Religion – Krieg – Terrorismus

Gepostet am Aktualisiert am

http://www.ipg-journal.de/schwerpunkt-des-monats/religion-und-politik/artikel/detail/religion-heisst-frieden-1200/

Religion hat, meiner Meinung nach, nichts mehr mit der angeborenen Spiritualität – der Seins-Verbundenheit mit der naturgegebenen Welt – des natürlichen Menschen zu tun.  Religion ist ein Herrschaftsinstrument, das vor allem, der Errichtung und Erhaltung von Herrschaft über die natürliche Welt dient. Mittels Religion wird ein emanzipatorischer und imperativer Charakter von menschlicher Aktivität und Arbeit gerechtfertigt, indem man, z.B. laut Bibel, sich die Welt „untertan“ machen soll und sich über die Natur erheben , sich von ihr befreien und sie beherrschen soll im Hinblick auf eine bessere, herrschaftlich-göttliche Welt jenseits irdischer Erfahrbarkeit.

Daraus ergibt sich ein Arbeitsbegriff und Arbeitszwang, der auf Optimierung und Perfektionierung der Natur und des natürlichen Seins ausgerichtet ist, weil alles Natürliche und Geborene als minderwertig bezeichnet wird und deshalb verbesserungsbedürftig ist und überwunden werden muss. Dieses patriarchale Natur-Verbesserungs-Vorhaben scheitert an der irdischen Lebenswirklichkeit, weil der Mensch, als Teil der Natur, von ihr abhängig ist und eine bessere und andere (nicht-irdische) Lebenswirklichkeit irdisch nicht erfahrbar ist.

Der natürliche Menschwerdungs-Prozess vom Säugling zum erwachsenen Menschen bis hin zum Greis, von Geburt bis zum Tod und die mütterlichen, fürsorglichen, sozialen, generativen und schöpferischen Leistungen werden im patriarchalen (vater-herrschaftlichen) Paradigma und in den patriarchal-religiösen Manifesten (z.B.: Talmud, Bibel, Koran) unterschlagen und tabuisiert, indem vom erwachsenen Menschen (Mann), als Entscheidungsträger gegen die Natur und als Herrscher über die Natur, ausgegangen wird. Die Rechtfertigung des Herrschafts-Anspruchs wird auf eine jenseitige und irdisch-nicht-erfahrbare Gesetzmäßigkeit und Kognition mit Absolutheitsgrad projiziert.
Die theoretischen Herrschafts-Ansprüche, die, von Natur aus, nicht gegeben sind, werden der Natur u. a. mit Gewalt aufoktroyiert und schaden dem natürlichen Selbst-Organisierungs-Prozess.

Unter dem Deckmantel des patriarchalen Paradigmas finden, insofern, Natur-Verbesserungs-Projekte statt, die im Widerspruch zur eigenen Genese stehen und einen Teufelskreis aus „Ersatz-Schöpfung und Natur-Zerstörung“ bewirken. Das Streben nach „überirdischer“, vollkommener und gottgleicher Schöpfungs-, Gestaltungsfreiheit und Omnipotenz setzt auch, implizit, ein Vorhandensein von unerschöpflichen Natur-Ressourcen voraus.
Die Endlichkeit natürlicher Ressourcen ist im patriarchalen Plan nicht enthalten, weil dadurch der Gestaltungsfreiheit und der Beherrschung der Natur, schon theoretisch, Einhalt geboten würde. Sowohl die Gestaltungsfreiheit, als auch die Überwindung natürlicher Bedingtheiten setzen Natur voraus, ohne die, jede menschliche Gestaltung und Reflexion gar nicht möglich wäre. Die menschliche Aktivität und Arbeit wird aus ihrem matriarchalen Bezug gelöst und mutieren zum Selbstzweck und zur Herrschaftsbestätigung unter patriarchaler Prämisse und werden von ihrem ursprünglichen Sinn entfremdet.

„Der ursprüngliche Sinn von Arbeit ist die Interaktion zwischen den Generationen“ (Cl. v. Werlhof), was in der Mutter-Kind-Bindung irdisch erfahrbar ist und somit einen sozialen, intergenerationalen, generativen und ökologischen Charakter beinhaltet.

Mutter-Kind-Bindungen sind von Natur aus friedvoll, fürsorglich und verantwortungsvoll, weil sie der Arterhaltung, der Lebenserhaltung, der Erhaltung der natürlichen Existenzgrundlagen dienen und in die natürlichen Gesetzmäßigkeiten eingebettet sind und nicht nach Herrschafts-Prinzipien, sondern nach Fürsorge-Prinzipien funktionieren.
Wohingegen, die patriarchale Konversion der naturgegebenen Mutter-Kind-Bindungen in Vater-Herrschafts-Bekenntnis-Religionen, leider zu Perversionen der natürlichen Bindungen insgesamt, zu Konflikten und im schlimmsten Fall zu Krieg führen/geführt haben /führen werden. Die Konversion der naturgegebenen emotionalen Bindungen basieren auf deren Zerstörung und Transformation in künstliche, von Menschen gemachte, Ersatz-Beziehungen.

Religion ist die Perversion der irdischen Lebensweisheit, die durch irdisch-reale Lebenserfahrung sinnvoll erlernt und verstanden werden kann, in glaubensbasierte Absolutheits-Theorien und ist die Umwandlung der irdischen Erfahrbarkeit in dogmatisch-verordnete Gläubigkeit.

Da die patriarchalen Religionen den Anspruch auf alleinseligmachende Wahrheit erheben, bergen sie auch Konflikt-Bereitschaft und Gewaltpotenzial in sich, weil der Anspruch auf patriarchal-theoretische  Absolutheit, der irdischen Lebenswirklichkeit nicht gerecht werden kann. Jede patriarchale Religion hat sich, zu Beginn ihrer Etablierung mittels Gewalt durchgesetzt und genau die Dilemmata verursacht, die sie angeblich und dogmatisch zu verhindern wissen.

So auch der Terrorismus der IS-Krieger, die einen Anspruch auf wahre und bessere Gläubigkeit erheben und daraus eine Selbstermächtigung zur gewaltsamen Durchsetzung einer besseren „gottgefälligeren“ Herrschaftsordnung ableiten. Eine Herrschaftsordnung, die, die natürlich-gewachsene mütterliche Ordnung zerstören und letzten Endes Frauen und Mütter ihrer Selbstbestimmung berauben will zwecks Erlangung patriarchal-religiöser „Vervollkommnung“ auf Erden.

 

Dazu ein Beitrag von Doris Wolf

Der Irrtum vom Krieg, den es „schon-immer” gegeben hat  (22.12.15, 19.00 h) (Doris Wolf)

Jüngste Forschungen brachten es an den Tag: „Das Zeitalter des Schreckens” begann nach zwei Millionen Jahren des Friedens erst vor 5500 Jahren mit der Erfindung des Patriarchats in der Bronzezeit. (s. Der erste Krieg der Weltgeschichte)

Anhänger des Patriarchats wollen nicht wahrhaben, dass Krieg und Gewalt erst mit den Eroberungen der bewaffneten und berittenen Indo-Europäer im 4. Jahrtausend v.u.Z. in die Welt kamen; dass die Männer bis dahin friedlich waren, und dass der Mann nicht der Gewaltmensch war, zu dem er in geschichtlicher, d.h. in der patriarchalen Zeit gemacht wurde.
Die Geschichte vom Krieg wurde von den Siegern, patriarchalen Wissenschaftler, Politikern und Kirchenmännern, die für die Kriege in der Welt verantwortlich sind, schöngeschrieben. Sie singen das Lied vom Krieg, den es „schon-immer“ gegeben habe – als Rechtfertigung! So auch Barack Obama, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Präsident der USA, der behauptet: „Krieg in jedweder Form ist so alt wie die Menschheit.” Diese Behauptung macht deutlich, dass selbst heutige, gebildete Politiker falsch informiert oder indoktriniert sind und von der Zeit  v o r  dem Patriarchat keine Ahnung haben.

“Dass die modernen Historiker alle Beweise ignorieren, zeigt, wie nötig der zivilisierte Mensch [der Mann! DW] es hat, die böse Erinnerung zu unterdrücken, um sich seine Selbstachtung als vernünftiges Wesen, diese lebensrettende Illusion zu bewahren.” (Lewis Mumford “Mythos der Maschine – Kultur, Technik Macht” 1974, S. 255)

Haben Männer „kriegerische Erbanlagen”?

Männer hatten in den 2 Millionen Jahren bis zu den Invasionen im 4. Jahrtausend ganz offensichtlich noch keine der brutalen “aggressiven Gene”, die zum Krieg führten, obwohl immer behauptet wird, Krieg sei ein Teil der menschlichen – vor allem der männlichen – Natur. Die Ansicht ist weit verbreitet und wird kaum auf ihren Wahrheitsgehalt hinterfragt. GEO-Redakteurin Hania Luczak weist im GEO-Heft zur Aggressionsforschung auf die Auffassung patriarchaler Wissenschaftler hin, die behaupten: „Aggression ist uns angeboren wie allen Lebewesen und moderne Evolutionsbiologen meinen, dass die Anlagen zum Krieg in unseren Erbanlagen gespeichert seien.” (GEO vom 27.5.1991)
Ruth Benedict, die Begründerin der kulturvergleichenden Anthropologie, setzte in ihrem Werk „Patterns of Cultures” als wichtigste Grundannahme voraus, dass menschliches Verhalten hauptsächlich erlernt und nicht angeboren sei, und dass Kulturen deshalb dauerhafte soziale Muster ausbildeten. (Wikipedia) Sie schreibt:
„Das Fehlen von Kriegen ist nichts so Ungewöhnliches, wie man nach den Äußerungen politischer Theoretiker über die Prähistorie des Krieges annehmen sollte… Es ist ein völliges Missverständnis, dieses Chaos [den Krieg] einem biologischen Bedürfnis des Menschen, in den Krieg zu ziehen, zuzuschreiben. Das Chaos ist Menschenwerk.”
Die Behauptung, Krieg sei auf eine angeborene Ag­gres­sion „des Menschen“ zurückzuführen, wurde von verschiedenen Wissenschaftlern hinreichend widerlegt. Erich Fromm berich­tigt das unhaltbare Vorurteil und stellt klar, die Urgeschichts­forschung habe bewiesen, dass die frühesten Menschen weniger de­struktiv waren als die sogenannt Weite­rentwickelten und dass „der Prototyp Mensch, wie er vor 50’000 Jahren auftauchte, auch nicht der Mörder war, den wir in den fortgeschritte­neren Stadien der Evo­lution antreffen.” (Fromm Anatomie der menschlichen Destruktivität 1974, S. 135) Der patriarchale Mann hat die völlig verzerrte Ansicht:

„Wenn der zivili­sierte Mensch schon von so vielen Kriegen und ei­ner so starken De­struktivität heimgesucht ist, wie viel schlimmer muss dann der „primi­tive” Mensch gewesen sein, der in der Entwick­lung zum Fortschritt hin so weit im Hintertreffen war.” (Erich Fromm)

Diese Vermutung entbehre jeder Grundlage schreibt Fromm weiter. (Fromm, ibd. 1974, S. 193 f.) Der Glaube an den zivilisierten Mann von heute ist im Kriegsfall eine Illusion. „Die Vorstellung von ständigem Krieg zwischen den „wilden” Jägern und Sammlern seit dem vollen Auftauchen des „modernen Menschen” um 40 000 oder 50 000 Jahren ist ein weit verbreitetes Klischee.” (Fromm ibd. 1974, S. 18)
General Helmuth von Moltke behauptete:
„Der Krieg gehört in die göttliche Weltordnung”!

Brutale Gewalt und Krieg spielen eine unrühmliche Rolle in der patriarchalen Weltsicht, der Wissenschaft, der Politik und in den patriarchalen Religionen. In der Bibel werden die raubmörderischen Überfälle von patriarchalen Männerhorden auf friedliche Siedlungen vielfach aufgezeichnet, z.B. im Buch der Richter (18. Kapitel). Immer wieder erteilt Gott, bzw. Moses, Massenmord, Massaker und Ausrottung. Die unfassbaren Gräuel, die Männer als kaltblütige Schlächter anrichten, die unsägliche Brutalität, die sie zu Monstern macht, zieht sich bis heute hin. Das 20. Jahrhundert des christlichen Europas ist das kriegerischste, mörderischste, blutigste Jahrhundert der Weltgeschichte. Der 1. Weltkrieg forderte rund 17 Millionen Menschenleben. Für den 2. Weltkrieg reichen „die Schätzungen, die Verbrechen und Kriegsfolgen einbeziehen, bis zu 80 Millionen Kriegstoten.” (Wikipedia) Doch der patriarchale Mann lernt nichts aus der Vergangenheit, weil er sie verdrängt, beschönigt und rechtfertigt. Nach 70 Jahren seit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 spricht man anfangs des Jahres 2015 von 260 weiteren Kriegen und von 60 Millionen Flüchtlingen.

„Wir handeln nicht weitsichtig, weil wir die Geschichte nicht kennen” (Oliver Stone)

Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, bedeutet fehlgeleitetes Ausleben von falsch verstandener Männlichkeit. Mit der Machtnahme patriarchaler Männer ging die Entrechtung der Frauen und die Entmündigung der Mütter einher. Die neu gekürten Väter begannen die Kinder den Müttern zu entfremden und rissen die Erziehung der Knaben, die sie als ihren „Besitz“ betrachteten an sich, um sie zu „richtigen Männern“ zu machen. (s. Die Entdeckung der Vaterschaft) Patriarchale Erziehung ist autoritär, hart und demütigend, worauf die Jugendlichen revoltieren und mit Hass und Gewalt reagieren. Seit die rechtlosen Mütter ihre männlichen Kinder nicht mehr zivilisieren und sozialisieren und zur Gewaltlosigkeit erziehen (können/dürfen), zeigt sich die Fratze der patriarchalen Gewalt immer deutlicher. Doch diese Tatsache wird bestritten:

„Die Gewalt findet ihre einzige Zuflucht in der Lüge,
die Lüge ihre einzige Stütze in der Gewalt.“ (Solschenizyn)

Für die Menschen vor der Zeit der erobernden Indo-Europäer/Arier gilt, was Massingham über das gewaltlose, urge­schichtliche Alt-Europa schrieb:

„Sie besa­ßen keine Grenzen, keine Festungen, keine Waf­fen und keine Krieger­klasse, denn sie brauchten keine.” (H. J. Massingham “Downland Man”1936, S. 217)

Der Archäologe Michael Roaf behauptet dagegen: “Freigelegte Überreste von Befestigungsanlagen früherer Epochen belegen, dass bewaffnete Auseinandersetzungen auch in prähistorischen Zeiten weit verbreitet waren.” (Weltatlas der Alten Kulturen: Mesopotamien 1991, S. 194). Und das ist nun eindeutig falsch. (s. Wie der Krieg in der Altsteinzeit erfunden wurde)
Kriege werden gemacht – von pathologischen patriarchalen Männern, von Räubern und Mördern, die sich für den Krieg begeistern, die fasziniert sind vom Beute machen, Töten, Plündern, Zerstören und Vergewaltigen. Die kriegerischen Überfälle wurden damals zum wichtigsten Mittel, sich Macht über Frauen – und damit Landbesitz und Reichtum – zu verschaffen, denn Land und Besitz lagen in den matriarchalen Kulturen in den Händen der Frauen. Kriege wurden als Mittel des Machterhalts insti­tutionali­siert. Es ist dies der Beginn „eines 5000 Jahre währen­den Alp­traumes, aus dem es für diesen Planeten Zeit ist zu erwachen” (James Joyce).

„Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege, sondern nur individuelle Gewalt”,

 

dies ist die allseits akzeptierte Feststellung von Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt; Jürg Helbling, Ethnologe; Harald Welzer, Soziologe und Sozialpsychologe bei Gert Scobel am 12.11.15., der 3sat Sendung aus der Ausstellung in Halle zum Thema: „Krieg – eine archäologische Spurensuche

Seit dem Beginn des Patriarchats erlebte die Welt keinen Tag mehr ohne Krieg und Terror!
Es ist tröstlich zu wissen, Kriege hatten einen Anfang und können auch ein Ende nehmen.
(Doris Wolf)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s