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Matriarchat

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Das Matriarchat ist die Grundlage des Prinzips universaler Freiheit und

Gleichheit,

des Friedens und liebender Menschlichkeit.

Es ist auch die Grundlage wohlüberlegter Sorge um materielles Wohlergehen und

irdisches Glück.

(Erich Fromm)

 

Matriarchy is the foundation of the principle of universal freedom and

equality,

peace and loving humanity.

It is also the foundation of thoughtful concern for the material well-being and

earthly happiness

 (Erich Fromm)

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DIE SPRACHE DER GÖTTIN

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» Göttinnen

DIE SPRACHE DER GÖTTIN

Marija Gimbutas, die litauisch-amerikanische Archäologin, entdeckte und benannte die matriarchale/egalitäre, friedliche Kultur des „Alten Europa“ vor 6000-8000 Jahren und lieferte damit eine wichtige Grundlage für MatriarchatsforscherInnen und frauengeschichtsforschende Feministinnen. Sie stützte sich in ihren Forschungen über das Alte Europa auf die Kenntnisse der Archäologie, Linguistik, Mythologie sowie der Volkskunde. Sie stellte die Vermutung auf, dass es sich dabei um eine große, matrilineare und egalitäre Kultur gehandelt hat: eine Kultur, die viele Jahrtausende Bestand hatte.

Ihr Heimatland Litauen wurde als letztes europäisches Land christianisiert, hier hielten sich hartnäckig heidnische Bräuche. Volkskunst gehörte zum täglichen Leben in Marijas Umgebung. Die Bediensteten glaubten an Hexen und an Nornen, die den Lebensfaden spinnen. Für sie, das Mädchen, waren Feen real. Marija sagte selbst: „Ich hörte Märchen, als ich den alten Frauen zu Füßen saß. Die Göttinnen lebten noch, sie waren um mich, die Nornen, die Raganas, die Hexen, Baba Yaga. Das war entscheidend. Als ich über die Göttinnen schreiben musste, bin ich in Gedanken in meine Kindheit zurückgegangen. Ich erinnerte mich an das, was ich aus der Volkskunde über die Göttinnen wusste.“

Mit 15 (nach dem Tod ihres Vaters) begann Marija sich für alles, was mit dem Vergangenen zu tun hatte, zu interessieren, besonders für alles, was mit alten Glaubensvorstellungen vom Tod und prähistorischen Beerdigungsriten zusammenhing.

In ihrem Elternhaus hatte es geheißen, Litauisch wäre eine der ältesten indoeuropäischen Sprachen. Deshalb wollte sie herausfinden, was der Ursprung des Indo-Europäischen war. Dies führte sie schließlich zur archäologischen Forschung in Osteuropa. Anhand der Grabhügel für Häuptlinge, „Kurgane“ genannt, identifizierte Gimbutas die Proto-Indo-Europäer als viehzüchtende Nomaden aus den Steppen an der Wolga. Diese These war freilich nicht unumstritten.

Ihr linguistisches Wissen war eine wichtige Voraussetzung für die richtige Deutung der archäologischen Funde, die sie in den 60er Jahren machte. Sie reiste viel durch ganz Europa, führte Ausgrabungen an zahlreichen Stellen durch bzw. leitete sie, allein fünf große in Osteuropa zwischen 1967 und 1980. Sie stellte fest, dass die Kulturen ganz anders war, als jene, die sie aus Südrussland kannte: keine Viehzüchter, keine kriegerische Kultur mit Pferden und Wagen. In Nord-Griechenland und Südost-Europa fand sie stattdessen eine Ackerbaukultur mit „´wunder-, wunderschöner Töpferware, Hunderten von – Tausenden von Skulpturen, Figurinen, Tempel-Modellen und anderen wunderschönen Dingen.´“ Die Jungsteinzeit in Europa ergab für Marija Gimbutas ein geschlossenes Bild, die Vorstellung einer einheitlichen Kultur:

„Es ist ein großes Missverständnis, davon auszugehen, dass Kriegsführung ein Teil der menschlichen Natur ist. Umfangreiche Kämpfe und die Errichtung von Befestigungsanlagen gehörten tatsächlich zum Leben der meisten unserer direkten Vorfahren, von der Bronzezeit bis heute. In der Altsteinzeit und in der Jungsteinzeit war dies jedoch nicht der Fall. Bei altsteinzeitlichen Höhlenmalereien gibt es keinerlei Darstellungen von Waffen (jedenfalls keiner Waffen, die gegen andere Menschen verwendet wurden), noch gibt es Überreste von Waffen, die in der Jungsteinzeit im frühen Europa von Menschen gegen Menschen eingesetzt wurden.“

Im Gegensatz zu den meisten ArchäologInnen, die sich auf Spezifika konzentrieren (Siedlungsstruktur, Keramik), betrieb sie eine Überschau und sah „etwas Einheitliches, eine hochzivilisierte Gemeinschaft mit einem feinen Gespür für Ästhetik und Harmonie, einem Sinn für Musik und Tanz, kunstvoller Metallbearbeitung lange vor den Metallzeiten, der Präzisionsarbeit an Nadeln und Knöpfen ebenso wie feiner Web- und Flechttextilien, einer hohen Wertschätzung der Natur und hoch differenzierter religiöser Vorstellungen.“ Sie gab dieser Kultur den Namen „Old Europe = Alt-Europa“, in gleichzeitiger Anlehnung und Abgrenzung gegen „Indo-Europa“.

Nach Marija Gimbutas lebten zwischen 6.500 und 3.500 v.u.Z. verschiedene Gesellschaften zwischen den Karpaten und dem Norden Griechenlands, zwischen dem Adriatischen Meer und dem heutigen Bukarest, aber alle nach der gleichen Norm, im selben Geist. Der Fund zahlreicher sehr ähnlicher Statuen in diesem großen Raum gab ihr die Bestätigung dafür.

97% der Funde waren weiblich, darunter auch Vasen und Tassen: Etliche Tongefäße hatten Brüste und ein Gesicht, auf den Dächern von Tempelmodellen waren wie ein Kamin ein langer Hals und ein weibliches Gesicht angebracht. Ein Altar hatte die Form eines Schoßdreiecks. Manche Skulpturen zeigen nur die Vulva oder ein Paar Brüste. „Das, was Frauen gegenüber Männern auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, neues Leben zu schaffen und mit dem eigenen Körper zu nähren, es also zu erhalten.“ … „Die Göttin vereint alle Momente des Zyklus in sich. Sie, die Gebärerin, schenkt Leben. Sie, deren Brüste Milch und Wasser spenden, erhält das Leben. Als furchteinfllößende Macht bringt sie den Tod. Doch der Tod ist nie das Ende, er enthält zugleich den Keim des neuen Lebens. Marija Gimbutas nennt die Göttin u.a. ´Regeneratrix´, die Erneuerin.“

Marija Gimbutas ordnete die gefundenen Figuren zu folgender Typologie:

  • 1. Die Göttin als Personifikation der generativen Kräfte der Natur – dargestellt als Gebärende, mit betonter Brust und/oder Vulva, mit dem Kind auf dem Arm, als Bärin-Amme, als offener Mund oder doppeltes Auge, als Schlange/Schlangengöttin, mit dem Widder als ihrem Begleiter.
  • 2. Die Göttin als Personifikation der destruktiven Kräfte der Natur, als Todesgöttin – dargestellt mit eng an den Leib gepressten Armen, als „steife Nackte“, mit der Farbe Weiß, aus Knochen oder weißem Gestein hergestellt, in Form einer Giftschlange oder häufiger als Raubvogel (Geier, Eule, Rabe, Krähe).
  • 3. Die Göttin als Personifikation der Erneuerung, die den Lebenszyklus kontrolliert – dargestellt in vielen, verschiedenen Manifestationen des Uterus, Schamdreiecks oder Fötus: Frosch, Kröte, Igel, Stierkopf, Dreieck und Doppeldreieck, auch als Insekt, Biene, Schmetterling, Motte.
  • 4. Männliche Gottheiten machten nur 3 – 5 % der Funde aus. „Männliche sexuelle und physische Kraft wurde angesehen als eine Macht, die auf magische Weise die weibliche Schöpfungskraft vergrößert. Männliche Gottheiten repräsentieren entweder die Vegetation, die im Herbst abstirbt, um im Frühjahr ´aufzuerstehen´, oder sie waren verknüpft mit der wilden Natur.“

Marija Gimbutas sah in diesen Glaubensvorstellungen ein Erbe der Altsteinzeit. Da Glaubensvorstellungen nicht über Nacht verschwinden, auch wenn ihre Kultur untergeht, hielten sie sich ganz oder teilweise bis ins 2. Jahrtausend v.u.Z. bestehen, beispielsweise in der minoisch-mykenischen Kultur.

Sie deutete Ornamente als Bildsprache: gerade Linien, gestreifte und gepunktete Bänder, ineinandergesetzte Vs, Zickzack- und Wellenlinien. Den Punkt in der Mitte von Rauten interpretierte sie als Korn; tw. sind echte Körner in den Ton gedrückt worden. Diese und andere Bilder (Wirbel die aus Halbmonden und Hörnern entstehen, aufgerollte Schlange, Spirale, stilisierte Vogelklauen, Sanduhr, Raute) führte Marija Gimbutas zu der Entdeckung, dass es sich dabei um eine Schrift handelte. Sie nannte diese Formensprache „Die Sprache der Göttin“.

Diese Entdeckung wird (vor allem in der männlichen Fachwelt) gern ignoriert. Die Erfindung der Schrift wird den Sumerern zugeschrieben, und dabei hat es zu bleiben. Bestimmte Zeichen wurden aber schon in der Altsteinzeit, vor über 20.000 Jahren, verwendet, etwa das V, das M oder das Y, in Knochen, Horn oder Stein geritzt. Im Laufe der Zeit entwickelten die Menschen 60 Zeichen, die sie offenbar gezielt einsetzten, auf Tongefäßen verdoppelt, multipliziert, einander entgegengesetzt, zusammen mit Mäandern und Parallellinien: in dieser Verschachtelung und Verdoppelung sah Gimbutas eine Verstärkung, eine Art Anrufung.

Marija Gimbutas schloss aus den Darstellungen der Göttin auch auf die Sozialstruktur Alt-Europas. Mit vielen Beispielen malte sie „ein soziales Miteinander, in dem das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern ausbalanciert ist, eine Lebensführung, in der religiöses und Alltagshandeln nicht voneinander geschieden sind.“

Gegen Ende ihres Lebens trat in ihrer Arbeit die spirituelle Dimension stärker in den Vordergrund.

Dank ihrer fundierten Ausbildung in mehreren Bereichen, nicht ausschließlich Archäologie, fiel es ihr leicht, die unterschiedlichen Funde der unterschiedlichen Kulturen zu unterscheiden, „ihr Blick war nicht eindimensional“.

1974 erschien ihr erstes Buch „Götter und Göttinnen Europas“. Damit hatte sie sich, ohne das zu beabsichtigen, außerhalb des Systems begeben; ein Archäologe beispielsweise rezensierte es in dem Sinne „Was sie vorher geschrieben hat, war gut, aber jetzt überschreitet sie die Grenzen“.

Eindringlich mahnte sie, dass „der Rückblick auf die Vergangenheit uns zur Herstellung einer besseren Zukunft verpflichte.“

Marija Gimbutas´ Gedanken und Werke wurden interessiert aufgenommen. Standardwerke wurden ihre umfangreichen Bücher „Die Zivilisation der Göttin“ und „Die Sprache der Göttin“.

In ihren letzten Jahren arbeitete sie eng mit Joan Marler zusammen, einer ausgebildeten Tänzerin, die die Texte des Mythenforschers Joseph Campbell als Inspiration verwendete, als Tanzlehrerin und Choreographin und auch fürs Radio arbeitete. 1987 interviewte sie Marija Gimbutas. Da sie auch journalistisch tätig war und Lektoratserfahrung hatte, bat Gimbutas sie, mit ihr an „The Civilization of the Goddess“ zu arbeiten, das 1991 herauskam.

Bis heute arbeitet Joan Marler daran, die Arbeit von Marija Gimbutas zu verbreiten und zu vertreten, beispielsweise bei der Eröffnung der Ausstellung „Sprache der Göttin. Symbolik im neolithischen Alt-Europa. Annäherung an das Werk von Marija Gimbutas“ 1994 in Wiesbaden und beim Ersten Kongress zur Matriarchatsforschung in Luxemburg 2003.

An der spirituellen Göttinnen-Bewegung, die zumindest zum Teil durch ihre Arbeit ausgelöst worden war, hatte sie nie Anteil. Sie war Wissenschaftlerin und nahm an spirituellen Zusammenkünften nur teil, wenn sie speziell zu ihren Ehren veranstaltet wurden. Ihre Spiritualität drückte sich in ihrer Leidenschaft für ihre Arbeit aus. Da sie überzeugt war, dass die alt-europäische Spiritualität erdverbunden war, war es auch gar nicht nötig, dass sie spezielle „Göttinnendienste“ besuchte oder betrieb, denn in dieser Art Denken ist Arbeit gleich Göttinnendienst.

Sie hatte nie die Absicht, eine Göttinnen-Bewegung auszulösen. Sie hatte einfach ihre Arbeit gemacht. Sie war sogar erstaunt, dass sie solchen Enthusiasmus ausgelöst hatte. Die vielen Briefe, mit denen Frauen ihr ihre Wertschätzung aussprachen, haben sie verwundert – aber natürlich waren sie auch eine große Befriedigung für sie. Sie wollte keine Symbolfigur werden, und wenn ihr Zustimmung auch gut tat, so wollte sie nie angebetet werden.

Ihre Forschungen zeigen, „dass wir als Zivilisation nichts Neues lernen müssen, um in Zukunft zu überleben, sondern uns nur an etwas Vergessenes zu erinnern brauchen. “

Text: Irene Fleiss (von mir leicht modifiziert)

http://www.frauenwissen.at/sprachedergoettin.php

Ethical Case for Abolishing all Forms of Surrogacy

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By Dr Catherine Lynch

 

The argument that surrogacy can be ethical, as long as it is not commercial and is done ‘altruistically’ for a relative or friend, does not hold up under inquiry. It may be time to rethink our stand on this issue.

All surrogacy is cruel to human infants because even so-called “altruistic surrogacy” demands the removal of the neonate from her or his gestational mother when every aspect, every cell, every desire of that neonate, is geared toward being on the body of the gestational mother, to suckle and seek comfort and safety

As an adoptee, I was removed at birth from my gestational mother, her breasts bound for three days in another room while I screamed for her, and my hospital records record my growing distress. Adoptees around the world testify to their battles with depression and rage, difficulties in trusting and attachment, and a profound sense of loss and grief caused by the loss of their mothers at birth. Scientific studies prove that maternal-neonate separation in the crucial months after birth disturbs the baby’s heart rate and sleep and other biological systems, predisposing the child to difficulties later in life which can include relationship and emotional difficulties, mental disorders and illnesses. In taking a child-centered view of surrogacy, we must take into account what we know of the trauma and confusion of separation from the natural family, especially from the birth mother, experienced by adoptees.

The argument that surrogacy can be ethical, as long as it is not commercial and is done “altruistically” for a relative or friend, does not hold up under inquiry. Kajsa Ekis Ekman in Being and Being Bought: Prostitution, Surrogacy and the Split Self points out that “if the procedure is legalised a woman will bear a child as laid out in a contract—the risk that a black market will develop increases . . . Just as trafficking is a consequence of prostitution, commercial and altruistic surrogacy are different levels on the same scale.” In Australia, Ekman’s claim has been borne out. We are the largest consumers of overseas surrogacy despite altruistic surrogacy remaining legal in Australia. Americans and Britons are also dominant among foreign buyers in India despite commercial surrogacy being legal in their own countries or states.

So not only is there “no proof that altruistic surrogacy will hold back the commercial market”, but Ekman also points out that all women get paid in surrogacy anyway. For example with holidays, a new wardrobe, school fees for the gestational mother’s other children, and so on . .

Whether surrogacy is altruistic (in whatever limited sense) or commercial, the fundamental ethical issues remains the same. Ekman sums this up well: “the woman is reduced to a container . . . Pregnancy is made into a function that serves others. Functionalisation always precedes commercialisation, as we have seen in prostitution. In order for something to be sold as separate from the seller, it must first be constituted as a separate function. What happens in the rhetoric of altruistic surrogacy is that it subversively accustoms people to seeing pregnancy as something a woman can lend to others—if she is not selling it.”

The term “altruistic surrogacy” does not reflect in any way the neonatal baby’s experience of the surrogacy. This shows a tragic failure of empathy between adults and children that is mirrored in other terms used in surrogacy parlance. For example, “traditional” surrogacy is used to describe the abandonment of a woman’s own child created from her own egg. It certainly is not traditional in as much as it began with modern reproductive technologies. Otherwise the handing over of the baby is simply no different from “traditional” child abandonment or adoption.

“Gestational carrier” is used to describe the mother whose child originated as a donated or bought embryo. The latter situation has the compounding problem, for the child so created, of splitting her or his “biological mother” in two: something never done before in the history of humankind. In the rush to embrace advances in reproductive technology, little consideration has been given to how this places the child in a moral and existential conundrum.

When the commissioning parent is not the donor, this causes yet another fracturing in the child’s identity between its genetic, gestational and legal parents. Such surrogate children are biologically unrelated in any way to their legal parents. With this comes the loss of identity: the forced ignorance of the self and of basic kinship and ancestral structures. This self-knowledge—so important and so intrinsic to self-identity—creates a sense of belonging and meaningful living within the fabric of kinship/familial connection and has been central to human culture for millennia.

Surrogacy Australia, an Australian pro-surrogacy NGO, argues that permitting and regulating commercial surrogacy in Australia will provide safeguards for the rights of children by preventing people taking them from overseas. But when the rights and interests of newborn babies are prioritised and duly considered as they must be, then it is obvious that it is surrogacy itself which violates children’s rights and functions against their interests. Legalising commercial surrogacy only takes this commodification of people and the exploitation of women to its extreme. Human beings should never be supported by governments to be for rent or sale. Commercial surrogacy should be unthinkable in a modern society that assumes it is on some sort of path toward a greater or “better” humanity.

The process of modernisation with its development of reproductive technologies has been liberating in many respects but without laws to prevent this process being taken to the extreme, liberation could be so relentlessly modernising as to cut people off from the ways of their ancestors and take away their reasons for living. Surrogacy does just this, cutting people off not only from their distant ancestors in most cases, but also, in every case, from the person closest to them: the birthing mother. Either, in the rare instance, forcing her to be merely a visitor or onlooker in the life of her child or, as in the majority of cases, erasing her altogether.

The gestational mother is the only person the child knows when they are born. For every single child, their “mother” is acknowledged as the woman who created that baby by taking them from embryo to fully formed infant, throughout nine months of symbiotic gestation, establishing that person’s first relationship with a human adult, the destruction of which damages both mother and child. The gestational mother is the natural parent of her own child, whether or not she used her own eggs or implanted a donor embryo. It is urgent that nations around the world bring in legislation that enacts the rights of children under the United Nations Convention on the Rights of the Child which in Article 9 gives every human being the right not to be separated from their parents. This legislation protection is best achieved by an explicit acknowledgement in domestic laws that we stand by our commitment to respect the rights of every child to remain with and be brought up by their gestational mother.

Dr Catherine Lynch, JD, is an Australian lawyer and scholar, with several publications on the laws and ethics of adoption and surrogacy. She is the Founder of the Australian Adoptee Rights Action Group

This article originally appeared at http://www.sundayguardianlive.com/lifestyle/11390-ethical-case-abolishing-all-forms-surrogacy

 

Matriarchat in West-Sumatra: die Minangkabau

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nach: ifa Kulturaustausch online – Zeitschrift für Internationale Perspektiven:

Wie Matriarchat und Islam in West-Sumatra harmonieren

Von Peggy Reeves Sanday

Unter Anthropologen als die größte matriarchale Gesellschaft der Welt bekannt, [ca. 7 Mio.] bildet das Volk der Minangkabau die viertgrößte ethnische Gruppe in Indonesien. Zu ihr zählen vier Millionen Menschen, die in der Provinz von West-Sumatra ansässig sind. Die Minangkabau sind gläubige Muslime, die kulturelle Traditionen aus vor-islamischer Zeit in Form des Adat pflegen – die ungeschriebenen Regeln matriarchaler Bräuche, die von Generation zu Generation überliefert werden und einen festen Bestandteil der Minangkabau-Kultur bilden.

Wie hat man sich so etwas vorzustellen? Zum Beispiel erklingt fünfmal am Tag der Muezzin, der zum traditionellen Gebet aufruft. Die Eingangstüren der Häuser hingegen blicken zum Berg Merapi, der heiligen Stätte der Minangkabau aus vor-islamischer Zeit. Dies soll das Wohlergehen der Familien sichern. Inmitten der modernen und traditionellen Häuser, die entsprechend der matrilinearen Tradition von Mutter zu Tochter vererbt werden, befindet sich auch immer ein Gebetshaus. Hier werden junge von älteren Männern in die Lehren des Korans eingeweiht und in den Traditionen und Bräuchen des Adat unterrichtet.

Ein altes Sprichwort verdeutlicht, wie Islam und Adat zusammenkamen: „Adat kam herab, Islam kam herauf.“ Denn laut Volksglauben stammen die Regeln des Adat noch aus der vorchristlichen Zeit, als die Minangkabau oben auf den Bergen lebten. Als sich der Islam zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert durchsetzte, kombinierten die Minangkabau beide Praktiken. Sie erklärten die matrilineare Erbfolge als heilig und stellten sie auf eine Stufe mit dem Koran. Weil beide als Gott gegeben gelten, dürfen die zwei Praktiken auch nicht miteinander konkurrieren oder sich widersprechen, sondern müssen harmonisch in Einklang gebracht werden.

Wie grundlegend dieses Verständnis für den Erhalt der Minangkabaukultur ist, zeigen die Herausforderungen durch die Moderne. Die Zeremonien des Adat schützen die Männer vor der Verführung durch den fundamentalistischen Islam, indem sie an die kulturellen Wurzeln und das Vermächtnis der mütterlichen Prinzipien erinnern. Andererseits wiederum trägt der Islam mit seinen religiösen Praktiken dazu bei, das Adat vor den Einflüssen einer säkularen Moderne zu bewahren. Stellt der Islam das geistige Fundament innerhalb der Kultur der Minangkabau dar, so werden die matriarchalen Bräuche des Adat mit der Naturphilosophie gerechtfertigt. Das Nähren und die Fürsorge werden hierbei als wichtigster Pfeiler des Naturkreislaufes betrachtet. Wie die Samen in der Erde, so müssen auch die Kinder genährt werden, damit sie groß und stark werden. In diese Tradition ist auch das matrilineare Erbrecht einzuordnen, mit dem etwa festgelegt wird, dass Männer nach der Hochzeit in das Heim der Ehefrau ziehen. So wird Mutter und Kind im Falle einer Scheidung ein sicheres Obdach garantiert.

Sowohl Männern als auch Frauen wird das Recht auf Scheidung zugestanden. Wenn sich eine Frau von ihrem Mann trennen will, stellt sie seine Schuhe vor die Tür. Verlassen Männer ihre Ehefrauen, kehren sie entweder zu ihren Familien zurück und warten, bis beide Familien zusammenkommen und eine Lösung für die Probleme des Paares finden – oder fangen ein neues Leben in anderen Teilen von Sumatra an. Bei einer endgültigen Trennung ist es beiden Geschlechtern erlaubt, eine neue Ehe einzugehen. Einige der älteren Frauen, die ich getroffen habe, waren bis zu fünfmal verheiratet.

Man könnte die Kultur der Minangkabau zwar als ein weibliches Herrschaftssystem auslegen, aber der Begriff „Matriarchat“, der in Anlehnung an Patriarchat eine von Frauen dominierte Gesellschaft meint, trifft auf die Minangkabau nicht wirklich zu. Ihre Kultur gründet auf einem ausgewogenen Gemeinschaftssystem, bei dem Männer und Frauen die Aufgaben, bis auf ein paar wenige Ausnahmen untereinander aufteilen. So wird das Zubereiten der Mahlzeiten ausschließlich von den Frauen übernommen, für das Säen und Pflügen hingegen sind die Männer  verantwortlich. Stehen wichtige Entscheidungen an, so werden diese von den männlichen Stammesoberhäuptern getroffen, nachdem man sich mit den Frauen beraten hat.

Daher schlage ich vor, die Definition des Begriffes „Matriarchat“ zu überdenken. Denn es hat noch niemals in der gesamten Geschichte der Menschheit eine Gesellschaft gegeben, in der Frauen nach männlichen Dominanzmustern geherrscht hätten. Wie das Beispiel der Minanagkabau zeigt, ist ein Matriarchat vielmehr eine Kultur, die auf Prinzipien und Werte der Mütterlichkeit baut und nicht auf Herrschaft. (Aus dem Englischen von Evi Chantzi, http://cms.ifa.de/pub/kulturaustausch/archiv/kulturaustausch-2007/frauen-wie-gehts/muetter-und-muezzine/)

Text zum Film: ›Matriarchat auf Sumatra‹:
»Die Minankabau auf Sumatra sind die größte noch existierende matrilineare Ethnie weltweit. In dieser Kultur werden Ämter, Privilegien und Güter in der weiblichen Linie der Familie vererbt. Robert Hetkämper dufte mit seinem Kamerateam an einer der prachtvollen Hochzeiten dieser Kultur teilnehmen. Die Minankabau sind seit jahrhunderten gläubige Moslems, trotzdem dominieren hier die Frauen. Eigentlich ein Widerspruch in sich, doch das ist ihnen egal. Der Mann bleibt Gast im Haus der Braut, nicht nur bei der prunkvollen Hochzeit, sondern sein Leben lang.
So traditionell die Hochzeit und die Mütterkultur ist, so modern leben die jungen Menschen danach. Nur wenige sind auf dem Land geblieben. Die meisten jungen Menschen ziehen in die Städte, telefonieren mit Smartphones und hören Popmusik. Dennoch legen vor allem die jungen Frauen Wert auf ihre alten Bräuche. Und so wird das Grundgerüst der Kultur wohl erhalten bleiben, wenn auch in einer etwas veränderten Form.«

Wer sich für die Minankabau und andere Matriarchate Asiens ausführlicher interessiert, dem sei die hervorragende Arbeit von Heide Göttner-Abendroth ›Das Matriarchat II.1, Stammesgesellschaften in Ostasien, Indonesien, Ozeanien‹ 1991 empfohlen.

http://www.doriswolf.com/wp/das-matriarchat-in-west-sumatra/

Diese Welt der Minangkabau war eine matriarchale und ist es bis in die jüngste Geschichte hinein geblieben.

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Die Welt der Minangkabau | Drucken |  E-Mail
„Alam Minangkabau“, die Welt der Minangkabau auf Sumatra, ist die ursprüngliche soziale Verfassung aller Malaien. Diese Welt war eine matriarchale und ist es bei den Minangkabau bis in die jüngste Geschichte hinein geblieben.Dayak, BorneoDie Minangkabau spiegeln mit ihrem „Adat“, dem matriarchalen Stammesgesetz, nicht nur eine uralte, früher allgemeine Sozialordnung, sondern sie sind heute noch das größte bekannte matriarchale Volk.

Gegenwärtig sind auch die Minangkabau – wie die anderen matriarchalen Gesellschaften – in einer schwierigen Lage, denn sie waren jahrhundertlangen, sich verstärkenden patriarchalen Tendenzen ausgeliefert. Aber sie setzen ihnen einen einzigartigen Widerstandswillen entgegen, einen verblüffenden Erfindungsgeist, diese patriarchalen Tendenzen zu unterlaufen. Dabei sind sie keineswegs zu einer defensiven Rückzugsgesellschaft geworden, sondern gehören zu einer durch Handelsaktivitäten sich friedlich ausbreitenden Gesellschaft.

Und das tun sie im vollen Bewusstsein, dass sie eine sehr besondere Sozialform haben, nämlich ein „Matriarchat“, wie sie mit Stolz auf ihre Identität als Minangkabau selber sagen!

In früher geschichtlicher Zeit besiedelten austronesische Völker, von Südchina kommend, den gesamten indo-malayischen Archipel. Zu ihm gehören die langgestreckte malayische Halbinsel und die großen Inseln Sumatra, Java, Borneo, Celebes (Sulawesi), die Philippinen und die vielen kleineren Inseln. Doch die austronesischen Völker siedelten nicht nur hier, sondern auch in Melanesien, Polynesien, verstreut über den ganzen Pazifik, wie die Archäologie nachweist. (vgl. Karte).

austronesische_voelker

Wir wissen, dass sie von Südchina eine matriarchale Sozialordnung mitbrachten, die sie über diesen großen Raum verbreiteten. So sind bis heute nicht nur die Minangkabau in dieser Region noch matriarchal, sondern auch die Chams in Vietnam und die Negri Sembilan auf der malaiischen Halbinsel.

Die Stellung der Frau

Ältere Forschungen berichten, dass die Frau allgemein in Indonesien hohe Achtung genießt: So nimmt sie auf Ceram (Alfurs) an allen öffentlichen Angelegenheiten teil, auf Celebes (Minahassa) wird sie in politischen Geschäften um Rat gefragt und ist in allen öffentlichen Ämtern vertreten, worin sie oft höhere Autorität hat als die Männer.

Bei den Dayak auf Borneo, ur-malaiischen Stämmen, sind die Frauen unumschränkte Herrinnen im Haus und oft auch im Stamm, und sie begleiten ihre Männer bei Kämpfen, übernehmen nicht selten die militärische Verteidigung selbst.

langhaus_borneo.jpgBei den Kenyah-Dayak liegt die gesamte Kontrolle über die Ackerbautätigkeiten und -güter in den Händen der Frauen. In der Politik fällen sie die aktuellen, real-politischen Entscheidungen in ihren Langhäusern, während die Männer beim Dorfrat in ihrem Auftrag die formal-politischen Rederituale ausführen. Diese haben den Charakter von Schaustellungen, bei denen man sich von vornherein einig ist.

Auch matrilokale Ehe kommt noch häufig vor. Diese typischerweise bei den älteren Völkern zugrundeliegende matriarchale Sozialverfassung wurde überlagert durch jahrhundertlangen hinduistischen, dann christlichen, dann islamischen Einfluss, der den Typ der patriarchalen Familie hervorgebracht hat.

Ähnlich kompliziert ist die Situation bei den Minangkabau auf Sumatra, obwohl sie das ur-malaiische „Adat“, das matriarchale Stammesgesetz, am klarsten bis in die Gegenwart bewahrt haben.

Das „Adat“ gilt

  • im „Darek“, im Herzland der Minangkabau im fruchtbaren Hügelland von Padang im Westen Sumatras, wo drei Millionen von ihnen vom Reisanbau auf terrassierten Nassfeldern leben.
  • im „Rantau“, im Grenzland des Kerngebietes, wo noch einmal ca. drei Millionen Minangkabau leben und das sowohl Ostsumatra wie alle größeren Städte der Insel und die großen Städte ganz Indonesiens umfasst.

Dort sind sie als HändlerInnen, Kaufleute, in der Administration, der Wirtschaft, der Politik, der Kultur tätig – es gibt keinen modernen Beruf, den sie im „Rantau“ nicht ergriffen hätten.

Sie gelten in Indonesien als ein Volk von hoher Bildung, Kultur, Weltoffenheit und großer Wirtschaftskraft.

Im „Rantau“ war der Anpassungsdruck an patriarchale Lebensweisen größer und hat eine sehr gemischte Situation hervorgebracht. Aber noch immer beziehen diese Aussiedler und Auswanderer ihre Identität und ihren Stolz als Minangkabau aus der Lebendigkeit des „Adat“ im Herzland, an dem sie – zumindest im Bewusstsein – festhalten und das sie häufig wirtschaftlich unterstützen.

„Darek“ und „Rantau“ sind also keine Gegensätze, sondern bringen sich wechselweise erhebliche Vorteile. Und diese beiden Pole des Lebens der Minangkabau existieren schon lange und sind ein wesentlicher Grund für die Anpassungsfähigkeit und Lebendigkeit des matriarchalen „Adat“ bis in die Gegenwart.

Im „Darek“ ist das „Adat“ fest verankert. In diesem Kerngebiet der Minangkabau leben matriarchale Sippen mit strikter Matrilinearität (Verwandtschaft in der Mutterlinie), Matrilokalität (Wohnsitz bei der Mutter) und der „Besuchsehe“ auf Seiten der Männer, die zwischen dem Haus ihrer Mutter, wo sie heimisch sind, und dem ihrer Gattinnen, wo sie Gäste sind, hin- und hergehen.

Rumah Adat - Versammlungshaus„Paruik“ („ein Mutterschoß“) heißt dabei die Hausgemeinschaft, die mit 40, 60 oder s ogar 80 Personen aus drei Frauengenerationen und den assoziierten jüngeren Brüdern und Söhnen in einem Mutterhaus zusammenlebt.

Sie ist die wichtigste, funktionale Einheit und agiert unter dem informellen, aber um so bestimmenderen Vorsitz der „Induah“, der clanältesten Frau.
Bei der „Induah“ laufen nicht nur die Verwandtschaftslinien der „Paruik“ zusammen, sondern auch alle inhaltlichen Entscheidungsfindungsprozesse, die im Sippenhaus ablaufen – sie ist mit ihrer natürlichen Autorität das Zünglein an der Waage.

Das „Rumah Adat“, das große Sippenhaus , eignet sich für diese Art von basisdemokratischen Redeversammlungen: Es ist nicht nur außen prächtig geschnitzt und mit mehrfach gehörnten, pagodenartigen Dächern versehen, sondern bietet auch innen eine geräumige Halle zum Reden, Speisen und Feiern.

rumah_adatDas „Rumah Adat“ gehört den Frauen der Sippe, genauso wie das Sippenland, das nicht verkauft werden darf, sondern in weiblicher Linie vererbt wird. Auch alles durch Handel erworbene Eigentum von Frauen und Männern wird in den Besitz der Sippe, deren Verwalterin die „Induah“ ist, eingegliedert. Kein Wunder, dass das Wort der „Induah“, knapp und klar ausgesprochen, das entscheidende in der Versammlung ist!

Die nächstgrößere soziale Einheit ist „Payung“ (oder „Kampueng“), die mehrere verwandte Häuser in einer Dorfgemeinschaft bezeichnet. Zwischen ihnen ist der „Panghulu“, ein Bruder der „Induah“, die nach außen verbindende und vermittelnde Person. Er wird aus der Gruppe der Mutterbrüder, der „Mamak“, die für ihre Nichten und Neffen die Rolle der sozialen Väter spielen, gewählt.

Sein Betragen muss sanft und freundlich, duldsam, tolerant und würdevoll sein, er muss wirken wie „eine gute Mutter“, nur so kann er als formeller Vorstand die „Payung“- Häuser im Dorf verbinden und die Sippe nach außen vertreten.

Dabei hat er keine Entscheidungsbefugnis, denn Entscheidungen werden im Sippenhaus gefällt. Er darf die Entscheidungen als Delegierter vermitteln, und das tut er wortreich, umwunden, vorsichtig und Konfrontationen, besonders denen mit Frauen, ausweichend.
Dennoch zählt es zur höchsten Würde eines Mannes, Panghulu zu werden, denn seine Würde ist es, nicht sich und seine Privatinteressen zu vertreten, sondern die Sippe seiner Mutter und Schwestern.

Die größte soziale Einheit des „Adat“ ist „Suku“, die Sippe, die mehrere Linien umfasst und sich – zumindest bei den größeren Sippen – über mehrere Dörfer und Gegenden verteilen kann. Alle Linien einer „Suku“ führen sich auf eine gemeinsame Ahnfrau zurück.
Jede Dorfgemeinschaft („Payung/Kampueng“) bestand ursprünglich aus den vier alten, originalen Sippen („Suku“) der Minangkabau, nämlich den Koto, Piliang, Bodi und Tjaniago. Diese Namen sind noch heute am weitesten verbreitet und am angesehensten, denn von diesen vier Sippen stammen fast alle Minangkabau ab. Ihre Stammmütter haben das „Adat“ geschaffen.

Besuchs-Ehe und Crosscousin Marriage

Dabei zeigt sich noch eine weitere, interessante Besonderheit: Diese vier Sippen sind stets je zwei und zwei einander zugeordnet, nämlich die Koto-Piliang und die Bodi-Tjaniago, in denen wir paarweise Heiratssippen sehen dürfen. Mit ihnen besaßen die ältesten Dörfer der Minangkabau um den Vulkanberg Merapi eine strikte Vierteilung, wobei diese vier Teile oder Sippen durch die traditionell ausschließliche Kreuz-Basen-Vettern-Heirat („crosscousin-marriage“) wieder miteinander verbunden wurden.

Sippenhaus

Sippenhaus

Wenn z. B. im Sippenhaus A die Koto wohnen und im Sippenhaus B die Piliang, dann wandern die jungen Männer der Piliang, die untereinander leibliche oder kollaterale Brüder sind, als Gatten zu den jungen Frauen der Koto, die untereinander leibliche oder kollaterale Schwestern sind. Und vice versa für die jungen Männer der Koto, die zu den jungen Frauen der Piliang in „Besuchs-Ehe“ wandern. Dasselbe gilt für die beiden als Heiratssippen einander zugeordneten Bodi und Tjaniago.

Hier stoßen wir wieder auf die alte, matriarchale Schwestern-Brüder-Wechselheirat zwischen zwei Sippen, wofür die Überreste der Kreuz-Basen-Vettern-Heirat, wo immer sie vorkommen, ein Indiz sind.
Denn bei diesem Heiratssystem sind z. B. die jungen Frauen der Koto stets zugleich die leiblichen Töchter der Mütterbrüder oder Onkel („Mamak“) der jungen Männer der Piliang, also ihre Cousinen ersten Grades (in unseren Verwandtschaftsbegriffen gesprochen).

Schon in der Generation vor ihnen waren ja die Mütterbrüder der jungen Piliang-Männer ebenfalls die Gatten der Koto-Frauen der älteren Generation in Haus A gewesen. Und so geht es weiter in jeder Generation, so dass ein junger Mann stets mit seiner Cousine ersten Grades im gegenüberliegenden Sippenhaus vermählt wird. Sie im Haus A ist immer die leibliche Tochter des Mutterbruders von Haus B, er im Haus B ist stets der leibliche Sohn des Mutterbruders von Haus A.

Das gilt als die ideale Heirat, aber nicht wegen der Verwandtschaft, sondern wegen des Dauerbündnisses zwischen zwei Sippen. Es ist der reguläre „Männertausch“ zwischen je zwei matriarchalen Sippenhäusern, wobei die „Mamak“, die Onkel mütterlicherseits oder Mutterbrüder, offiziell ihre Neffen dem jeweils zugeordneten Sippenhaus als Gatten zuführen.

Dass dieses Heiratssystem ehemals eine Gruppenehe war- was heute mit Paarungsehe auf Sippenhintergrund bei den Minangkabau nicht mehr der Fall ist -, darauf weisen die noch üblichen sog. „Levirate“ und „Sororate“ hin. Es ist klar, dass nur auf dem Boden der dauernden Wechselheirat zwischen zwei Sippen die ausschließliche Kreuz-Basen-VetternHeirat überhaupt entstehen konnte. Sie ist die logische und genealogische Folge davon. Gleichzeitig mit dieser „idealen“ Heirat taucht stets das Verbot der „unerwünschten“ Heirat zwischen Parallel-Cousins auf, also zwischen der Tochter einer Mutter und dem Sohn der Mutterschwester. Denn diese beiden jungen Leute wohnen im selben Sippenhaus, in welchem die Mitglieder der weiblichen Familie zusammenleben. Eine solche Verbindung würde die Regel der Wechselheirat zwischen zwei Sippen brechen, da hier innerhalb desselben Hauses geheiratet würde. Das darf nicht sein: Einzelne Sippenhäuser sind strikt exogam, zwei einander zugeordnete Sippenhäuser hingegen strikt endogam.

Das hat nichts mit dem von Ethnologen viel zitierten und falsch verstandenen „Inzest-Tabu“ zu tun. Denn die beiden in generationenlanger Wechselheirat einander zugeordneten Sippen befinden sich bereits in engster Inheirat, was zeigt, dass diese Völker gar keinen Begriff von „Inzest“ hatten.

Es geht vielmehr um das beständige Knüpfen eines sozialen Netzes, denn die in diesem Arrangement befindlichen Häuser stehen in einem gegenseitigen Verpflichtungsbund oder Hilfssystem. Die Heiratsregeln dienen dazu, dieses Netz der Wechselseitigkeit zu weben.

Weil sie die vier Teile eines Dorfes miteinander verknüpfen sollen, darum und nur darum dürfen sie nicht innerhalb eines einzelnen Hauses angewandt werden.

Wirft diese enge Inheirat nicht doch die Frage nach körperlicher und geistiger Degeneration auf?

Hier von vornherein Probleme zu sehen, hat etwas mit patriarchalen und christlichen Vorurteilen zu tun, denn Fachstudien zum Thema weisen nach, dass erbliche Defekte nicht von der Inheirat allein abhängen, sondern von defekter genetischer Struktur, verbunden mit Inheirat.

Engste Inheirat war und ist bei allen Stammesgesellschaften die Regel, sie haben Jahrtausende mit generationenlanger Inheirat körperlich und geistig gesund gelebt.

Das zeigt, dass Inheirat bei nichtdefekter genetischer Struktur kein Problem, sondern sogar ein Vorteil ist. Dieser muss den matriarchalen Frauen bewusst gewesen sein, denn sie pflegten ihn mit ihren Spielregeln. Sollten bei Stammesgesellschaften mit enger Inheirat dagegen genetische Defekte vorgekommen sein, so dürften diese Gesellschaften wohl binnen weniger Generationen ausgestorben sein, und wir wissen nichts mehr von ihnen. Bei denen, die nach dem Gesetz der natürlichen Auslese weiterlebten – und nur mit diesen haben wir es hier zu tun – war kein solcher Mangel vorhanden, und sie erfreuen sich mit ihrer Kreuz-Basen-Vettern-Inheirat zwischen je zwei Sippen bester Gesundheit und Schönheit.

„Darek“ und „Rantau“: zwei Seiten, das Patriarchat zu verhindern

Ursprünglich lebten die Minangkabau in dieser sich in ihren Dörfern spiegelnden viergeteilten Welt, bestehend aus Koto-Piliang und Bodi-Tjaniago. Beim langsamen Anwachsen der Sippen wurden die Sippenhäuser durch Anbau von einzelnen Abteilungen vergrößert, oder es wurde ein neues Sippenhaus als Gemeinschaftswerk für eine bestimmte heiratende Frau gebaut.

Farmhaus: Bukittinggi Wuchs die Bevölkerung in einem Dorf so sehr an, dass das Ackerland nicht mehr ausreichte, kam es schon immer in der Geschichte der Minangkabau zu „Rantau“ (Aussiedlung). Bei diesem ältesten Typus von „Rantau“ teilte sich ein Dorf, Tochtersippen trennten sich von ihren Muttersippen und gründeten eine neue Siedlung, wieder auf der Grundlage von Koto-Piliang und Bodi-Tjaniago.
Die Auswanderungsbewegung ging dabei entlang den Wasserläufen, denn „Rantau“ bedeutet „Flussufer“, „Küstenlinie“ und „Übersee“.

Diese idealtypischen Verhältnisse, die sich durch viele Indizien für die Geschichte der Minangkabau noch feststellen lassen, haben sich im Verlauf ihrer jüngeren Geschichte unter dem Druck von fremden Ansprüchen verändert – nicht aber das „Adat“ und nicht „Nagari“, das Dorf als politisch selbstbestimmte, kleinere oder größere Dorf-Republik. Die individuell sehr verschiedenen „Nagari“ haben sich dennoch erfolgreich gegen Zentralisierungsversuche gewehrt, die von patriarchalen Kulturen gegen sie ausgeübt wurden. Die Macht des „Adat“ konnte nicht gebrochen werden, denn alles Ackerland eines „Nagari“ ist Sippeneigentum, unverkäufliches „Harta Pusaka“, das die Stammmütter den blutsverwandten Frauen eines Sippenhauses hinterlassen haben.

Männer besitzen dagegen keinerlei Land als Sippenerbe sie verkaufen auch nicht die Früchte der Ackerarbeit: Der Handel mit landwirtschaftlichen und häuslichen Produkten liegt ganz in der Hand der Frauen, die sich vollkommen selbst versorgen können. Das ist die wirtschaftliche Basis des „Adat“ und des Dorfes.

Daran scheiterte zuerst der Zentralisierungsversuch eines Königshauses, das nach hinduistisch-patriarchalem Vorbild von Java aus über die Minangkabau errichtet wurde. Die unabhängigen Dorf-Republiken akzeptierten keinerlei Einfluss des Königs in ihren Angelegenheiten. Der König konnte auch keine Armee mittels Steuern aufbauen, um Einfluss zu erzwingen, denn die Frauen hielten an ihrem Sippenbesitz fest – nichts war davon zu haben. So blieb dieses Königshaus eine formale Autorität, dem die Minangkabau höflich formale Ehre erwiesen.

Schwieriger wurde die Situation der Frauen während der „Padri-Kriege“, in denen der Islam mit Feuer und Schwert unter den Minangkabau verbreitet wurde. Jedes Dorf musste jetzt – anstelle des Männerhauses, wohin die jungen Männer aus den Mutterhäusern zu ziehen pflegten – eine Moschee haben, die als Koranschule für Männer eingerichtet wurde, wo ihnen neue patriarchale Prinzipien gepredigt wurden.

Aber den Koranlehrern standen im Dorf die „Panghulu“ gegenüber, die würdevollen Vertreter der matriarchalen Sippen, Spezialisten in der Lehre des „Adat“ und Wächter über die Einhaltung seiner Regeln. Sie opponierten als der alte, angestammte Dorfrat gegen die neuen Koranlehrer, bis ein Kompromiss gefunden war. Dieser lautete, dass „Adat auf Islam basiert und Islam auf Adat“ (Sprichwort der Minangkabau), was den Islam in den Grenzen einer äußerlich akzeptierten Religion hielt. Denn konsequent blieben die Frauen in ihren Sippenhäusern zusammen und bestimmten ihre Angelegenheiten selbst. Kein „Panghulu“ konnte nach außen Ansichten vertreten, welche die Frauen nicht erfahren und jederzeit korrigieren konnten.

Die „Padri-Kriege“ wurden durch das Eingreifen der Holländer beendet, die es auf das Land der Minangkabau abgesehen hatten. Diese aber spielten geschickt holländische gegen islamische Ansprüche aus und besetzten Land, das die Holländer zu Plantagen machen wollten, mit Gärten, so dass es Minangkabau-Sippenland wurde.
Die Taktik war erfolgreich, denn die Holländer fürchteten einen Aufstand, wenn sie Sippenland antasteten. So bauten sie Plantagen im „Rantau“, im Grenzland, während im „Darek“, dem Kernland, die Kapitalisierung der Landwirtschaft fehlschlug. Am stärksten veränderten sich die Verhältnisse im „Rantau“ durch die nachfolgende Geldwirtschaft und Industrialisierung im Zuge westlicher Einflüsse in den Städten Sumatras. Doch auch jetzt wurden von den Frauen und ihren „Panghulu“ Lösungen gefunden, wie diese Modernisierungen das „Adat“ im Herzland eher stärken als schwächen.

Viele der Auswanderer kehren als Pendler zu den Sippen heim und legen ihren Verdienst im Mutterhaus nieder. Gerade in der Fremde der Städte ist es für sie wichtig, aus einem blühenden „Darek“ ihre Identität als Minangkabau zu beziehen. Oder sie finanzieren Einfamilienhäuser, die auf dem Sippenland der Frau gebaut werden und ihr gehören, auch im Scheidungsfalle (Uxorilokalität).

Sogar in den Städten, wohin sie gelegentlich aus Gründen der Ausbildung ziehen, besitzen Minangkabau-Frauen mit Hilfe der Sippe oft ihre eigenen Häuser. Ferner schreiben die Erbregeln vor, dass das Privateigentum („Harta pencarian“), das sich ein Mann im „Rantau“ erwerben kann, für eine Generation als ein Geschenk an seine Kinder geht und danach ins Eigentum seiner mütterlichen Sippe, also wieder in die Hände der Frauen seines Clans, zurückkehrt.

Solche Regeln einer klugen Organisation der matriarchalen Clans, um „neumodische“ patriarchale Tendenzen abzufangen, sind in der Tat einzigartig und zeigen die hohe Bewusstheit, mit welcher die Minangkabau an ihrem matriarchalen Stammesgesetz festhalten.

Die besondere Situation des „Rantau“ trägt offenbar in zweierlei Weise dazu bei:

  • erstens durch die Auswanderung bei gleichzeitiger ideeller und finanzieller Rückbindung der überzähligen Männer,
  • zweitens durch die Kenntnisse, die im „Rantau“ über die jeweils neuen Patriarchalisierungsprozesse von den Minangkabau erworben wurden.

Sie trugen sie ins „Darek“, wo die Frauen und ihre „Panghulu“ rechtzeitig die entsprechende Gegenstrategie entwickeln konnten, bevor sie von diesen Prozessen überrumpelt wurden.

Das Beispiel der Minangkabau zeigt, dass wir niemals von einer patriarchalen Bedrohung oder sogar einem Bündel davon automatisch auf die Umwälzung einer matriarchalen Gesellschaft in eine patriarchale schließen dürfen.

Eine so tiefgreifende Veränderung ist kein mechanischer Ablauf, denn das Bewusstsein und die Wertschätzung, welche die Menschen von ihrer eigenen Gesellschaftsordnung haben, kann die Entwicklung auch anders bestimmen.

So sehen wir hier eine erstaunliche Flexibilität des „Adat“, ein Matriarchat, das keine Rückzugsgesellschaft ist, sondern sich unter den aufeinanderfolgenden patriarchalen Herausforderungen wie patriarchales Königtum, patriarchale Missionierung, Kolonialisierung, Industrialisierung weiterentwickelt.

„Das Adat verwittert nicht im Regen und bekommt im Sonnenschein keine Risse!“

sagen die Minangkabau selber dazu. (Hannelore Vonier)

http://matriarchat.info/asien/die-welt-der-minangkabau.html?t=1&cn=ZmxleGlibGVfcmVjcw%3D%3D&refsrc=email&iid=03e698e64a2a4f20aa667ba8cc6ad6c5&uid=391883722&nid=244+272699400

 

Pille schmälert Lust und macht Fische krank

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Tobias Tscherrig / 06. Okt 2017 – Beim Sex hat die Verhütungspille grosse Vorteile. Daneben existieren gesundheitliche Risiken und eine Belastung der Gewässer.

Die Nachteile der Pille für Frauen und die Umwelt sind seit Langem bekannt, doch informiert wird wenig darüber. In ihrem Buch «J’arrête la pilule» hat die unabhängige französische Journalistin Sabrina Debusquat die Literatur gesichtet, Expertinnen und Experten sowie 3616 Frauen befragt. In ihrem Werk streicht die Autorin vor allem die schlimmen, manchmal sogar tödlichen Nebeneffekte der Pille hervor, untersucht die Auswirkungen auf die Umwelt und spricht die Interessenkonflikte und Einseitigkeit der Studien an, mit welchen die hormonelle Empfängnisverhütung gefördert wird.

«Unabhängige Wissenschaftler sind nicht optimistisch»

Debusquat setzte vor drei Jahren die Pille ab und dokumentierte ihre Entscheidung und die Folgen davon in ihrem Blog. Ihre Beiträge seien von unzähligen Frauen kommentiert worden: Frauen, die sich Fragen über die Pille gestellt hätten, aber von ihren Ärzten keine Antworten erhielten, sagt Debusquat in der Online-Publikation «reporterre». Zwischen den Erfahrungen der Frauen und der medizinisch-wissenschaftlichen Debatte gebe es eine Diskrepanz, sagt Debusquat. Dieser Umstand sei ihre Hauptmotivation beim Schreiben gewesen.

Bei ihren Recherchen stiess die Autorin auf Studien, die etwa in den 1960er-Jahren durchgeführt wurden und die noch immer als Basis für wissenschaftliche und logische Erklärungen für die Probleme mit der Pille herangezogen würden. «Es existiert ein Tabu, das dazu führt, dass Frauen nicht informiert und alleine gelassen werden», sagt Debusquat gegenüber «reporterre». Wenn man die Studien von interessengebundenen Autoren ausklammere und nur unabhängige Wissenschaftler zur hormonellen Verhütung befrage, sehe die gesamte Diskussion über synthetische Hormone plötzlich viel weniger optimistisch aus, erklärt Debusquat.

«Mittel der Eugenik»

In ihrem Buch erklärt die Autorin unter anderem, die Pille sei «auf der Basis einer frauenfeindlichen Idee» entstanden. Dies zeige ihre Geschichte. So habe Margaret Sanger, welche die Pille entwickeln wollte, nicht mit feministischen Argumenten zu überzeugen vermocht. Vielmehr seien es «eugenische Ideen» gewesen, welche die Entwicklung der Pille finanziert hätten. «Die Forscher haben bei der Entwicklung nicht auf die Frauen gehört, die die ersten Pillen getestet hatten», so Debusquat. «Aus diesem Grund sind zahlreiche Nebeneffekte entstanden.»

Darüber hinaus hätten die damaligen Pillenforscher geglaubt, die oberste soziale Klasse habe bereits die Kontrolle über ihre Empfängnishütung erreicht. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges habe die herrschende Schicht aber Angst vor «Horden von armen Menschen» gehabt, die sich massenweise reproduzieren und sie dann zahlenmässig dominieren könnte. «Die Pille wurde für Frauen entwickelt, die als beschränkt eingestuft wurden. Man wollte nicht, dass sie sich vermehren», so Debusquant. Aus diesem Grund sei es ein Märchen zu sagen, die Pille sei im Namen des Feminismus entwickelt worden.

«Erwiesenermassen krebserregend»

Wie Debusquat erklärt, konsumieren in Europa 90 Prozent der Frauen die Form der Pille, welche sich aus den Hormonen Östrogen und Progesteron zusammensetzt. Das Internationale Zentrum für Krebsforschung klassifiziere diese Pille als «erwiesenermassen krebserregend für die Brust, die Leber, die Gallenwege und den Gebärmutterhals.» Neben den damit einhergehenden Gesundheitsrisiken bringe die Pille auch harmlosere Nebeneffekte mit sich: Verlust der Libido, Gewichtszunahme, Depressionen, Migräne, um nur einige zu nennen. Um diese Nebeneffekte mit Zahlen zu unterlegen, führte Debusquat eine Umfrage mit 3616 Frauen durch. 70 Prozent der Befragten hätten angegeben, bei ihnen seien unerwünschte Nebenwirkungen aufgetreten. 46 Prozent dieser Frauen klagten über den Verlust der Libido. Zu diesen Nebenwirkungen gebe es aber noch immer zu wenig wissenschaftliche Erkenntnisse, so Debusquat. Beim Verlust der sexuellen Lust, der Migräne und bei der Schwächung des Immunsystems sei der Zusammenhang zur Pille aber belegt.

«Risiken, die wir noch gar nicht messen können»

Ausserdem sei die Pille als «endokrinologischer Störfaktor» konzipiert worden. Die Hormone der Pille seien tausendmal stärker als etwa die chemische Verbindung Bisphenol A, welche in Frankreich zum Beispiel bei der Herstellung von Babytrinkflaschen verwendet und dann im Frühjahr 2010 für diese Anwendung verboten wurde. Die EU hat die Chemikalie im Jahr 2016 wegen ihrer Auswirkungen auf den Hormonhaushalt von der Gefahrenstufe zwei auf die Stufe 1b gesetzt, womit die Chemikalie zum «besonders besorgniserregenden Stoff» deklariert wurde. In der Schweiz dagegen ortet das Bundesamt für Gesundheit bei der Einnahme der Chemikalie durch Lebensmittel «kein Gesundheitsrisiko».

Eine weitere Gefahr der Pille sieht Debusquat im sogenannten «Cocktail-Effekt»: Wie alle endokrinologischen Störfaktoren könnten sich bestimmte Wirkstoffe der Pille mit über 150’000 chemischen Substanzen verbinden – so entstünden Moleküle, deren Wirkung zwischen 50- und hundertmal stärker als beabsichtigt sei. «Das sind Risiken, die wir aktuell noch gar nicht richtig messen können», so Debusquat im «reporterre».

Dass die Pille trotz aller negativen Auswirkungen noch immer populär sei, führt Debusquat unter anderem auf die positive Grundstimmung gegenüber der Pille zurück. Eine Ideologie umhülle das Empfängnisverhütungsmittel und ersticke jegliche Kritik im Keim. Ausserdem existiere eine Industrie, die mit der Pille gutes Geld verdiene. Weiter gebe es kaum Wissenschaftler, die Zeit hätten, die – oftmals von der Industrie finanzierten Studien – zu analysieren.

«Fische wechseln das Geschlecht»

Die Pille, deren Wirkstoffe über den Urin in die Umgebung geraten, habe auch negative Auswirkungen auf die Natur. So fanden kanadische Forscher in einem See eine kleine Menge an Wirkstoffen des hormonellen Verhütungsmittels. Sie begannen, die Fische im See zu beobachten: Nach drei Jahren hatten die Wirkstoffe alle männlichen Fische in Weibchen verwandelt. Die Geschlechterumwandlung, die verminderte Fruchtbarkeit und die Störung der sexuellen Triebe der Fische kann auch bei Säugetieren beobachtet werden.

Im Jahr 2013 präsentierten zwei Forscher in einem Bericht für die Europäische Umweltagentur die Auswirkungen von Pillen-Wirkstoffen im Wasser. Sie stellten einen Zusammenhang zwischen der Feminisierung der Fische und einer Zunahme der Probleme von männlicher Fruchtbarkeit sowie von angeborenen Fehlbildungen bei männlichen Kleinkindern her. Die Wissenschaftler warnten, die Warnungen verpufften im Wind. Verschiedene Forschungen zeigen, dass der Wirkstoff Ethinylestradiol alle Gewässer, inklusive des Trinkwassers, belastet. Im Jahr 2016 befanden sich die Techniken, um Belastung der Gewässer zu eliminieren, erst in einer experimentellen Phase.

Trotz der aufgeführten negativen Auswirkungen und Risiken auf Mensch und Umwelt, sagt Debusquat in ihrem Buch nicht, man müsse mit der Pille aufhören. «Jede Frau muss ihren Weg der Verhütung selber wählen», so die Autorin. Bei diesem Entscheid müssten aber alle Fakten berücksichtigt werden. So gebe es in der westlichen Welt seit Anfang 2000 immer mehr Frauen, die auf die Pille als Verhütungsmittel verzichten würden.

Anmerkung: Wäre es nicht angebracht, den Sexualtrieb der Männer zu zähmen, anstatt die testosterongesteuerten Aktivitäten zu fördern auf Kosten der Frauen, der Umwelt und der Natur!

Matriarchatsleugnung

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Ohne, dass dies ausgesprochen wird, gibt es bei gewissen Leuten eine unterschwellige Angst vor der Wiederkehr des Matriarchats.
Das ist z.B. daran zu sehen, dass viele genau an dieser Frage mit dem Denken aufhören, ja sich direkt weigern, etwas anderes als eine patriarchale Gesellschaftsform überhaupt in Betracht zu ziehen.

Bei manchen ist diese Angst so stark ausgeprägt, dass man von „Matriarchatsleugnung“ sprechen kann, analog zur „Holocaustleugnung“.

Die Argumentationsmuster sind die Gleichen:

Hauptargument der Matriarchatsleugnung ist die Behauptung, es gäbe keine Beweise für matriarchale Gesellschaften. „Wir wissen zu wenig“ – „Hat es nie gegeben“ – „Es fehlen schriftliche Zeugnisse“ u.ä.

Das Argument knüpft an die Tatsache an, dass tatsächlich nur wenige Leute mit den Fakten vertraut sind, weil sie

  • in öffentlichen Bildungseinrichtungen nicht gelehrt werden (weder in Schulen noch an Universitäten)
  • in den Medien verfälscht oder gar nicht behandelt werden
  • bei (Reise-)Begegnungen mit matriarchalen Völkern nicht erkannt werden, wenn man nicht weiß, worauf man achten muss
  • in der (älteren) Fachliteratur häufig nicht als „matriarchal“ bezeichnet sind

Eine weitere Behauptung beruht auf der eigenen Erfahrung im patriarchalen System, das für die Leugner die Norm darstellt. „Es gibt keine perfekte Gesellschaft“, „eine menschliche Gesellschaft ohne Mord und Diebstahl kann es nicht geben“.

Das Argument, Menschen seien von Natur aus herrschsüchtig, gewalttätig, auf ihren Vorteil bedacht, usw., überträgt anerzogenes Sozialverhalten auf die menschliche Biologie. Hier wird die „Natur“ mit der „sozialen Prägung“ gleichgesetzt, als würde ein Kind im luftleeren Raum und nicht unter dem Einfluss anderer Menschen aufwachsen.
Dies ist eine typisch patriarchale Taktik, mit der alles erklärt bzw. alles widerlegt werden kann.

Um zu verhindern, dass die Behauptungen der Matriarchatsleugner unwidersprochen bleiben, ist es wichtig, den Begriff Matriarchat mit fehlerfreien und unmissverständlichen Inhalten zu füllen und korrekt zu verwenden.

Es schadet auch nicht, zu wissen, woher der Begriff Patriarchat kommt.

(Hannelore Vonier)

http://matriarchat.info/grundlagen/matriarchatsleugnung.html