterlichen Ressourcen, der mütterlichen Geborgenheit, der mütterlichen Fürsorge und Nahrung und des mütterlichen Schutzes, was man für die Emanzipation zur „Höherwertigkeit“ opfern muss.
    Wenn die natürlichen Voraussetzungen, Gegebenheiten, Bedingungen und Bedingtheiten – wozu auch Mutterschaft zählt, weil durch Mutterschaft natürliche Lebewesen geschöpft werden – überwunden werden müssen, um die patriarchale Absolutheit zu erreichen, dann zerstören wir unsere Existenzbasis, das Leben, die Natur, die Erde und deren natürliche Kreisläufigkeit. Das irdische Kreisläufigkeitsgesetz beinhaltet eine kontinuierliche Entwicklung und Veränderung von GENERIEREN-WERDEN-SEIN-VERGEHEN. Unser Wissen sollte auf ein sinnvolles Verstehen dieser irdischen Zyklizität gerichtet sein und nicht auf patriarchal-ideologische, utopische und nicht-erfahrbare Absolutheiten.

    Weil wir im Dilemma der nicht erfahrbaren patriarchalen Utopien stecken, ist es nötig, dass wir uns unserer irdischen Erfahrbarkeit stellen und uns der Mutter Erde mit Empathie zuwenden, weil sie unser Ursprung und unsere Basis ist.

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      Emannzer sagte:
      2. Juli 2015 um 19:47

      Hallo Archemama. Da du fairerweise den Pingback veröffentlicht hast und bei mir auf ErdbeerX antwortest, möchte ich dir gerne meine gegebene Antwort aus dem Blog mitteilen:

      „Hallo Gisela. Danke für deine Kommentare (auch auf deinem Blog), die du sachlich vorgetragen hast – die ich aber so in keinster Weise teile.

      Denn es wirkt, als würdest du aus einem konstruiertem Paradigma heraus argumentieren, dass du Patriarchat nennst. Der Journalist Michael Klonovsky hat im “Focus” dazu mal einen Leitartikel geschrieben: “Benachteiligt, wer denn?”

      Das Ganze ist dann noch garniert mit einer Prise Esoterik, was aber auch Männer teilweise tun, wenn sie auf Baumumarmungs-Seminare gehen – und basierend auf dem Das-Kind-gehört-zur-Mutter-Credo.

      In sich alles stimmig – nur leider falsch, wie die Gegenwart zeigt.

      Denn es blendet die Realitäten aus, die faktisch seit Jahrzehnten und sukzessive ausgebaut in diesem Land herrschen: Wir leben mittlerweile eher in einem Matriarchat, denn in einem von ‘Familien-Oberhäuptern’. Das ist nun mal Fakt in dieser Republik, wenn man denn gewillt ist, die Augen aufzumachen. Nur ein paar, nicht alle Fakten:

      – Automatisches Sorgerecht nicht für Väter
      – Zwangsvaterschaft, wenn die Mutter es will
      – Adoptionsfreigaben durch Mütter ohne Vetorecht (aSR)
      – 90 Prozent obdachlose Männer, aber bei Frauen ein Skandal
      – Männer müssen in den Krieg ziehen, Frauen dürfen es
      – Frauen-Gesundheitsberichte kostenlos. Beim Mann: 49,- Euro
      – Männer sterben stressbedingt 7 Jahre eher; interessiert nicht!
      – Die Frauenquote diskriminiert Männer und befördert leistungslos

      Ich hör dann mal auf, mit einer ersten Aufzählung.

      Da redest du ernsthaft von Patriarchat?

      Man baut sich also ein kleines ‘Gender-Universum’ und behauptet dann, die Erde sei eine Scheibe und die Sonne habe sich um sie zu drehen (wie der Rest der Galaxie)

      Mal eine ganz ernstgemeinte Gegenfrage, Gisela: Glaubst du ernsthaft, eine Männerrechts-Bewegung hat sich gebildet, weil das ‘Patriarchat’ um seine Pfründe fürchtet?

      Ich befürchte, deine Antwort wäre ja – das würde damit ein weiteres und schräges Licht auf diese Gesellschaft werfen bzw. aufzeigen, wie wichtig gerade eine Gegenbewegung ist. Denn noch immer gilt dieser Satz:

      These – Antithese – Synthese

      Die Voraussetzungen dafür sehe ich in diesem Land aber mittlerweile nicht mehr gegeben; leider.

      Etwas Versöhnliches zum Schluss: Wenn du dich für eine gleichberechtigte Teilhabe an der Elternschaft und im Berufsleben einsetzt für beide Geschlechter, für gleiche Rechte und Pflichten, dann bin ich ganz bei dir.

      Das würde aber die Beendigung eines Mutter- und Frauenkultes sowie anderen Gewohnheiten bedeuten.

      Gruß

      Emannzer
      -teilzeitalleinerziehend-

      PS: Ich finde diese Konstruktionen Patriar- oder Matriarchat genau so grenzdebil, wie Rechts-Links-Diskurse oder Religions-Konflikte.“

      Einen schönen Abend bei diesen, nicht nur meteoroligisch heißen Tagen. Selbst wenn der DWD (Deutsche Wetterdienst) Schneewehen orakelt hat; stimmt wirklich.

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    giselaweber1 geantwortet:
    3. Juli 2015 um 11:37

    Lieber Emannzer, Deine Reflektionen würde ich als patriarchats-kritisch bezeichnen, da Du die bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen kritisierst. Leider machen Männer in der Regel den Fehler, die Frauen dafür verantwortlich zu machen und nicht den Fehler im System zu erkennen. Der Fehler liegt tatsächlich am patriarchalen System, das den natürlichen LEBENSRAUM von Mensch, Natur und besonders der Mütter zerstört.

    Ich versuche jetzt mal auf die Kommentare von Dir und PetPanther einzugehen und bedanke mich für die rege Teilnahme.
    Leider weiß ich nicht, wo ich zuerst anfangen soll, da Ihr beide so viele Fragen habt.

    „Männer müssen in den Krieg ziehen“. Genau das ist von Frauen und Müttern nicht gewollt. Ich erinnere mich nur daran, wie oft ich meine Großmutter habe weinen sehen, weil ihr Sohn in Russland gefallen war. Wir Frauen wollen keine Kriege, weil wir nicht wollen, dass immer unsere Arbeit und unsere Leibesfrüchte für die patriarchalen Machtspiele geopfert werden. Dass wir, Frauen und Mütter das nicht verhindern können, müsste Euch doch zeigen, wie machtlos und enflusslos Frauen in der patriarchalen Wirklichkeit sind. Ihr stellt es so hin, als ob die heutigen Geschicke von Müttern bestimmt werden. Ich sehe uns Mütter immer nur in der Position, Fehler korrigieren und ausbaden zu müssen, denn die Geschicke werden von Männern bzw. patriarchal bestimmt. Jetzt, schaut Euch doch mal die Folge-Erscheinungen von Kriegen an:
    Nicht nur, dass der Krieg keinen Halt vor Frauen, Alten und Kindern macht, sondern, die Zivilgesellschaft ist hauptsächlich davon betroffen. Mütter verlieren ihre Söhne, ihre Väter etc. und Frauen ihre Ehemänner. Außerdem müssen wir uns um die Folgen kümmern, die der Krieg hinterlassen hat. Verletzte und traumatisierte Kriegsrückkehrer brauchen Therapien und vor allen Dingen Geborgenheit in der „Familie“. Aber, können Familien das noch leisten, wenn Frauen und Mütter vom System gezwungen sind, (fremd)arbeiten zu gehen und für den Unterhalt (der Familie zu sorgen), was sie ohnehin tun?
    Mütter wollen nicht, dass ihre Söhne in den Krieg ziehen, weil sie die Hauptlast dafür tragen müssen.

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    giselaweber1 geantwortet:
    3. Juli 2015 um 11:43

    @petpanther und Emannzer, ich rate Euch, den Kommentar von Stephanie Gogolin zu lesen, dann wird Euch vieles klar werden – hoffe ich.

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    giselaweber1 geantwortet:
    3. Juli 2015 um 12:24

    @ petpanther, Du bemängelst die fehlende Verantwortungsbereitschaft (ich nehme mal an von jüngeren Frauen) der Frauen. Aber, genau das bemängeln wir an den Männern.
    Im Grunde genommen ist die fehlende Verantwortung systemisch bedingt, weil alles, was mit Erhaltung des Lebens, mit Pflege und Fürsorge zu tun hat, wenig bis keine, wirtschaftliche Anerkennung findet. Weil Frauen auch sehen müssen, wo sie bleiben, ist nicht mehr viel Raum und Zeit für Verantwortung gegenüber anderen.
    Wenn Du ehrlich bist, dann musst Du zugeben, dass es hauptsächlich Frauen sind, die die soziale Verantwortung tragen und die, die schlechteren Löhne und die meistenTeilzeit-Jobs haben.
    Ja, patriarchal-gehirngewaschene Frauen verhalten sich genau so lebens~ und menschenfeindlich, wie patriarchal-gehirngewaschene Männer.

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    giselaweber1 geantwortet:
    3. Juli 2015 um 13:38

    Lieber Emannzer und lieber petpanther, ich unterscheide zwischen Matriarchien und Patriarchaten. Matriarchien beschreiben Gesellschaftsformen und Patriarchate sind Herrschaftsformen. Matriarchien sind Gesellschaften ohne Herrschaft (herrschaftsfrei) und Gesellschaften mit Herrschaft sind herrschaftsbestimmt und meistens wird hier auch Herrschaft mit Gesellschaft gleichgesetzt. In allen Herrschafts-Gesellschaften gibt es Hierarchien und Frauen werden unterdrückt. Patriarchat = Vaterherrschaft.
    In allen patriarchalen Gesellschaften gibt es Prostitution, Verwahrlosung, Empathielosigkeit etc. neben dem technischen „Fortschritt“. In Matriarchien, vor ungefähr 7000 Jahren und in den, noch bestehenden (Mosuo in China, in Südamerika, in Nord-Mexiko) Matrilinearen Gesellschaften gibt es zwar den technischen Fortschritt nicht, aber, es gibt auch keine Prostitution, keine Verwahrlosung, keine Elendsviertel etc. weil die Menschen sich umeinander kümmern. Männer werden, als Brüder, Söhne, Väter, Onkel geliebt und bleiben lebenslang in der matrilinearen Gemeinschaft.
    Dass Frauen und Mütter in allen patriarchale Gesellschaften unterdrückt werden, führt am Ende in die Entfremdung von allem Natürlichen.

    …. einige Worte zu meiner Arbeit von Claudia von Werlhof

    Ziutat: … „Die Kernaussage ist:
    Alle Bereiche des Lebens in unseren Gesellschaften sind in ihren inter- und transdisziplinären Zusammenhängen zu sehen, wobei sich grundlegend fünf „Verhältnisse“ unterscheiden lassen, die wie in einem Kreislauf zusammenwirken:
    (1)Das Naturverhältnis (Ökonomie und Technologie),
    (2) das politische Verhältnis (politische Organisation und Verfasstheit der Gesellschaft bzw. Zivilisation),
    (3) das Geschlechterverhältnis (Regelung des Zusammenleben der Geschlechter und die Reproduktion der Gattung),
    (4) das Generationenverhältnis (regelt das Zusammenleben der verschiedenen Generationen und ihre Verbundenheit mit Vergangenheit und Zukunft),
    (5) das Transzendenzverhältnis (behandelt den Zusammenhang von Leben und Tod, und gibt Antwort auf das Woher und Wohin des Lebens). Es führt zurück ins Naturverhältnis.
    Die Art, wie diese fünf Verhältnisse geregelt sind, bestimmt den Charakter einer Zivilisation/Gesellschaft sowie die Möglichkeiten, darin auch als Einzelne/r zu agieren.
    Unsere Haupt-These ist, dass es im Prinzip zwei grundsätzlich verschiedene Arten einer zivilisatorischen Regelung gibt: die matriarchale und die patriarchale.
    Die matriarchale Zivilisation ist die ältere und ursprünglichere. Ihre Regeln sind in allen Verhältnissen: Egalität/Herrschaftsfreiheit, Gemeinsinn/Verantwortungsbewusstsein, Freiheitssinn/Gerechtigkeit, Friedlichkeit/Gewaltfreiheit in der Konfliktlösung, Lebensfreude und Achtung allem Leben gegenüber, Lebensfreundlichkeit und das Streben nach einem „guten Leben“ für alle sowie eine Orientierung der Kultur (der „Pflege“) an der umgebenden Natur.
    Diese Prinzipien entstammen der „mütterlichen Ordnung“, die diese Gesellschaften über unvordenklich lange Zeiten auf der ganzen Welt prägte. Ihre Protagonistinnen waren und sind vor allem Frauen und Mütter. Dies ist in noch lebenden Matriarchaten auf der ganzen Welt auch heute noch einsehbar. Indigene Bewegungen in aller Welt versuchen heute, eben diese Ordnung wieder aufzubauen und erfahren inzwischen sogar von Regierungen, wie im Falle Boliviens und Ecuadors, tatkräftige Unterstützung.
    Die patriarchale Zivilisation hingegen ist genau umgekehrt orientiert: Hierarchien/Herrschaft als System, „Teile und Herrsche!“ als allgemeine Politik/Zerstörung aller gewachsenen sozialen Bindungen bis „hinunter“ zu Mutter und Kind, Ablehnung einer verantwortlichen Haltung und des Respekts gegenüber dem Leben in allen seinen Formen/Plünderung, Aneignung und Zerstörung von menschlichen und Naturkräften, Freiheit in allem für wenige/ Unfreiheit im meisten für die Mehrheit, Gewaltformen bei der Lösung von Konflikten/ bewusste Schaffung von Konflikten und Gewaltformen (Krieg), grundsätzliche Verachtung und Nihilismus gegenüber dem Irdischen und insbesondere Frauen und Müttern (Muttermord)/“gnostische“ Orientierung an einem sogenannten „Geistigen“/Religiösen in einem vorgestellten „besseren Jenseits“ der Welt bzw. Versuch der Schaffung einer „Gegen-Natur“ in Gestalt eines angeblich möglichen und erstrebenswerten „Jenseitigen“ im Diesseits.“ …

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    giselaweber1 geantwortet:
    3. Juli 2015 um 15:02

    @ Emannzer,
    Zitat:
    – Automatisches Sorgerecht nicht für Väter
    – Zwangsvaterschaft, wenn die Mutter es will
    – Adoptionsfreigaben durch Mütter ohne Vetorecht (aSR)
    – 90 Prozent obdachlose Männer, aber bei Frauen ein Skandal
    – Männer müssen in den Krieg ziehen, Frauen dürfen es
    – Frauen-Gesundheitsberichte kostenlos. Beim Mann: 49,- Euro
    – Männer sterben stressbedingt 7 Jahre eher; interessiert nicht!
    – Die Frauenquote diskriminiert Männer und befördert leistungslos

    In der Natur haben alle Weibchenn automatisch die Sorge p l i c h t — das ist schwangerschafts~ und geburtsbedingt so, warum soll das bei Menschen anders sein. In der Regel wächst eine starke Mutter-Kind-Bindung im Laufe der Schwangerschaft. Wenn diese Bindung gestört wird, entstehen Traumatisierungen. Wenn Mütter krank sind, oder sterben, dürfen und müssen Väter die Erziehung übernehmen.

    „Zwangsvaterschaft, wenn die Mutter es will“ ? Diese Sache ist ja wohl eine graue Theorie, die aus Männerfantasien stammt. Wenn es vorkommen sollte, dann nur in verschwindend geringer Zahl.
    Wohingegen Zwangsmutterschaften und Zwangssterilisationen bei Frauen viel häufiger vorkommen (z. B. während der Nazi-Zeit und in allen patriarchal-faschistischen Regimen). 20% der geschiedenen Väter entziehen sich ihrer Unterhaltspflicht.

    „– Adoptionsfreigaben durch Mütter ohne Vetorecht (aSR)“.
    Wenn Männer ein Vetorecht haben wollen, dann geht es ohne Probleme, wenn sie das alleinige Sorgerecht übernehmen. Aber, wenn Männer Frauen mittels Vetorecht dazu zwingen wollen ein Kind aufzuziehen, dann ist das unlauter. Sie können das Kind ja selbst aufziehen.

    „– 90 Prozent obdachlose Männer, aber bei Frauen ein Skandal“
    Willst Du etwa, dass es auch 90% obdachlose Frauen gibt? Männer stören sich doch am meisten an obdachlosen Frauen.

    „– Frauen-Gesundheitsberichte kostenlos. Beim Mann: 49,- Euro“

    Das wird mir aber jetzt allmählich zu dumm. Störst Du Dich auch etwa daran, dass Frauen höhere Krankenversicherungsbeiträge und höhere Kfz.- Versicherungsbeiträge zahlen müssen?

    „– Männer müssen in den Krieg ziehen, Frauen dürfen es“

    Das ist nicht die Schuld der Frauen. Heute muss niemand in den Krieg ziehen. Es ist freiwillig und wer in ein Kriegsgebiet gehen will bekommt eine Entschädigung von 30 000 €

    „– Männer sterben stressbedingt 7 Jahre eher; interessiert nicht!“
    Das ist entweder berufsbedingt oder liegt an der Lebensführung. Es nützt ja nichts, wenn Frauen davor warnen. Männer richten sich nicht nach Ratschlägen von Frauen.

    „– Die Frauenquote diskriminiert Männer und befördert leistungslos“
    Falsch – besserqualifizierten Frauen wird damit eine Chance gegeben, die, sie bei der wirtschaftlichen Männerkupanei sonst nicht hätten! Frauen sind heute besser ausgebildet als Männer.

    Deine ganzen Punkte, die Du hier als Benachteiligung von Männern aufgezählt hast, stimmen nur bedingt mit der Realität überein. Es gibt schlagkräftigere und wirkliche Gegenbeispiele in der Wirklichkeit. Frauen haben die schlechtbezahlten Jobs. Bei gleicher Arbeit sind die Löhne von Frauen bis zu 30% niedriger. Renten liegen unter HartzIV-Niveau, weil Berufslaufbahnen durch Kindererziehungszeiten unterbrochen werden etc. Frauen sind viel stärker dem Armuts-Risiko ausgeliefert als Männer.

    Willst Du damit etwa sagen, dass Frauen an den Benachteiligungen schuld sind, obwohl Frauen, durchgängig, viel mehr Benachteiligungen hinnehmen müssen, auch zum großen Teil, aus sexistischen Gründen?! Nein, Emannzer, Frauen machen keine Gesetze. Es sind in der Mehrzahl Männer, die, die Gesetze machen. Die 20 % Frauen in Führungsetagen sind nicht beispielgebend für Deine versuchte Beweisführung.

    Aber mich interessiert die Führungsetage nicht, weil es mir 1. egal ist ob es ein Mann oder eine Frau ist, die ihre Untergebenen schikaniert und 2. werden die unteren Etagen immer den Nachteil in Kauf nehmen für die Privilegien der oberen Etagen. Das Gleichstellungsgesetz nützt den ehemaligen Schlecker-Verkäuferinnen gar nichts. Aber, auf dem Standpunkt zu stehen, dass Männer mehr Lohn bei gleicher Arbeit erhalten sollten, halte ich für unfair, ungerecht und sexistisch.

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