Die Ambivalenz leiblicher Mutterschaft in patriarchalen Kulturen

Gepostet am Aktualisiert am

Mutterwitz
oder die Vernunft sozialer Beziehungen bei den Mosuo
Von Lisa Fischer
https://web.archive.org/web/20060206173207/http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon=Frauen&letter=F&cob=6274
Den Artikel von Lisa Fischer habe ich mit Interesse gelesen. Dabei erscheint mir der Gedanke der sozialen Mutterschaft, der die Ambivalenz von leiblicher Mutterschaft verhindern würde, sehr verführerisch.
Ambivalenz laut Duden = Zwiespältigkeit; Spannungszustand; Zerrissenheit [der Gefühle und Bestrebungen]
Ich frage mich jedoch, ob es diese Ambivalenz in matriarchalen Gesellschaften überhaupt gibt? Meiner Meinung nach, ist diese Ambivalenz eine Auswirkung patriarchaler Fremdbestimmung und somit ein patriarchal-soziologisches Konstrukt.
Ja, die sozialen Realitäten werden u. a. qua Definition – hauptsächlich durch patriarchal-dominante Definitionen -(zwangs)bestimmt. Hierbei gilt die männliche Herangehensweise an die Auseinandersetzung mit der Welt als meinungsführend und richtungsweisend. Die patriarchale Herangehensweise an die Erklärung der Welt entstammt dem männlichen physio-psychologischen Bewusstsein  und wird den Frauen aufoktroyiert. Dadurch kommt es zu der sogenannten Ambivalenz von Mutterschaft.
Da Mutterschaft im Patriarchat total instrumentalisiert wird, zwecks Etablierung der väterlichen Genealogie (Erbfolge), wird die selbstbestimmte Mutterschaft (aus Liebe zum Leben) ausgeschlossen, unterdrückt und diskriminiert.
Meiner Meinung nach, wird leibliche Mutterschaft, aus Sicht der Autorin, zu sehr nach patriarchalen Kriterien beurteilt. Das mag für unsere patriarchalen Gesellschaften stimmen, aber sie entwickelt keine patriarchatsunabhängige Sicht. Zwar glaubt die Autorin durch die sogenannte, soziale Mutterschaft, ein Modell für die patriarchalen Gesellschaften entwickeln zu können, um einen Weg aus der Zwiespältigkeit der leiblichen Mutterschaft zu finden. Aber, sie vergisst dabei, dass es, ohne leibliche Mutterschaft weder soziale Mutterschaft, noch Vaterschaft gäbe. Mutterschaft ist die Vorbedingung menschlicher Gemeinschaft.
In matriarchalen Gesellschaften befindet sich Mutterschaft nicht in Spannungszuständen, weil Mütter eine schwangerschafts-, gebär- und fürsorgebedingte Vorbild- und Lebenserhaltungs-Funktion in der Gemeinschaft wahrnehmen und eine gemeinschaftliche Orientierung darstellen. Das Verhältnis zum Kind und zur nachfolgenden Generation basiert auf naturgegebenen Fürsorge-,  Lebens- und Arterhaltungsprinzipien und  hat nichts mit patriarchalen Eigentums-,  Besitz- und Herrschaftsansprüchen  zu tun.
Es fehlt mir in diesem Artikel die Patriarchatskritik, ohne die, sich die Welt nicht ändern kann. Es ist ein feministischer Versuch, Mutterschaft zu erklären, indem die realirdische Erfahrbarkeit von leiblicher Mutterschaft minimiert und durch soziale Mutterschaft ersetzt werden soll, um die Ambivalenz zu verhindern.
Dabei werden jedoch die  Kausalitäten verdreht und eine „naturgegebene“ Ambivalenz vorausgesetzt. Soziale Mutterschaft kann nur eine soziale Ersatzfunktion einehmen, aber nicht den leiblichen Schöpfungsprozess ersetzen.  Leibliche Mutterschaft ist das Agens für soziale Mutterschaft und nicht umgekehrt. Mütterliche Ambivalenz ist keine Naturbedingung, sondern das negative Resultat aus dem patriarchal-suprematistischen Schöpfungsanspruch.
Nicht die leibliche Mutterschaft muss abgeschafft werden zwecks Vermeidung von Ambivalenz, sondern die ambivalente patriarchale Fremdbestimmung muss überwunden werden, weil dadurch  Dilemmata und Ambivalenzen initiiert werden!
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