Eine patriarchale Überzeichnung des lebenserhaltenden Rettens

Gepostet am Aktualisiert am

Flüchtlinge: Die Diktatur des Rettens

http://www.rolandtichy.de/gastbeitrag/fluechtlinge-die-diktatur-des-rettens/comment-page-6/#comment-48584

Zugegeben, es war für mich nicht leicht das Wesentliche dieses Textes herauszufinden. Tendenziell weist er in die liberal-konservative Werte-Ideologie. Dabei soll die Position der hierarchischen Entscheidungsfreiheit gestärkt werden und eine sogenannte „Diktatur des Rettens“ als, von den Führungsebenen inszenierter, Hype dargestellt werden. Die Kritik an den politischen Entscheidungen ist keine Kritik am Herrschaftsprinzip an sich, sondern beinhaltet eine Überbewertung der kultur-, bildungs-, wissenschafts- und religionsrelativistischen Individuation.

So leid es mir tut, dass ich den Machbarkeits-Ideologen widersprechen muss, aber der Mensch ist nun mal ein Naturprodukt und unterliegt den natürlichen Bedingtheiten. Jeder Versuch diese natürlichen Bedingtheiten zu überwinden, zieht negative Auswirkungen nach sich.

Das Retten ist eine Bedingung, die der Arterhaltung dient und ist insofern eine naturgegebene „Diktatur“.

Die menschengemachte Diktatur steht im Widerspruch zu den naturgegebenen Bedingtheiten, indem diese überwunden, „verbessert“ und letztlich zerstört werden sollen. Deshalb unterliegt die, von Menschen erdachte, Diktatur dem Zwang des Fremdbestimmens, der Machtausübung und des emanzipatorischen Aktivismus und es kommt zu dem, oft erwähnten, Sisyphus-Effekt.

Die patriarchal-paradigmatische Überzeichnung aller Naturgegebenheiten stellt die angeborene lebenserhaltende Empathie-Fähigkeit des Menschen in Frage und unterstellt sie per se einer fremdbestimmenden emotionslosen Kognition.

Die, vom Autor prophezeite, Spaltung der Gesellschaft ist eher eine fortlaufende innere Spaltung der Gesellschaft, die der patriarchalen Herangehensweise an die Erklärung der Welt und dem patriarchalen Umgang mit der Welt, geschuldet ist. Dieser Umgang mit der Natur und den Naturgegebenheiten – wozu auch der Mensch zählt – basiert auf der Abspaltung der Emotion von der Erkenntnis. Meiner Meinung nach, gibt es keine sinnvolle Erkenntnis ohne Emotionen – wobei ich mit Emotionen, die positiven Emotionen meine und nicht die negative Emotionslosigkeit. Die Abspaltung der Emotionen hat zur Abstrahierung des emotionslosen Logos geführt und dessen „Verselbstständigung“ und prägt die Herangehensweise an die Welt und an deren Erklärung.

Somit wird Emotionslosigkeit zur Maxime patriarchalen Handelns und Gestaltens und heilsverspricht eine vermeintlich-bedingungslose, gestalterische und selbstgestalterische Freiheit ohne soziale und ohne ökologische Verantwortung. Die gesellschaftlichen Folgen sind Loslösung von sozialen und emotionalen Bindungen und Loslösung von sozialer, generativer und ökologischer Verantwortung, die der Machbarkeits-Ideologie geopfert werden und durch den technologischen „Fortschritt“ ersetzt werden sollen. Ein technologischer „Fortschritt“ dessen Errungenschaften am Ende auf den Müllbergen der Welt landen und uns, sehenden Auges, in den gesellschaftlichen und ökologischen Kollaps führen.

Dass die Migranten dem, in ihrem Land entstandenen, Kollaps entfliehen wollen und sich eine Lebens- und Arbeitsperspektive unter besseren geografischen und gesellschafts-politischen Bedingungen erhoffen, erträumen und erschaffen wollen, unter Einsatz ihres Lebens, liegt wohl eher an der außenpolitischen und wirtschaftspolitischen Propaganda, die eine wirtschaftliche Überlegenheit Deutschlands verkünden.

Tatsache ist, dass wir mit dem Ansturm der Migrationswellen rechnen und umgehen müssen entsprechend unseren Möglichkeiten und jedes Theoretisieren über die Diktatur des Rettens wird uns nicht davor schützen. Wer helfen will, der hilft und erleichtert den Umgang. Wer nicht helfen will, der tut es nicht und erschwert den Umgang. Aber, daraus eine Negativ-Ideologie gegen Migranten und Hilfeleistende zu entwickeln, halte ich für kontraproduktiv.
Nicht die, vor Not fliehenden, Menschen, die zum großen Teil noch Kinder sind, müssen bekämpft werden, sondern die patriarchale Entmenschlichung und Natur-Entfremdung muss überwunden werden, dann haben wir eine Chance den Kollaps zu verhindern

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