Das fortwährende patriarchale Herrschafts-Dilemma

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 Die Unterordnung der Natur und deren Unterstellung unter die patriarchale Herrschaft ist das Dilemma, das uns seit der 7000jährigen Patriarchalisierung quält und alle irdische Erfahrbarkeit außer Kraft setzen will. Eine Erfahrbarkeit, die zu Wissen und Weisheit führt. Eine Weisheit, die dem Leben dient und die Zyklizität  und Kreisläufigkeit der Erde, sinnvoll, zu verstehen lernt und im Sinne der Arterhaltung, der Erhaltung des Lebens und der Erhaltung der irdischen existenziellen Grundlagen wirkt, um sie an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Stattdessen wird eine GLÄUBIGKEIT propagiert, die ein postmortales und jenseitiges, nicht-irdisches Paradies heilsverspricht, was irdisch nicht erfahrbar ist und das irdische Erfahrungswissen diskriminiert.

Mit der Erkenntnis des Mannes, dass auch er einen Anteil am Schöpfungsprozess hat, versucht er diese Erkenntnis zum ursächlichen Schöpfungsausgang zu machen.
Der grundsätzliche Fehler patriarchalen Denkens liegt in der Verdrehung von Ursache und Wirkung und in der Beanspruchung und Annektierung des Schöpfungsvorgangs für das männliche Sein. Vaterschaft wurde zur Vorbedingung für Mutterschaft gemacht und das, obwohl es milliardenfach erfahrbar ist, dass es keine Vaterschaft ohne vorherige Mutterschaft geben kann. Denn Erzeugerschaft ist keine Vaterschaft, sondern Vaterschaft ergibt sich aus der empirischen Wahrnehmung von sozialer Verantwortung für die nächste Generation.

Damit möchte ich darauf hinweisen, dass der Anteil der Mutter an ihrer Leibesfrucht, schwangerschafts- und geburtsbedingt, weitaus höher ist, als der Anteil des Erzeugers. Zum anderen ist Vaterschaft, hauptsächlich eine postnatale soziale Funktion ohne körperliche Entwicklung, im Gegensatz zur Mutterschaft. Mit Schwangerschaft und Geburt findet im weiblichen Sein eine physische und psychische Metamorphose (Umwandlung) statt, vom individuellen Sein hin zum sozialen Sein, eine Entwicklung, die dem männlichen Sein fehlt. Die soziale Vaterschaft kann  ausschließlich  in Gemeinschaft erfahren und praktiziert werden und zwar im Einklang mit der Mutter als Erneurerin, Lebenserhalterin und Lebensgeberin und nicht gegen sie.

Mit den patriarchalen Religionsstiftern wurde Vaterschaft zur Ursache von Schöpfung erklärt und in den sogenannten „heiligen“ Schriften aller patriarchalen Religionen verankert und manifestiert. Die mütterliche fürsorgliche Verantwortung wurde zur väterlichen Macht umkonstruiert und leitet sich von einem theoretischen Absolutheits-Anspruch ab, der, der irdischen Erfahrbarkeit nicht gerecht wird und im Widerspruch zur Empirie steht.

Die Abwertung von Mutterschaft und die Inflationierung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Mutter-Kind-Bindung sind Basis  väterlicher Macht-, Herrschafts- und Gestaltungsansprüche.    Wohingegen, Mutterschaft und Mutter-Kind-Bindung eine naturgegebene Voraussetzung gemeinschaftlichen Lebens, Agens sozialer und intergenerationaler Interaktion und ursprünglicher Sinn von menschlicher Aktivität und Arbeit  im Lebens-, Art- und Naturerhaltungskreislauf,  sind.  Die fehlende körperliche Schwangerschafts- und  Gebärerfahrung sowie die fehlende körperliche Mutterschafts-Metamorphose  haben zur Misogynie und Matriphobie der Patriarchatsgläubigen, zur Diskriminierung von Mutterschaft, zur Entmenschlichung, zur Entfremdung von der Seins-Verbundenheit mit Mensch, Natur und Erde und zur Negation der matriarchalen Genealogie (Erbfolge) geführt. Die Schleifung der matri-sozialen Geborgenheit, als Fundament des Menschwerdungsprozesses, soll eine übergeordnete, glaubensbasierte, patriarchale Fremd-Ordnung – qua Fremdbestimmung, Fremdbetreuung und Fremdarbeit – bewirken, etablieren und priorisieren(siehe Bibel, Vertreibung aus dem Paradies).

Die naturgegebene mütterliche Erbfolge (Genealogie) wird unterdrückt und zerstört. Mit Zwang, Gewalt und Hass wird die väterliche Erbfolge als maßgebliche Erbfolge durchgesetzt und der mütterlichen Genealogie übergestülpt (u. a. durch Kriege). Damit soll Mutterschaft wegrationalisiert, entmenschlicht und entseelt werden, um für  Gestaltungsmöglichkeiten Freiräume zu schaffen und um patriarchale Gestaltungshoheiten zu legitimieren.

Im Kern findet ein latenter Krieg gegen Mütter statt, die immer weiter entrechtet und gesellschaftlich isoliert werden, ihres natürlichen Lebensraumes, ihrer Mutter-Kind-Bindungen, ihrer matri-sozialen Geborgenheit und ihrer Kooperation mit Mensch, Natur und Erde beraubt und enteignet werden. Das „Soziale-Sein“  wird zum  „Kommerziellen-Sein“ und Selbstbestimmung wird durch Fremdbestimmung ersetzt, was in die Entfremdung vom natürlichen Sein führt.

Zum Gestalten und Handeln braucht man natürliche Ressourcen, die in, von Menschen gemachte, Produkte umgewandelt werden. Durch die exessive Naturtransformation werden Umwelt und existenzielle Lebensgrundlagen verbraucht und unwiderbringlich zerstört. Jedoch sind, weder die Endlichkeit irdischer Ressourcen, noch deren Regenerierung   Gegenstand patriarchal-ökonomischen Dominanz-, Bereicherungs- und Karrierebestrebens.

Die Religionen dienen der Rechtfertigung patriarchalen Handelns und sind Herrschaftsermächtigungen über die natürliche und weibliche Welt.  Dieses Abspalten von der Natur zum Beherrscher der Natur löst real-irdische Dilemmata aus, weil der Mensch, als Teil der Natur und der Erde, abhängig von Natur und Erde ist. Zur glaubensbasierten Überwindung der natürlichen Bedingtheitheiten erfindet er eine nicht-irdische omnipotente  Gottesvorstellung, die ohne jede Bedingtheit ist, alle positiven Eigenschaften in sich birgt,  grenzenlose Schöpfungsfähigkeit besitzt und ein Erfüllungsgarant aller Wünsche darstellt, wohingegen das Gegenteil  dieser Vorstellung alles Negative beinhaltet. Das bedeutet, dass der Mensch die irdischen Bedingtheiten überwinden muss, um die göttliche Omnipotenz, Vollkommenheit und Absolutheit zu erreichen. Anstrengung und Arbeit dienen, insofern, der Überwindung  der Natur  und der Angleichung an diese Gottesvorstellung. Da diese patriarchale Absolutheitsvorstellung irdisch, nicht realisierbar ist, kommt es zwangsläufig zum Scheitern am  Absolutheitsanspruch. Der Dualismus entsteht dadurch, dass der Mensch sich in Opposition zur Natur definiert und damit  die Unterordnung der Natur, die Erhebung über die Natur und die Beherrschung der Natur mittels Gottesglauben  rechtfertigt. Der opperative Dualismus erzeugt Gegensätzlichkeiten und Dichotomien wie:  minderwertig – höherwertig, Gut – Böse, Gott – Teufel,  etc… so wird  die Natur als minderwertig und die, vom Menschen umgewandelte Natur, das Gemachte als höherwertig anerkannt.

Der Herrscher ist der bessere Mensch und der natürliche Mensch, der Schlechte, weil er/sie in die natürlichen Bedingtheiten eingebettet ist. Über den natürlichen („schlechten“) Menschen hat  der Herr das Verfügungsrecht. So auch die Spaltung der Geschlechter in vollkommenes Geschlecht (Mann) und unvollkommenes Geschlecht (Frau, weil sie natürliche Lebewesen gebären kann, anstatt sie zu erschaffen) etc…. Tatsache ist hier: dass es das Gute nicht ohne das Böse gibt, weil man sonst das Eine nicht vom Anderen unterscheiden könnte. Das Instrument der  Differenzierung wird, exklusiv, zur Spaltung und egozentrierten Herrschaftsbildung (karrieristischen Elitebildung) eingesetzt und nicht, inklusiv, zur konsensualen Gemeinschaftsbildung.

Diese dualistische Einteilung der Welt mittels Religion halte ich für falsch, weil sie nur Dilemmata erzeugt. Das Gute oder Böse fällt nicht vom Himmel, sondern ist zwangsläufige Folge des Superoritäts-Anspruchs des patriarchal-männlichen Seins und des, daraus entstehenden, Absolutheitsanspruchs. Die negativen Folgen absolutistischer Theorien,  ihrer Überordnung über die Natur und die Negierung des naturgegebenen Ursprünglichkeits-Axioms – was sich  durch die irdische Geburt manifestiert – werden ignoriert und nicht einkalkuliert, sondern auf nicht-irdische Kognitionen projiziert (Gott – Teufel, überirdische und übernatürliche Omnipotenzen, Gesetzmäßigkeiten und Mächte).  Jede Legitimierungs-Projektion und Verdrängung der Verantwortung auf jenseitige (außerirdische) Kognitionen, wird uns vor die Füße fallen, in Form von Krisen, Kathastrophen etc. .

Meiner Meinung nach, müssen wir diesen, von Menschen gemachten Dualismus überwinden und die Welt wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Dabei hilft uns kein Gott, sondern nur das Vertrauen in uns selbst und in die natürlich-mütterliche Ordnung der Erde. Eine Befreiung aus der Entrechtung und aus der patriarchal-diktatorischen Fremdbestimmung kann nicht ohne Befreiung von allen patriarchalen Religionen gelingen, da die Religionen Herrschaftsinstrumente, Selbstermächtigungen zur Vater-Herrschaft über Frauen, Mütter, Mädchen und Total-Instrumentalisierungen von Mutterschaft sind. Religionen haben nichts mehr mit der angeborenen Spiritualität und der Seins-Verbundenheit zu tun.

Mittels Gewalt, Hass, Krieg, Folter, Unterdrückung, Zwang, Unterjochung und Zerstörung der ursprünglichen natürlich-mütterlichen Ordnungen, bis hin, zum Mord und Genozid wurde/wird der patriarchale Supremats-Anspruch durchgesetzt (siehe z. B.:  IS-Gotteskrieger, Kreuzritter etc…).

Solange, das Patriarchat (Vater-Herrschaft) sein Herrschaftsprinzip der weiblichen und der gesamten natürlichen Welt aufoktroyiert und für seine Dominanz-Interessen gebraucht, missbraucht und verbraucht, kann es keinen Frieden geben und letztlich wird die Menschlichkeit, die Menschheit, die Natur, die Umwelt und die Erde zerstört.

Denn, „Mit der Mutter beginnt die Menschwerdung und sie endet ohne sie?“                                                                                                                                        (frei nach Cl. v. Werlhof).

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