Das christlich-patriarchale ›Feindbild Frau‹ Doris Wolf

Gepostet am

Aus dem Inhalt:

  • Im Würgegriff der patriarchalen Macht: Das ›Feindbild Frau
  • Die ungeheuerlichen Hasstiraden der patriarchalen Kirchenväter
  • Eine unglaubliche Welle von Gewalt gegen Frauen
  • Den Gläubigen fehlt es an Verstand und Wissen
  • Der Prozess der Patriarchalisierung und die Entwertung der Frau
  • Martin Luther, der Chauvinist und Frauenverächter
  • Die Beziehungen zwischen Frau und Mann verschlechterten sich zusehends
  • Der religiöse Hass und die Gewalt gegen Frauen wird in der patriarchalen Familie perpetuiert
  • Keine Frohbotschaft aus dem Vatikan

 Im Würgegriff der patriarchalen Macht: Das ›Feindbild Frau

Der patriarchale Mann bezieht seine Identität aus der Abwertung, Ausbeutung und Unterdrückung der Frau.

Entstanden aus einer Mischung aus Angst, Abscheu, Hass, Anziehung und sexuellem Verlangen wird die Frau erniedrigt, entwertet, verachtet, geprügelt und umgebracht. Der patriarchale Mann kann mit seiner Sexualität und seiner Unsicherheit gegenüber der Frau, die er nicht beherrschen und kontrollieren kann, nicht umgehen. Rolf Pohl schreibt (2004) in seinem Buch ›Feindbild Frau – Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen‹, dass der sexuellen männlichen Gewalt eine ambivalente bis feindselige Einstellung zu Frauen zugrunde liegt, die als Tendenz bei fast allen Männern nachweisbar ist. Die typisch männliche Gewaltbereitschaft gegen Frauen, entspringe einer aus Lust, Angst, Neid, Wut und Hass bestimmten unbewussten Einstellung zur Weiblichkeit und sei das Ergebnis einer Leugnung und Abwehr der männlichen, auf den weiblichen Körper gerichteten Begierde. Die durch Frauen ausgelöste sexuelle Erregung bestätige die Abhängigkeit des Mannes und entlarve die im männlichen Autonomiewunsch enthaltene Idee vollkommener Beherrschung und Kontrolle als wahnhafte Illusion.
Im Patriarchat wird die Frau zur Schuldigen gemacht und zum Bösen schlechthin. Warum das so ist, analysiert der Religionspädagoge Siegfried Vierzig treffend:

»Hier drückt sich die Angst, das schlechte Gewissen, der sich formierenden patriarchalischen Gesellschaft aus, die unter hohem Legitimationsdruck steht…
Die früheren matriarchalischen Verhältnisse werden umgewandelt in patriarchale Herrschaftsverhältnisse. Dieser Umwandlungsprozess hat offensichtlich Ängste in der Männergesellschaft ausgelöst, die sich vor allem auf die sexuelle Rolle der Frau beziehen, ihre sexuelle Potenz, ihre Fruchtbarkeit, bedrohen die Grundlagen der Männerherrschaft. Die kollektive Projektion, mit der die patriarchale Gesellschaft dieses Problem lösen will, ist die Diffamierung der Frau.«
(Siegfried Vierzig »Das Böse« 1984, S. 23 f.)

Das Feindbild Frau im Neuen Testament

Wie schon im Alten, begegnen wir auch im Neuen Testament der geballten Frauenverachtung und Arroganz frommer Männer. Welche Unverschämtheit leistete sich Paulus. Er beurteilte die Frau als minderwertig und verbot ihr bei Versammlungen das Wort (1. Kor 14,33-34): ›Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.‹ Er wollte sich nicht einmal dazu herablassen, ihre Fragen zu beantworten (1. Kor 14,35): ›Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden.‹ Seine Wertvorstellungen waren unmissverständlich (1. Kor 11,3): ›Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau.‹ (1. Tim 2,11-12): ›Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still.‹ Für ›Unterordnung‹ stand übrigens bis vor kurzem noch das Wort ›Unterwürfigkeit‹ in der Bibel.« Dies sind nur wenige Beispiele aus der homepage ›Bibelkritik‹. Mehr davon hier: http://www.bibelkritik.ch/kirchenkritik/e15.htm)

Die ungeheuerlichen Hasstiraden der patriarchalen Kirchenväter

›Die sexuelle Besessenheit der Kirche wirkte sich besonders grausam gegenüber der Frau aus‹ (G.R.Taylor)

Die arroganten patriarchalen Kirchenväter, die man heute als fundamentalistische Hassprediger und Irre einstufen würde, sind nicht die Ersten, aber auch nicht die Letzten, die die Frau diffamieren; das ist alte indoeuropäisch-patriarchale Tradition. Die indoarischen Brahmanen – sie gehen ebenfalls auf Ab-Ra-Ham zurück – und Ind-Ra ist identisch mit dem von den indoarischen Eroberern auch nach Ägypten gebrachten arischen Gott Ra. Die hinduistische Priesterkaste der Brahmanen gibt ihrer Verachtung für die Frau im Rig Veda Ausdruck: ›Der Geist der Frau hat keine Disziplin. Ihr Intellekt hat nur geringes Gewicht‹. Die Abwertung der Frauen führte in Indien direkt in die unsäglichen Vergewaltigungen der heutigen Zeit.
Die orthodoxen Juden danken Gott jeden Tag, dass sie nicht als Frau geboren wurden. Es ist ganz offensichtlich nicht nur Respektlosigkeit, männliche Selbstüberschätzung und Dummheit, es ist der Neid des Mannes und eingeschränktes Denkvermögen, das zu derart primitiven Äußerungen befähigt. Denn eines ist sicher, die Männer wissen: Eine Frau zu sein ist ein Privileg!

›Ein tiefer Abgrund ist der Mensch‹, meint Augustinus. Wenn man liest, was er über die Frauen sagte, muss man wohl sagen, ein tiefer Abgrund ist der patriarchale Mann, vor allem der Kleriker. 

Hier einige Beispiele aus dem Mund christlicher Hassprediger:

›Die Frau muss das Haupt verhüllen, weil sie nicht das Ebenbild Gottes ist; der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen‹,predigte der überhebliche christliche Kirchenlehrer Ambrosius im 4. Jahrhundert.

Und Hermann Göring doppelte im 20. Jahrhundert nach und bezeichnete die Frau als ›Zuchtstute‹ oder ›Arbeitspferd‹.

Was haben sich ›fromme‹ und andere Männer, Politiker, ›Kirchenväter‹, frauenfeindliche, pathologische Frauenhasser bemüht, die Frauen zu erniedrigen, zu demütigen und als verachtenswert darzustellen mit Worten wie diesen:

›Die Frau ist ein Missgriff der Natur… mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuss und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger… eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann… die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann‹ (Thomas v. Aquin, Kirchenlehrer, 13. Jh.).

Und vom gleichen Autor lesen wir: ›In der Versuchung durch den Teufel wird die Frau zum Fall des Mannes, weil die Frau schwächer als der Mann ist und deshalb leichter zu täuschen.‹ (Jedoch hier täuscht sich ein Mann! Kleriker brauchen nicht einmal den Teufel um sich verführen zu lassen, da genügen kleine Jungen!)

Johannes Chrysostomos, Kirchenlehrer (5. Jh.) sprach von den Frauen als einem ›notwendigen Übel‹ und glaubte, Männer hätten ›tausend Übel‹ zu erleiden, wenn sie Frauen anzusehen hätten:

›Der Frauen Schönheit ist der größte Fallstrick‹. ›Warum sollte uns danach verlangen, etwas zu umarmen, das nichts weiter ist als ein Drecksack voll Scheisße!‹ (Odo von Cluny. 9./10. Jh.). (nicht die Frauen, sondern die Männer, die so etwas verbreiten sind Drecksäcke!);

›Frauen sind nicht lebenswert‹ (der heilige Petrus im Thomasevangelium, 1. Jh.). ›Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde.

Es entspricht der natürlichen Ordnung, dass die Frauen den Männern dienen‹, predigte Augustinus, Kirchenlehrer des 4./5. Jh. Er vertrat die Meinung, dass alle Menschen von Grund auf verderbt und böse seien und keinen freien Willen besäßen. Bei Augustinus »ist das Sexuelle generell das Böse, und damit werden Jahrhunderte christlicher Sexualfeindlichkeit eingeleitet.«

(Vierzig ibd. 1984, S. 25) Der Grieche Origenes (185-254) stellte als erster die Behauptung auf, dass der Sündenfall von Eva und Adam ein sexuelles Vergehen gewesen sei und dass die Erbsünde alle ihre Nachkommen belaste.

Augustinus übernahm die Theorie, dass die Erbsünde durch sexuellen Kontakt ›weitervererbt‹ werde. Er ist auch der Erfinder der Ehe als ›Sakrament, eines heiligen Ritus‹ – der erstaunlicherweise – trotz der Minderwertigkeit der Frau – der Mann eingehen muss, wenn er nicht in der Hölle schmoren will!

Dagegen fürchtet Papst Pius II. (1405-1464): ›Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle‹. ›Wer mit dem Weibe aber verkehrt, der ist der Befleckung seines Geistes so ausgesetzt wie jener, der durchs Feuer geht, der Versengung seiner Sohlen‹ (Franz von Assisi, 13. Jh.).

Und Clemens fügte hinzu: ›Jede Frau sollte bei dem Gedanken, dass sie eine Frau ist, mit Scham erfüllt sein‹.

Deftig sind bekannterweise auch die Worte von Martin Luther (15./16. Jh.):  ›Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden‹; ›Will die Frau nicht, so komm’ die Magd‹. ›Die Weiber sind hauptsächlich dazu bestimmt, die Geilheit der Männer zu befriedigen‹;

›Alle Bosheit ist klein gegen die Bosheit des Weibes. Besser ist die Gottlosigkeit des Mannes als ein wohltuendes Weib‹ (Synode zu Tyrnau, 1611).

›Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde‹ und ›Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte zum Vollkommenen. Ein männlicher Fötus wird nach 40 Tagen, ein weiblicher nach 80 Tagen ein Mensch.‹ (Thomas von Aquin, 1225 –1274)

Warum dann eigentlich der Kreuzzug gegen Abtreibung in den ersten 40 bis 80 Tagen? Er verbreitete »mit seiner Lehre von den Incubi und Succubi – teuflische Geister, die den Menschen sexuell beiwohnen – ein System der Dämonologie, das zur Grundlage für die späteren Hexenverfolgungen wurde.

Alle Theologen und Juristen kommender Jahrhunderte berufen sich auf ihn… Der ›Hexenhammer‹ hat drei Teile: Im ersten wird Thomas von Aquin mit Abstand am häufigsten, nämlich 92 mal, Augustin 77 mal aufgeführt«.Erika Wisselinck ›Hexen – Warum wir so wenig von ihrer Geschichte erfahren und was davon auch noch falsch ist. Analyse einer Verdrängung‹ 1986, S. 19 und S. 23)

Im Buch Jesus Sirach, das zur jüdischen Weisheitsliteratur gehört, kommt auch noch Eva ins Spiel: ›Von einer Frau stammt der Anfang der Schuld, und ihretwegen sterben wir allesamt.‹ Adam hingegen, bekam im Paradies keine Falten und seinem Leib entströmte ein herrlicher Wohlgeruch. (Von soviel Hygiene können viele Frauen allerdings nur träumen.)

›Die Frau ist in jeder Hinsicht geringer als der Mann‹ (Josephus: c.Ap. 2,24);

›Die Zeugenaussage einer Frau soll wegen der Leichtfertigkeit und Unbesonnenheit ihres Geschlechtes nicht anerkannt werden!‹ (Josephus: Antiq. IV.8,15).

Rabbi Jehuda lehrte (t.Berakh. 7,18): ›Drei Lobsprüche muss man an jedem Tag sprechen: Gepriesen sei Gott, dass er mich nicht als Heiden geschaffen hat! Gepriesen, dass er mich nicht als Frau geschaffen hat! Gepriesen, dass er mich nicht als Unwissenden geschaffen hat!‹

Historiker, religiöse Vertreter der patriarchalen Religionen, auch die christlichen Kirchenmänner, konnten unwidersprochen etwas behaupten, was nicht der Wahrheit entsprach oder die Frauen verunglimpfen, diffamieren und beschimpfen, womit sie, was ihre abgrundtiefe Verachtung für die Frauen zeigt, auch ihre eigenen Mütter entwürdigten. Die Unverschämtheiten der Kirchenväter lösten weder Widerspruch noch Protest bei den Kirchenoberen aus.

»Was einst mit dem jungen Christentum und Episteln im Namen des Apostels Paulus begonnen hatte, durch die frauenfeindlichen Ergüsse der Kirchenväter theologisch untermauert und von Augustinus theologisch und philosophisch zum Höhepunkt gebracht worden war, erwies sich dann rund Eintausend Jahr später als wirksamer Zunder, wenn es darum ging, den Heidenfrauen und Unholdinnen den Scheiterhaufen zu bereiten.

›Denn die Kirchenväter fürchten die Frau, vor allem ihre Macht, die in den atavistischen Kulten durch das Symbol der Schwarzen Madonnen verewigt worden war. Man kann diese Schwarzen Madonnen überall in Europa finden. Sie sind uralte Darstellungn der virgo paritura, die in die Urzeit zurückreicht. Sie wurden von der Großen Göttin der erstem matriarchalischen Kulte inspiriert‹ und werden dann zur Mutter Gottes und der Menschen. Letztlich sind sie Symbol der ›kosmischen Energie, lebendiges Prinzip, Kraft der Natur  – Natur selbst‹.« (Harald Specht ›Das Erbe des Heidentums‹ 2014, S. 442)

Es folgte eine unglaubliche Welle von Gewalt gegen Frauen

Religiös generiert und gebilligt, breitete sich nach diesen Exzessen ein noch nie dagewesener Hass auf die Frauen aus, der – unterstützt und von den Kirchen gutgeheißen – in der Ermordung von Millionen von ›Hexen‹ gipfelte.
Die Kirche hat dafür nie ihren Teil der Verantwortung übernommen, sich nie von den Hass-Predigern und ihren grausam-primitiven Sprüchen gegen die Frauen distanziert! Im Gegenteil! Diese Rufmörder wurden von der Kirche heilig gesprochen! Im ›Hexenhammer‹, der vom Dominikaner Pater Heinrich Kramer (lat. Henricus Institoris) verfasst wurde, lesen wir vom Neid des frommen Mannes auf die sexuelle Kraft der Frau: »Klein ist jede Bosheit gegen die Bosheit des Weibes… Der natürliche Grund dafür ist ihre Sinnlichkeit, die größer ist als die Sinnlichkeit des Mannes, was ihre unzähligen geschlechtlichen Abscheulichkeiten zeigen. Und es sollte besonders erwähnt werden, dass schon das erste Weib bei seiner Erschaffung mit einem Mangel behaftet war, da es aus einer Rippe geschaffen wurde, einer Rippe der Brust, die in entgegengesetzter Richtung zum Mann gebogen ist. Und seither ist das Weib durch diesen Mangel ein unvollkommenes Tier.« Pater Heinrich Kramer wusste noch nichts über das männliche Y-Chromosom, das Aufgrund seiner verhältnismäßig geringen Größe oftmals als unterentwickelt, degeneriert oder verkrüppelt angenommen wird. Der bekannte Alttestamentler R. K. Harrison (1920 –1993) schrieb über die Religion der Göttin: Einer ihrer hervorstechendsten Züge war der lüsterne, verderbte und orgiastische Charakter ihrer kultischen Prozeduren.‹  »W.F. Albright, eine der führenden Autoritäten der Archäologie Palästinas, beschrieb die weibliche Religion als ›orgiastische Naturverehrung, sinnliche Nacktheit und anstößige Mythologie‹ und fuhr fort: ›Sie wurde durch Israel mit seiner pastoralen Einfachheit und der Reinheit seines Lebens ersetzt, durch Israel mit seinem erhabenen Monotheismus und seinem strengen Moralkodex.‹ Wie kann man diese Worte akademisch rechtfertigen, wenn man von den Massakern gelesen hat, die von den Hebräern an den ursprünglichen Einwohnern von Kanaan verübt wurden,« schreibt Merlin Stone (›Als Gott eine Frau war – Die Geschichte der Ur-Religion unserer Kulturen‹ 1988, S. 14) Im Buch Josua, vor allem in Kapitel neun bis elf, sind die Gräueltaten beschrieben. Was für ein Hass auf die Göttin und die Frau spricht aus solch miesen, fiesen, verleumderischen Aussagen! Man muss sich jedoch fragen, was sagt dieser Hass über die Männer selbst und ihre Biographien aus? Abgesehen von den unzumutbaren Äußerungen der Frauenhasser und den religiösen Vorurteilen von Bibelforschern, biblischen Archäologen und Religionshistorikern, muss man konstatieren:

Es fehlt an Verstand, Bildung und Wissen

und an der Fähigkeit die Arroganz und bodenlose Frechheit der Kirchenväter, der ›heiliggesprochenen‹ christlichen Frauenhasser und die Rolle der Kirchen zu durchschauen. Es geht um Macht. ›Ganz normale‹ Männer und gläubige Frauen (!) empören sich nicht über solche Texte! Sie lassen sich verführen von den religiösen Ideologien des Patriarchats und akzeptieren jede religiös bemäntelte Dreistigkeit. Seit der Erfindung der Legende von Eva und Adam wurde Frauen sexuelle Schuld und Verführung unterstellt. »In den biblischen Texten hat das schlechte Image der Eva keinerlei Anhaltspunkte, es ist eindeutig den Phantasien von Männern, darunter vielen Klerikern entsprungen«, schreibt der Alttestamentler Othmar Keel. »Der menschlichen, vor allem weiblichen Sexualität begegnet bereits die prophetische Tradition des Ersten Testaments mit Misstrauen. Aus dem israelitischen Gottesbild und dem Kult versuchte sie alles zu eliminieren, was mit Sex und Erotik zu tun hatte, und verdrängte damit einen wichtigen Teil ihres kanaanäischen Erbes.« (Keel, 1994a, Bibel heute 118, S. 134-136) Das kanaanäische Erbe ging zurück auf das Matriarchat, die Verehrung der Göttin und die Freiheit und Heiligkeit der Sexualität. Das als ›heidnisch‹ entwertete matriarchale Erbe wurde von der patriarchalen, indoeuropäischen Priesterkaste der Leviten (Luwiern), der Moses und Aaron angehörten, verfolgt und schlussendlich ausgemerzt.

Frauenverachtung ist charakteristisch für eifersüchtige, neurotische, gewaltbereite Männer. »Die kindhafte Unsicherheit des Menschen [des Mannes! DW] gebiert die Projektion eines autoritären Vatergottes, von dem der Mensch abhängig ist, der ihn aus dem Paradies vertreibt und ihn mit dem Tod bestraft. Damit ist der Ungehorsam der Menschen zum Grund des Bösen erhoben… Diese Gottesvorstellung selbst ist die Projektion des Menschen [des Mannes!], der mit sich und der Welt nicht zurechtkommt.« (Vierzig ibd. S. 25) … Und sich dafür an der Frau rächt!

Der Prozess der Patriarchalisierung und der Entwertung der Frau

Die Diffamierung und Domestizierung der Frau im Patriarchat und die langsame aber stete Entwertung der Göttin war ein 5000 Jahre dauernder Prozess. Es begann mit den indoeuropäischen Eroberungen Mesopotamiens, des Iran und Ägyptens am Ende des 4. und zu Beginn des 3. Jahrtausends und setzte sich im 2. Jahrtausend fort mit der Eroberung der Levante und Kanaans und bis heute mit der Missionierung, d.h. der Patriarchalisierung der letzten indigenen Völker: eine ungeheuerliche Anmassung männlicher Hybris. Überall wo sich die Patriarchalisierung ausbreitet, beginnt die Entwürdigung der Frau, ihre Entwertung und damit die vorprogrammierten Probleme in der Partnerschaft. Mit der Patriarchalisierung verbunden, war die Erfindung männlicher Götter, die Entwertung der Göttin und die Niederschrift des faschistischen patriarchalen Gedankengutes, der Bibel. Schließlich ging es den Patriarchen darum, die Mutter-Göttin völlig zu eliminieren und einen einzigen Gott an ihre Stelle zu setzen. Die indoeuropäische Priesterkaste der Leviten (Luviten) – unter ihrem Anführers Moses – schuf den neuen Gott mit allen Charakteristiken eines Diktators. Von ihm will Moses – so behauptete er mindestens – am patriarchalen Stammtisch göttliche Weisungen erhalten haben. Die mosaische Projektion war ein böser, eifersüchtiger, hasserfüllter, rachsüchtiger Wettergott, ein Phantom über den Wolken, der die Menschheit ständig zu vernichten drohte. Seine Anhänger, die ebenfalls eifersüchtigen und hasserfüllten Bibelschreiber, erschufen die Frau aus dem Körper eines Mannes; aus Rücksicht auf den Mann, denn, Frau höre:

»In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst, während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der Begattung beschränkt ist, zur bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der Männerwelt geführt haben.« (O. Keel/S. Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 11)

Viele Bibelzitate zeugen von einem ungeheuren Frauenhass; unglaublich, dass sich Frauen nicht empören. Hier wirkt das sogenannte Stockholm-Syndrom, nach dem sich Frauen mit ihren Angreifern identifizieren, statt sich gegen sie zu wehren. Sie lassen sich Worte gefallen, wie z.B. diese: ›Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Ring durch die Nase.‹ (Sprüche 11,22)

Die Entwertung, Entmachtung und Entmenschlichung der Frau ist die schädlichste und einschneidendste Konsequenz für die Menschheit im Patriarchat. Ohne den zivilisierenden Einfluss der Frau, den sie mit der Patriarchalisierung verlor, überschreitet der patriarchale Mann jede Grenze von Menschlichkeit, verliert er jeden Halt. Krieg, Ausbeutung, Folter, Unterdrückung, Zerstörung und Gewalt sind an der Tagesordnung. Besonders Kinder und Frauen leiden unter der Respektlosigkeit patriarchaler Männer; das Patriarchat gebiert Monster, vor allem im Krieg werden sie zu Bestien! Die unvorstellbaren Kriegsverbrechen zeigen die Abgründe männlichen Verhaltens.

›Jede dritte Frau Opfer von Gewalt‹ titelt anfangs März 2014 die Presse nach der Veröffentlichung einer umfassenden Studie (FRA) zur Situation in Europa: Von Schätzungsweise 62 Millionen Frauen in der EU – mehr als die Bevölkerung Italiens – die seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens einmal Opfer von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt geworden sind, berichtet die NZZ (6.3.14). Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich doppelt so hoch. Mitgerechnet sind dabei auch nicht die Kinder unter 15 Jahren, die unter Lieblosigkeit, Vernachlässigung, Prügel, Ausgestoßensein und Wegsperren in Heime und Internate gelitten haben; auch nicht die Kinder, denen sexuelle Gewalt von männlichen Familienangehörigen, Priestern und anderen Pädokriminellen angetan wurde; nicht die Kinder die täglich zu Tode gequält werden und nicht die toten Frauen, die von ihren Partnern umgebracht wurden.
Wieder schweigen die Kirchen; sie haben Prügel für Kinder und Schweigen für die Frauen ja einst selbst verordnet und sind selbst Teil des daraus entstandenen Desasters! (Das Schlagen von Kindern wird im Februar 2015 von Papst Franziskus gebilligt; ist für ihn ›in Ordnung‹.) Die Probleme der Kirchen sind nicht die Leiden der Menschen, sondern deren Sünden, begangen durch Masturbation, durch die verbotene Verwendung von Kondomen, durch Homosexualität, durch Ehebruch, Scheidung und Abtreibung usw. Auffallenderweise geht es dabei immer um Sexualität.

Die katholischen Kleriker verstoßen mit ihrer Askeseforderung wider die Natur. Sie ist in höchstem Masse abartig, menschen- und leibfeindlich. Und sie führt –  wie 2010 ans Licht kam, zu einem der schlimmsten Verbrechen, der perversen sexuellen Gewalt gegen Kinder. Die Kirche hat dies während Jahrzehnten erfolgreich verheimlicht und die Täter geschützt.

Kirchenväter, Männer, die vorgeben asketisch zu leben, haben die perversen Aussagen gegen Frauen gemacht und dazu diffamierende Geschichten, ›heilige‹ Legenden, erfunden – und patriarchale Männer, Frauenhasser, sind ihnen gefolgt; als Gesinnungsgenossen, als Helfershelfer, als Henkersknechte gegen die Frauen! Die offensichtlich abartig sexuelle Motivation der patriarchalen Religionen und der perverse Sadismus sind die grauenhafte Folge der unterdrückten Sexualität im Patriarchat. (s. Ove Brusendorff und Poul Henningsen ›A History of Eroticism‹ New York‹ 1966)

Martin Luther, Chauvinist und Frauenverächter

Nach den Hasstiraden der patriarchalen Propheten der Bibel und denen der christlich-patriarchalen Kirchenheiligen kam der große Reformator Martin Luther zum Zug gegen die Frauen. Es verschlägt einem die Sprache, wenn man seine frauenverachtenden, zynischen Worte liest, er schreibt:  ›Lasst sie leben, solange sie gebären – mögen sie sich ruhig zu Tode tragen, das macht nichts, sie sind drum da.‹
Luther war nicht nur frauenfeindlich, sondern auch abergläubisch, mit paranoiden Zügen. Er glaubte tatsächlich an eine tödliche Gefahr durch Hexen und Zauberer. ›Den Zauberer sollst du nicht leben lassen.‹ (2. Mose 22,17) Diese Formulierung wurde erst grammatikalisch korrekt, später mit der weiblichen Form ›Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen‹, übersetzt. Dies war der Freibrief für die Fortsetzung der Verfolgung der Frauen, die sich zum Hexenwahn steigerte. (s. Die Christianisierung Europas und die Hexenverfolgungen)

Die Beziehungen zwischen Frau und Mann verschlechterten sich zusehends

Die patriarchalen Hasstiraden gegen die Frauen – entstanden aus den patriarchalen Religionen – taten ihre Wirkung. Die für patriarchale Ideologien und den Wahn männlicher Überlegenheit anfällige Männer, besonders solche mit einer begrenzten Denkfähigkeit und Bildung, übernahmen die Verachtung der Frau und begannen sie zu unterdrücken. Heute beklagen ausgerechnet die Religiösen, die für die  Vergiftung der Atmosphäre zwischen Mann und Frau verantwortlich sind, die Autonomiebestrebungen der Frauen und die ständig zunehmenden Ehescheidungen. Verständlich, dass sich Frauen die Diskriminierungen nicht länger gefallen lassen, sich zur Wehr setzen, sich von ihren unsensiblen, oft gewalttätigen Männern scheiden lassen – und sich auch von der frauenfeindlichen Kirche trennen. Manche Männer beginnen erst nachzudenken, wenn die Ehefrau gegangen ist; die Kirchenmänner bleiben jedoch ihren patriarchalen Ideologien und Vorurteilen treu, die sie meist in ihrer Kindheit in der eigenen Familie erlebt und gelernt hatten. Sie glauben an die von den Religionen propagierte Minderwertigkeit der Frau und ihrer eigene, gottgegebene Überlegenheit!
Auf der andern Seite gibt es Frauen – die nach dem Auslöschen des Wissens unserer matriarchalen Vergangenheit und der einstigen Verehrung der Großen Göttin, ihrer Identität und ihres Selbstbewusstseins beraubt – zu patriarchatskompatiblen Stützen der zerstörerischen Männergesellschaft wurden. Und sie haben akzeptiert zu schweigen. Lerne! Denn: ›Wer nichts weiß, muss alles glauben.‹ (Maria v. Ebner-Eschenbach) Und sprich, die du noch Lippen hast! Wisse: ›Das Schweigen der Frauen ist die Macht der Männer.‹ (Kaj Fölster)

Der religiöse Hass und die Gewalt gegen Frauen wird in der patriarchalen Familie perpetuiert

Kein Junge wird als Frauenhasser geboren! Wie aber werden aus ganz normalen kleinen Jungen hasserfüllte Männer?
Es ist unmöglich, dass diese einst in Liebe und Lust gezeugte, erwünschte, geliebte, respektierte Kinder waren. Meist wurden sie in Familien mit einem despotischen, brutalen, strafenden und prügelnden – und oft seine Kinder sexuell missbrauchenden – Vater und einer eingeschüchterten, hilflosen Mutter geboren, die sich und ihre Kinder vor dem tyrannischen pater familias nicht schützen konnte. Ihre Biografien, die wir nicht kennen, würden uns die Gründe für den Irrweg des Hasses verständlich machen. Ein Beispiel für eine solche Biografie ist Hitler; nachzulesen bei Erich Fromm, unter dem Titel: ›Bösartige Aggression: Adolf Hitler, ein klinischer Fall von Nekrophilie‹ (›Anatomie der menschlichen [Fromm meint wohl, der männlichen!] Destruktivität, 1974, 13. Kapitel). Alice Miller hat den Fall Hitler in ihrem Buch ›Am Anfang war Erziehung‹ 1980 ebenfalls analysiert. Das durch die brutale Erziehung patriarchaler  Väter erzeugte Grauen ist bis heute ein Thema, dem man sich endlich auch in der Kirche stellen müsste: Wer Kinder liebt, züchtigt sie nicht, beutet sie nicht aus und missbraucht sie nicht!
Der eindrückliche Film von Michael Haneke, ›Das weiße Band‹, der 2009 in Cannes die Goldene Palme erhielt, zeichnete ein anschauliches Bild puritanisch-christlicher Familien, in denen Kinder durch ständige Demütigungen, Gewalt und sexuellen Missbrauch durch den patriarchalen Vater zur Brutstätte des Hasses und der Rache der Kinder werden. (s. Zum Thema der sexuellen Aufklärung in der Schule: ›Eine erschreckende Volksinitiave in der Schweiz‹)

Keine Frohbotschaft aus dem Vatikan

ist die Wahl des Papstes Franziskus, eines Mannes aus Lateinamerika nach Benedikt XVI für Uta Ranke-Heinemann. »Ändern wird sich dadurch im Vatikan nichts. Von einer Frohbotschaft kann im Christentum keine Rede mehr sein. Der neue Papst wird die Frauen- und Sexualfeindlichkeit fortsetzen. Kondome hat auch er weiterhin verboten, außer für ›männliche Prostituierte‹, wie schon Papst Benedikt betonte. Der hatte damit die Frohbotschaft zu einer Bordellbotschaft ruiniert.« Die ungeheuerliche Verteufelung der Sexualität – auch in der Ehe – beschreibt Ratzinger im Neuen Weltkatechismus: »Alle Kinder (außer Maria) sind im Mutterleib vom Teufel besessen und werden erst durch die Exorzismen der Taufe vom Teufelskind zum Gotteskind. Papst Benedikt XVI. setzte wieder weltweit Exorzisten ein, um den Teufelsaberglauben zu stärken, nachdem er gerade im Schwinden begriffen war. 1870 wurde das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. Nichts fördert die Infantilisierung der Massen so sehr wie ein unfehlbarer Papst und dieser seit dem 19. Jahrhundert durch die Päpste ständig vermehrte Marianismus. Den Frauen, die nicht bereit sind, ihren Verstand aufzugeben, bleibt nur noch die Flucht. Politisch repräsentiert Franziskus das Reaktionärste, was die katholische Kirche momentan zu bieten hat.« (Uta Ranke-Heinemann: //www.jungewelt.de/2013/03-15/041.php.

Den patriarchalen Religionen fehlt der halbe Verstand der Menschheit: die weibliche Weisheit.

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