Matriarchale Menschwerdung versus Patriarchale Emanzipation

Gepostet am Aktualisiert am

Matriarchale Menschwerdung

… „Mit der Mutter begann die Menschwerdung, endet sie auch mit ihr?“… (Cl. v. Werlhof)

Das heißt, dass es ohne Mutterbezug, ohne Mutterbezogenheit und ohne reale Mutterschaft keine sinnvolle Menschwerdungs-Entwicklung geben kann. Da der patriarchale Gesellschafts-Entwurf keinen Mutterbezug enthält, mangelt es ihm auch an Menschlichkeit, an Geborgenheit, Schutz und Fürsorge.

Mutterbezogene Menschwerdung beinhaltet die ganze Lebensentwicklung vom Säugling bis zum Greis – von Geburt bis zum Tod. Sie bedeutet den Reifeprozess vom individuellen Sein zum sozialen Sein und die Übernahme von fürsorglicher Verantwortung für die Erhaltung und Regenerierung des Lebens, der Gemeinschaft und der natürlichen Existenz-Grundlagen. Mutterschaft beinhaltet die Metamorphose (Umwandlung) vom individuellen Sein zum sozialen Sein, als real-körperliche Entwicklung und ist deshalb die Voraussetzung des naturgegebenen Menschwerdungs-Prozesses, in seiner individuellen, sowie auch, in seiner gemeinschaftlichen und sozialen Bedeutung. Die fürsorgliche Mutter-Kind-Bindung ist das innere und äußere Agens für „zwischenmenschliche Interaktionen zwischen den Generationen und beinhaltet den ursprünglichen Sinn von Arbeit“ (frei nach Cl. v. Werlhof) der, der Erhaltung der Lebensbedingungen, Lebensgrundlagen und der Arterhaltung dient.

Matriarchale Aktivität und Arbeit steht im Dienst des Seins und in der fürsorglichen Interaktion zwischen den Generationen, was explizit, durch das Gebären und Aufziehen der nachkommenden Generation Ausdruck findet. Die schwangerschafts~ und geburtsbedingte Mutter-Kind-Bindung manifestiert eine verbindliche Verpflichtung zur Verantwortung gegenüber dem hilfe~ und entwicklungsbedürftigen, neuen Menschenleben.

Leibliche Mutterschaft heißt Leben-Geben und Leben-Erhalten und steht im Dienst des irdischen Seins. Wohingegen Vaterschaft eine emanzipatorische Optimierung von Mutterschaft konzeptualisiert, die im Dienst des patriarchalen Überlegenheits-Anspruchs steht und seine Rechtfertigung von einer theoretischen, irdisch-nicht-erfahrbaren Absolutheit ableitet, um die natürlichen Grenzen und Bedingtheiten zu überwinden.

Matriarchale Lebensordnung und Gemeinschafts-Organisation funktioniert nach dem Fürsorge~ und Lebenserhaltungsprinzip. Im Rahmen des sinnvollen Verstehens der Lebens~ und Naturzusammenhänge findet die Menschwerdung statt, indem die Menschin/der Mensch sich aus einem unbewussten individuellen Wesen zu einem verantwortungsbewussten sozialen  Wesen entwickelt.

So kann die Menschwerdung nur innerhalb einer mütterlichen (menschlichen) Geborgenheit und innerhalb des Verstehens der natürlich-irdischen Kreisläufigkeit – die die Vielfalt und Veränderlichkeit bewirkt – erlebt werden. Eine Menschwerdung, die eine Lebensbejahung beinhaltet und vermittelt und in der Vielfalt und Unterschiedlichkeit keinen Widerspruch, sondern eine Ergänzung und Bereicherung erkennt.

Die mutterbezogene Menschwerdung ist kein dualistisches Unterfangen bei dem es um die Gegensätzlichkeit und um die, daraus abgeleiteten, Überlegenheitsansprüche geht, sondern sie führt zum sinnvollen Erkennen, Verstehen, Ausgleichen und Ergänzen.

Diese Menschwerdung steht im Dienst des irdischen Seins und im Dienst  der Seins-Erhaltung. Deshalb führt diese menschliche Entwicklung zur Kooperation mit der menschlichen Gemeinschaft und zu einer kooperativen und lebensfreundlichen Bindung zur Natur und zur Erde, weil ohne sie kein Leben möglich wäre.

Die patriarchale Emanzipation hingegen ist gegen die Natur gerichtet, entseelt sie, beutet sie aus und transformiert sie in tote, von Menschen gemachte, Produkte ohne Generativität und ohne Vitalität. Die Leitlinie dieser Emanzipation ist selbstbestätigendes Gestalten, wodurch die Natur entwertet und zerstört wird. Der Widerspruch zur Natur und die Überwindung der natürlichen Bedingtheiten zwecks gestalterischer Überlegenheitsbestätigung sind der Motor patriarchaler Emanzipation und sie steht somit im Dienst des Machens und nicht im Dienst des Seins.

Nur eine matriarchale Menschwerdung kann diesen patriarchal-emanzipatorischen Wahn, der die Natur, die Umwelt und die Existenzgrundlagen zerstört, stoppen.

Patriarchale Emanzipation

Der patriarchale Emanzipationsgedanke ist im Kern auf die Unabhängigkeit von der Natur und auf die Unabhängigkeit von den Müttern und Frauen gerichtet. Die naturgegebene mütterlich-genealogische Blutlinie (Erbfolge) wurde okkupiert, negiert, instrumentalisiert und fremdbestimmt, um eine Legitimierung des Vater-Herrschafts-Anspruchs zu rechtfertigen und um die Etablierung und Sicherung der väterlichen Erbfolge zu legitimieren.

Mit der Etablierung des Vater-Status emanzipierte sich ein Herrschaftsprinzip, das eine vermeintliche Selbstständigkeit vorgibt, die auf der Unterdrückung und Instrumentalisierung des weiblichen Seins und auf dem Gebrauch, Verbrauch und Missbrauch der Natur-Ressourcen – wozu auch die weibliche Sexualität und Gebärfähigkeit zählt – basiert.

Lateinisch: emancipatio, was „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“ oder auch die „Freilassung eines Sklaven“ bedeutet https://de.wikipedia.org/wiki/Emanzipation.
Emanzipation war also ein Akt des vaterherrschaftlichen Gewährens von Selbstständigkeit.

Im Laufe der patriarchalen Geschichtsschreibung wurde aus Emanzipation ein aktiver Akt der Befreiung von patriarchalen Abhängigkeiten materieller und immaterieller Art. Mehr und mehr wurde daraus ein Streben nach Freiheit und Gleichheit und beinhaltete eine Auflehnung gegen Diskriminierung.

Frauen und Mütter wurden von der Gewährung der Emanzipation grundsätzlich ausgenommen. Der Befreiungsgeist der Aufklärung, der den Mann vom Aberglauben und von den starren religiösen Restriktionen befreien sollte, galt nicht für Frauen, weil der weiblichen Welt und dem weiblichen Sein, kurzerhand, Geist und Seele abgesprochen wurden. Frauen wurden so,  zur geist~ und seelenlosen materiellen Natur erklärt, die den Herrschern für deren Gestaltungsfreiheit zur Verfügung zu stehen hatten/und immer noch zu stehen haben. Durch diese Entmenschlichung regte sich Widerstand bei den Frauen und der Geist der Befreiung griff auch auf die Frauen über. Die Auflehnung gegen Diskriminierung und das Streben nach Gleichheit wurden dann ebenfalls zu Maximen der Frauenbewegungen und waren, fortan, Pulsgeber der Frauen-Emanzipation innerhalb des patriarchalen Paradigmas.

Damit wird klar, dass diese Emanzipation eine Art, Laufbahn vom Untertan zum Herrscher, vom Untergebenen zum Führer und vom Abhängigen zum „Unabhängigen“ bedeutet und es wird mit dem Gleichheitsanspruch ein Anspruch auf Gleichheit mit dem Herrscher oder der Führungsschicht impliziert und keine Gleichheit mit dem Volk. Die emanzipatorische Karriere wurde zum Weg an die privilegierte Spitze der Gesellschaft neben der Privilegierung qua Geburt. Gestaltung, Aktivität und Arbeit erhalten immer mehr Bedeutung, werden losgelöst von ihrem sozialen und intergenerationalen Charakter und dienen immer mehr der Selbstgestaltung und der Selbstbereicherung. Die patriarchal-paradigmatische Aktivität und Arbeitsweise ist somit, im Kern, auf Selbstbestätigung, auf Beherrschung und Überwindung der natur~ und gemeinschaftsgegebenen Bedingtheiten gerichtet.

Der Fokus liegt auf der Optimierung von Handlungs~, Aktivitäts~ und Gestaltungsmöglichkeiten, die der Perfektionierung der individuellen Selbstgestaltung und Idealisierung der Naturbeherrschung geweiht sind. Die patriarchale Emanzipation beinhaltet eine immanente Bestätigung des Herrschaftsprinzips, indem die Interessen und das Streben auf eine vermeintliche Souveränität, Selbstständigkeit und „Unabhängigkeit“ gerichtet sind. „Der Untertan emanzipiert sich zum Herrscher, indem er die gleichen Bestimmungsrechte, Gestaltungsrechte, Bildungsrechte und Privilegien anstrebt, um auf der Herrscher~ und Führungsebene aktiv sein zu können und um Gestaltungsfreiheit zu beanspruchen.

Das heißt im Klartext, dass das Unabhängigkeits-Streben der patriarchalen Emanzipations-Ideologie einhergeht mit einer zwangsläufigen Entwertung und Verdinglichung aller Naturgegebenheiten – wozu auch die Frau, u. a. wegen ihrer Gebärfähigkeit, zählt.

In Wahrheit ist dieser Unabhängigkeitsgedanke ein absurdes Unterfangen, weil es keine absolute Unabhängigkeit, weder von der Natur, noch von der menschlichen Gemeinschaft, gibt. Die sogenannte Autonomie der Herrschaft besteht in der Obstruktion, Ausbeutung und Fremdbestimmung des Volkes, bzw. der Naturgegebenenheiten und des weiblichen Seins. Damit wird die Entwicklung und der Reifeprozesses zur   natürlichen Menschwerdung ignoriert, tabuisiert und verhindert.

Die natürliche Menschwerdungs-Entwicklung – die auf dem weiblichen Sein basiert und respektiv durch das weibliche Sein bewirkt wird – ist in den patriarchalen  Dogmen, Lehren, Wissenschaften und Weltverbesserungs-Projekten nicht enthalten. Es geht um ein patriarchales emanzipatorisches Bewusstsein – ab dem Erwachsenenalter – das den matriarchalen Ursprung und die lebenserhaltende matriarchale Einwirkung ignoriert, negiert und tabuisiert. Daraus werden künstliche, von Menschen (vorrangig von Männern) gemachte, Individuations-Konzepte (Karrieren) entworfen,  die sich an dem Aktivitäts-Grundsatz und der Natur-Transformations-Maxime orientieren und im Widerspruch zur natürlichen Menschwerdung stehen.

Im Patriarchat wird die natürliche Menschwerdung der künstlichen Individuation untergeordnet und geopfert.

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