Das patriarchale Familien-Ideal und dessen sozio-ökonomische Unverträglichkeit

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Die Ehe als normative Keimzelle der Gesellschaft kann ihrem Anspruch nicht gerecht werden, da sie überfordert ist mit dem Anspruch auf Sicherung des Bevölkerungsfortbestands und mit  der Verwirklichung des Anspruchs auf ökonomische Wohlstands-Vermehrung.

Die institutionalisierte Paarbeziehung (Ehe) setzt ein sexuelles Orientierungs-Bekenntnis voraus und basiert auf der sexuellen Interaktion. Der Sexualverkehr ist das maßgebende Kriterium für die Anerkennung und Beförderung der Ehe als Institution,  wobei das generations-übergreifende  Fürsorge-Prinzip von nachrangiger Bedeutung ist und immer mehr an Stellenwert verliert.

Es wird eine potenzielle Generativität vorausgesetzt, die aber, der Lebenswirklichkeit nicht entsprechen kann, wegen der materiellen Wohlstandsmaximierung, der Verwirklichung von Karriere-Ansprüchen und der emanzipatorischen Selbstprofilierungs-Interessen.

Die Institution Ehe ist, realiter, die  Triebfeder patriarchalen Wirtschaftens, die auf Basis sexueller Interaktion funktioniert. Das hat zur Folge, dass es deshalb in unserer patriarchal-organisierten Gesellschaft zur Übersexualisierung der zwischenmenschlichen Interaktionen und Beziehungen kommt. Indem die sexuelle Interaktion zum Universal-Antrieb jeder menschlichen Aktivität hochstilisiert wird, büßt man letztlich den sozialen, generativen und intergenerationalen Gemeinschaftszusammenhang ein. Insofern ist dieses potenzielle Familien-Ideal eine sozial-unverträgliche Konzeption.

Die Institution, Ehe, soll auch eine Selbstständigkeit, Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und eine Loslösung von den Ursprungsfamilien und von verwandtschaftlichen Bindungen darstellen. Hier soll in erster Linie die männliche Bestimmungshoheit gesichert werden  und die naturgegebene Freiheit des weiblichen Seins wird den patriarchalen Überlegenheits-Ansprüchen geopfert und es kommt darüber hinaus zum „Verlust des irdischen Glücks“ so wie Doris Wolf es in ihrem Buch, „Das andere Ägypten“, „Der Verlust der Freiheit und des irdischen Glücks im Patriarchat“ schon beschrieben hat: http://www.doriswolf.com/wp/?page_id=4412

Die institutionalisierte Paarbeziehung hat bis heute, eher, die Selbst- und Mitbestimmung der Frau verhindert und zerstört, weil die patriarchale Genealogie, der naturgegebenen mütterlichen Genealogie aufoktroyiert wird. Da es in patriarchalen Gesellschaften keine Entsprechung für die generationsübergreifende matri-soziale Geborgenheit gibt, werden Mütter zunehmend von der Gesellschaft isoliert und alle reziproken Interaktionen der Ursprungsfamilien werden auf die Paarbeziehung übertragen.

Bei diesem Ehe-Konzept werden alle familiären, haushälterischen und erzieherischen Pflichten hauptsächlich von Frauen und Müttern übernommen und dass dadurch, eine Überforderung und Überlastung der Mütter entsteht, ist vorprogrammiert. Hinzu kommt, dass die Arbeitsleistungen von Müttern nicht nur wenig gesellschaftliche Anerkennung erfahren, sondern, noch dazu, wirtschaftlich diskriminiert werden. Deshalb ist es kein Wunder, dass immer weniger junge Frauen sich für Nachwuchs entscheiden, da die Voraussetzungen für Mutterschaft denkbar schlecht sind und sie sich, diesen hohen Belastungen nicht mehr aussetzen wollen/können.Der Generativitätsanspruch (Fruchtbarkeit) der patriarchalen Ehe weicht in zunehmenden Maß dem patriarchalen Wirtschaftsdruck.  Die ökonomische Unverträglichkeit des patriarchalen Familien-Ideals zeigt sich in der wirtschaftlichen Diskriminierung und in der gesellschaftlichen Entwertung von mütterlichen Arbeits-, Kultur- und  Schöpfungsleistungen.

 

Es wäre anders, wenn das Fürsorge-Prinzip als maßgebliche Prämisse menschlichen Zusammenlebens und menschlicher Aktivität anerkannt würde.

Eine matriarchal-organisierte Gemeinschaft basiert auf dem Fürsorge-Prinzip, auf intergenerationaler Verantwortung und auf Respekt vor dem Stellenwert der Mutterschaft, wie man in den, noch bestehenden, herrschaftsfreien Matriarchien feststellen kann.

 

Wohingegen in unseren patriarchal-organisierten Kulturen das Konkurrenzprinzip herrscht und Vaterschaft gegen Mutterschaft ausgespielt wird,  indem Vaterschaft zum gesellschaftlichen Imperativ erhoben wird.

Dem Schutz der Familie ginge in erster Linie der Schutz der Mutter-Kind-Bindung, als realexistierende Basis des menschlich-intergenerationalen Zusammenlebens voraus. Die Mutter-Kind-Bindung beinhaltet, a priori, das Fürsorge-Prinzip und ist, von Natur aus, das Agens für den natürlichen, emotionalen und sozialen Menschwerdungsprozess. Innerhalb patriarchaler Strukturen jedoch, findet eine Wegrationalisierung der Mütter und eine latente Schleifung von Mutterschaft statt, indem Mutterschaft ökonomisch diskriminiert, gesellschaftlich entwertet und durch Erwerbsarbeit verkürzt, abgeschafft und durch künstliche Gebärmütter ersetzt werden soll.

Der Schutz der Familien bedeutet im patriarchal-hierarchischen Selektivitäts-System immer, dass die Besserverdienenden davon profitieren, die Schlechterverdienenden leer ausgehen, noch schlechter gestellt werden und einem verstärkten Armutsrisiko ausgeliefert werden.

Dem sogenannten Fortschritt  patriarchal-organisierter Gesellschaften stehen, die zunehmende Umweltzerstörung, die anwachsenden Müllberge, die Entwertung natürlicher Bindungen,  die ansteigende Kriminalität, die Prostitution,  die Verwahrlosung, die gesellschaftlichen Missverhältnisse, die  Slum-Bildung, die fast unüberwindbare soziale Diskrepanz und die sträfliche Vernachlässigung emotionaler und sozialer menschlicher Grundbedürfnisse entgegen.

 

Das sollte Anlass genug sein, die patriarchalen Maximen und Normen, grundsätzlich, auf ihre humane, soziale, ökologische und ökonomische Verträglichkeit zu überprüfen! 

 

Familie – ein überholtes Modell oder Fehlkonstruktion von Anfang an?

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