Zynischer Populismus

Gepostet am Aktualisiert am

 

Warum und wie rechte Demagogen die Armen verächtlich machen

Von Christoph Butterwegge
https://www.jungewelt.de/2016/10-10/053.php?
 
Ich kann Prof. Christoph Butterwegge nur zustimmen. Die Tatsache der Biologisierung von Armut weist schon im Ansatz auf die Verdrehung von Kausalitäten hin. Es werden der Natur qua Biologie rassistische, nationalistische, sexistische, kulturelle, religiöse Auswahlkriterien unterstellt, die den elitebezogenen patriarchalen Überlegenheitsanspruch rechtfertigen sollen.
Ein Überlegenheitsanspruch, der sich auf eine patriarchal-ökonomische Definition von Arbeit, Gestalten und menschlicher Aktivität beruft.
Die faschistoide Überbewertung von ökonomisierter Arbeit und Hochstilisierung zur Lebensmaxime entwertet die Natur und das Leben selbst und unterstellt sie der Profitmaximierung.
Der rechtskonservative Arbeits-Imperativ wird der Natur, dem Menschen, dem Leben, der Umwelt und der Gesellschaft nicht gerecht, weil er existenzielle, zeitgebundene und naturgesetzliche Entwicklungsprozesse unterschlägt und ignoriert. Nicht nur, dass es ohne Mensch und Natur keine Arbeit gäbe, sondern auch, dass mit dem ökonomisierten Aktivitäts-Imperativ das Lebenserhaltungs- und Naturbewahrungsprinzip missachtet wird, scheint Personen wie Thilo Sarrazzin,  einem  Protagonisten  der  pseudo-alternativen Bewegung (AfD), nicht bewusst zu sein. Ausgehend vom kapitalistischen Ausbeutungsprinzip werden Menschenrechte verletzt und eine weitere Prekarisierung initiiert.
Dem zynischen Populismus geht es nicht um die Vermeidung von Armut,  oder um die  Verantwortung gegenüber dem Leben, dem Menschen, der Natur und den existenziellen Grundlagen, sondern um die Hierarchisierung der Rechts-Ansprüche und um die Legitimierung und Bewahrung eines sozio-ökologischen Ausbeutungspotentials.
 
 
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Thilo Sarrazin, SPD-Mitglied und früherer Finanzsenator Berlins, lieferte ab 2010 mit seinen Büchern die ideologischen Blaupausen für die rechtspopulistische AfD. Von Anfang an regte sich Protest gegen den Autor und seine menschenverachtenden Behauptungen, wie hier im März 2014 in Berlin im Vorfeld einer geplanten Lesung

Über eine neoliberal inspirierte und nationalkonservativ orientierte Sozialstaatskritik auf Stammtischniveau, die durch Medienberichte über angeblich massenhaften Leistungsmissbrauch gefördert wird, gelangt Sarrazin nie hinaus. Populär geschrieben, bietet sein Traktat eine pseudowissenschaftliche Rechtfertigung der bestehenden Eigentums-, Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat den Bestseller seines Parteikollegen richtig charakterisiert: »Es ist ein Buch über ›oben‹ und ›unten‹ in unserer Gesellschaft und darüber, warum es nicht nur gerecht, sondern auch aus biologischen Gründen völlig normal ist, dass es dieses ›Oben‹ und ›Unten‹ gibt.«

Offenbar traf Sarrazin mit seinen polemischen Vorwürfen gegenüber sozial benachteiligten Minderheiten thematisch wie politisch-inhaltlich den marktradikal geprägten, aber auch von Deutschtümelei nicht freien Zeitgeist. Bei der neudeutschen Ideologie, die heute fast alle Lebensbereiche durchdringt, handelt es sich freilich weder um jenen »klassischen« Deutschnationalismus, der schon im Kaiserreich parteiförmig organisiert war und von gesellschaftlich einflussreichen Kräften, etwa dem Deutschen Flottenverein oder dem Alldeutschen Verband, propagiert wurde, noch um einen aufgeklärten Wilhelminismus, vielmehr um eine umfassend modernisierte Spezialvariante völkisch-nationalistischen Bewusstseins, die sich der Öffentlichkeit als legitime Reaktion auf eine verschärfte Weltmarktkonkurrenz präsentiert. Die Totalidentifikation mit der Nation ist wieder ausdrücklich erwünscht, geht es doch darum, Auslandseinsätze der Bundeswehr ideologisch zu begleiten sowie den Weltmarkt zu erobern und im Kampf mit anderen »Wirtschaftsstandorten« alle Kräfte zu mobilisieren.“(Christoph Butterwegge).

https://www.jungewelt.de/2016/10-10/053.php?

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