Die neue Veränderung der Arbeitswelt oder die Pervertierung der irdischen Lebenswirklichkeit in deren Abstraktion.

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Die Propagandamaschine der Technologie-Gläubigen ist angelaufen und heilsverkündet den neuen „Fortschritt“. Die Digitalisierung wird als tiefgreifende Veränderung der Zivilisation beschrieben, die einmalige Chancen auf Selbstverwirklichung bietet.

Diese einmaligen Chancen werden nur denjenigen zuteil, die sozusagen von dieser Gläubigkeit erfasst und erleuchtet werden und in dieser Glaubensgemeinschaft ihr Heil suchen. Es ist, wie bei jedem Glauben, ein Kalkül auf eine Utopie, bei der die real-irdische Erfahrbarkeit hinterherhinkt, weil sie missachtet wird.

Dabei steht eine sogenannte Emanzipation über die Natur – Selbstverwirklichung – im Fokus, die man mit Individuation des Fortschrittsgläubigen bezeichnen muss. Dieser Fortschritt ist eine fortwährende Progressivität, die eine Pervertierung der Natur in deren Abstraktion beinhaltet.

Das Dilemma hierbei ist, dass mann die Abstraktion nur mittels Natur und Naturressourcen ermöglichen kann und dass diese Ressourcen der Endlichkeit unterworfen sind. Der missbräuchliche Raubbau, der der Emanzipation einer „neuen Zivilisation“ dienen soll, verhindert und missachtet die inhärente Generativität der Natur und zerstört sie.

Die Ver-Digitalisierung ist ein weiterer Schritt in die Abstraktion der Natur kraft Natur. Algorithmen sind die neuen Dogmen der Arbeitswelt und finden ihre Zuspitzung in der Er-Schaffung von künstlicher Intelligenz und einer neuen Produktionsweise.

Maschinen werden vermenschlicht und der Mensch wird entmenschlicht, indem er von seiner eigenen vitalen Natur entfremdet wird.

Die beabsichtigte Emanzipation – Befreiung aus Abhängigkeiten – geht mit Entsozialisierung, Entsolidarisierung, Dekulturierung, Entfremdung von der existenziellen Kooperation mit Natur und Erde, Entspiritualisierung, Entökologisierung, Asozialisierung und einer technologie-, wirtschafts- und zivilisationsbedingten Prekarisierung einher.

Leider ist die neue Arbeitswelt eine neue Illusion, der die Lebenswelt vieler Menschen zum Opfer fällt. Die technologischen und wissenschaftlichen Standards verschlingen Unmengen an Kapital bei der Erfindung „innovativer“ Produkte. Die Kapitalbindung an das Produktions-Eigentum ist der Gewinnmaximierung unterworfen, die nur über Ausbeutung von Mensch und Natur realisiert werden kann. Ohne Ausbeutung gibt es keine Profitmaximierung und ohne Transformation der Natur gibt es keine Emanzipation und keinen Selbstprofilierungsfaktor.

Die schöne neue Arbeitswelt ist ein weiterer Gestaltungsbereich, der zur Ausbeutung und Umwandlung der Naturressourcen, zur Pervertierung der lebendigen generativen Natur in tote Waren und zu anwachsenden Abfall- und Müllbergen führt. Der Fortschritt erweist sich als Fortschrott und die naturgegebene Welt wird in eine globale Mülldeponie umgewandelt.

Stattdessen wäre eine neue lebensbejahende Organisation der Lebenswelt gefragt, in die sich Arbeit integrieren lässt und nicht umgekehrt. Denn, in die heutigen Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnisse lässt sich das Leben kaum noch integrieren.

Arbeit als patriarchales herrschaftsbestimmtes Imperativ ist abgespalten von seinem sozialen, intergenerationalen, generativen, ökologischen und spirituellen Sinn und hat nur noch einen emanzipatorischen Selbstprofilierungs- und Selbstbereicherungscharakter, der letztlich unsere existenziellen Naturgrundlagen zerstört. In der patriarchalen Arbeits- und Wirtschaftskonzeption ist weder das Natur-Bewahrungsprinzip enthalten, noch die Lebenserhaltung.

Ein grundsätzliches Umdenken ist angesagt, indem Arbeit ihrem genuinen Sinn zugeführt wird, der sich nach den Lebens- und Naturerhaltungsprinzipien ausrichtet:

– Arbeiten um zu leben und nicht
– Leben um zu arbeiten

 Ein Dossier von Die Recherche
„Zwischen Ausbeutung und Selbstverwirklichung: Wie arbeiten wir in Zukunft?“ – Diese Frage hat unsere Leser in der achten Runde des Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Um sie zu beantworten, haben wir für Sie recherchiert und ein Dossier aus Analysen, Interviews, Reportagen und Videos zusammengestellt.http://www.sueddeutsche.de/thema/Zukunft_der_Arbeit
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